17. Oktober 2021 
 
12. November 2018

Medica: Plasma-Therapie gegen Hautkrebs

Um die Behandlung von Hautkrebs noch weiter zu verbessern, arbeitet die Forschung an neuen innovativen Therapieformen. Welche Rolle dabei Plasma spielen kann, erklärt Dr. Sander Bekeschus, Immunologe am Leibniz-Institut für Plasmaforschung und Technologie (INP), im Gespräch mit DIE MESSE.

Foto: INP/Henning KraudzunFoto: INP/Henning Kraudzun
INP-Forscher Dr. Sander Bekeschus zeigt eine Aufnahme von Co-Kulturen aus Tumorzellen und Immunzellen.
Herr Dr. Bekeschus, um die Behandlung von Hautkrebs zu verbessern, arbeiten Sie an neuen innovativen Therapieformen. Warum ist das notwendig?
Auch wenn es in den letzten Jahren erheblichen Fortschritt in der Behandlung von Hautkrebs gab, sprechen nach wie vor viele Patienten nicht oder unzureichend auf eine Tumortherapie an. Für diese Menschen suchen wir nach zusätzlichen Ansätzen, von denen sie profitieren könnten.

In der Forschergruppe „Plasma-Redox-Effekte“ haben Sie bereits vielverspechende Ergebnisse bei der Inaktivierung von Tumorzellen durch Plasma erzielt. Was ist Ihnen dabei gelungen?
Neben der Inaktivierung von Tumorzellen durch Behandlung mit physikalischem Plasma konnten wir verstärkt Immun-relevante Eigenschaften in diesen Zellen beobachten. Jetzt gibt es erste Hinweise, dass die Plasmabehandlung eine Antitumor-Immunantworten auslösen könnten. Für die Entdeckung der Verstärkung solcher Immunantworten in Krebspatienten nach Gabe von Immuntherapien wurde dieses Jahr der Medizin-Nobelpreis verliehen. Wir sind überzeugt, dass eine lokal beispielsweise durch Plasma ausgelöste Antitumor-Immunantwort sich auch gegen im Körper befindliche Metastasen richten könnte. Diese verstreuten Satelliten-Tumore sind für 90 Prozent der Todesfälle an Krebs verantwortlich.

Das Verfahren wollen Sie weiter optimieren. Welche Schritte stehen nun an?
Wir möchten mit tierexperimentellen Modellen zunächst weiter die Bedeutung einzelner Immunzell-Arten hinsichtlich deren Wahrnehmung und deren Eliminierung der Tumorzellen erforschen. Tiermodelle sind in Tumorimmunologie unabdingbar, da Tiere ein intaktes Immunsystem aufweisen und dessen Wirkung im Tumorgeschehen verfolgt werden kann; ein Prozess, der sich im Labor nicht direkt nachstellen lässt. Ein weiterer Schritt ist die Kombination von physikalischem Plasma mit gängigen Therapien, beispielsweise Immuntherapien oder Strahlentherapien. Am Ende möchten wir wissen, ob Plasma einen zusätzlichen Nutzen zu bereits vorhanden Therapiekonzepten haben kann.

Bei dem Forschungsprojekt ONKOTHER-H kooperieren Sie mit der Universität Rostock. Welche zusätzlichen Möglichkeiten bietet diese Zusammenarbeit?
ONKOTHER-H ist ein exzellentes Konsortium geführt vom Leiter der Rostocker Hautklinik, Herrn Prof. Steffen Emmert. Es vereint Expertisen verschiedenster Fachdisziplinen, wie beispielsweise Chemiker, Pharmakologen, Zellbiologen, Chirurgen und Kollegen aus der Wissenschaftsethik. Im Fokus steht die Erforschung des therapeutischen Nutzens einer innovativen Hautkrebs-Therapie bestehend aus neuartigen niedermolekularen Verbindungen zusammen mit physikalischem Plasma. Dabei ist es vor allem die interdisziplinäre Ausrichtung des Verbundes in Rostock und Greifswald, welche wichtige Erkenntnisse für die Hautkrebstherapie erwarten lässt. Weltweit ausgewiesen ist zudem das Institut für experimentelle Chirurgie unter Leitung von Frau Prof. Brigitte Vollmar. Ideale und artgerechte Zucht- und Haltungsbedingungen für Nagetiermodelle sowie modernste Möglichkeiten der Medizin wie beispielsweise CT- oder MRT-Scanner suchen seinesgleichen nicht nur in Greifswald.

Inwiefern könnte sich das neue Verfahren auch für die Behandlung anderen bösartiger Tumorarten anbieten?
Insgesamt konnte schon gezeigt werden, dass physikalisches Plasma auch selektiv gegen eine Reihe anderer Tumorarten wirkt. Allerdings ist für viele Tumorarten im Körperinneren noch nicht geklärt, wie das Plasma in der Praxis dorthin gelangen könnte. In meiner Forschergruppe fokussieren wir uns daher unter anderem auf die Fragestellung, inwiefern vom Patienten entnommenes Tumormaterial außerhalb des Körpers mit physikalischem Plasma behandelt und als eine Art „Impfung“ eingesetzt werden könnte. Ähnliche Ansätze werden bereits seit Jahrzehnten erforscht.
Jedoch glauben wir, dass Plasma durch seinen oxidierenden Effekt ein Wirkverstärker für Antitumor-Immunantwort sein könnte. Insgesamt muss sich der Tumor hinreichend von körpereigenen Zellen unterscheidet, um vom Immunsystem als „fremd“ erkannt und eliminiert zu werden. Wenn wir mit Hilfe von Plasma die Immunerkennung von Tumorzellen verbessern könnten, wäre das ein wichtiger Beitrag im Zeitalter der Immuntherapien in der Onkologie.

Das Leibniz-Institut für Plasmaforschung und Technologie (INP) präsentiert sich auf der Medica in Halle 15 am Stand E05. Welche Schwerpunkte setzt das INP in diesem Jahr in Düsseldorf?
Wir setzen auf interdisziplinäre Themenstellungen zwischen Natur- und Lebenswissenschaften – insbesondere zwischen Physik und Medizin. Plasmamedizin: Geräte zur Wundheilung, Konzepte für Entwicklungen mit weiteren Indikationen wie beispielsweise aus dem Bereich der Zahnmedizin oder Krebsbehandlung; Bioaktive Oberflächen (zellanziehend, zellabweisend, antimikrobiell,…): zum Beispiel Implantat-Beschichtungen; Dekontamination: Hygiene, Geräte zur Herstellung von plasmaaktivierten Flüssigkeiten zur Dekontamination, Prototypen zur Wasserreinigung, neue Konzepte zur Desinfektion.
Allgemein: In der Plasmamedizin liegt der Fokus auf der Grundlagenforschung zu Mechanismen von Wechselwirkungen physikalischer Plasmen mit lebenden Zellen und Geweben. Zudem wird die Erforschung und Einführung von neuen plasmabasierten Verfahren in der Medizin vorangetrieben. Im Forschungsschwerpunkt Bioaktive Oberflächen werden maßgeschneiderte Oberflächen für Anwendungen im Lifescience-Bereich entwickelt. Bei der plasmabasierten Dekontamination liegen die Hauptaugenmerke auf Abluftreinigung, Desinfektion von Lebensmitteln und Wasser.

https://www.inp-greifswald.de/
https://www.medica.de/

 

Weitere Nachrichten zu "Medica":


17. Mai 2021

MEDICA 2021 + COMPAMED 2021: Medizintechnikanbieter und ihre Zulieferer zeigen reges Interesse und wollen vor Ort Flagge zeigen

Der Termin Mitte November bleibt auch in diesem Jahr gesetzt für die global führenden Live-Plattformen der Medizintechnikindustrie. Die Planungen zur MEDICA 2021 in Düsseldorf, der weltweiten Nr. 1-Medizinmesse, und die parallele COMPAMED 2021, die internationale Leitveranstaltung für die Medizintechnikzulieferer, werden mit Hochdruck vorangetrieben (15. – 18. November). Der bisherige Verlauf der Ausstelleranmeldungen bestätigt das hohe Interesse der Anbieter, vor Ort in Düsseldorf Flagge zu zeigen und Neuheiten entlang der gesamten Wertschöpfungskette der Industrie und für den kompletten Workflow einer modernen Gesundheitsversorgung zu thematisieren. (mehr …)



7. Oktober 2020

virtual.MEDICA präsentiert Spitzenthemen der Labormedizin und spiegelt Bedeutung des Fachgebiets in der Corona-Krise

Wie können Diagnosen mit Hilfe topaktueller wissenschaftlicher Erkenntnisse noch sicherer und schneller erfolgen? Und wie lassen sich eine Vielzahl von Informationen so verknüpfen und auswerten, dass sich daraus neue Therapieoptionen ergeben? Um diese und viele weitere Fragen geht es beim MEDICA LABMED FORUM, das in diesem Jahr pandemiebedingt digital und für registrierte Online-Besucher kostenfrei ein hochkarätiges Programm mit Top-Speakern bietet – zugänglich in der `Conference Area´ der virtual.MEDICA (https://virtual.MEDICA.de) an allen Veranstaltungstagen vom 16. – 19. November 2020. (mehr …)


21. September 2020

MEDICA und COMPAMED 2020 gehen als `virtual.MEDICA´ und `virtual.COMPAMED´ an den Start

Die MEDICA 2020 und die COMPAMED 2020 werden als die weltführenden Informations- und Kommunikationsplattformen für die Medizintechnik-Branche und den Zuliefererbereich der Medizintechnik-Industrie vom 16. – 19. November komplett im virtuellen Format stattfinden. Im Rahmen der `virtual.MEDICA´ und `virtual.COMPAMED´ erwartet die Entscheider aus allen Bereichen der Gesundheitswirtschaft dann auf virtual.MEDICA.de und virtual.COMPAMED.de ein umfangreiches Angebot bestehend aus den drei zentralen Bereichen: `Conference Area´ (Konferenz- und Forenprogramm), `Exhibition Space´ (Aussteller und Produktneuheiten) sowie `Networking Plaza´ (Netzwerken/ Matchmaking). Die Folgeveranstaltungen MEDICA 2021 und COMPAMED 2021 werden im nächsten Jahr im hybriden Konzept, bestehend aus der Kombination von Live-Plattformen für Fachbesucher auf dem Düsseldorfer Messegelände plus digitaler Angebote, durchgeführt. (mehr …)


2. Juli 2020

Start-ups starten durch bei der MEDICA

Die weltführende Medizinmesse MEDICA in Düsseldorf zählte branchenübergreifend zu den ersten Veranstaltungen überhaupt, die vor Jahren bereits jungen Unternehmen in der Gründungsphase spezielle Programmformate zur Vorstellung ihrer Ideen bot. Sie hat sich in der Folge zur internationalen Nr. 1 auch für Health Start-ups entwickelt. Zur MEDICA 2020 (Laufzeit: 16. bis 19. November) wird die kreative und vorrangig digital getriebene Gründerszene erneut besonders im Fokus des Intereses stehen. Denn im Zuge der Corona-Pandemie ist die Bedeutung mobiler, leicht anwendbarer Lösungen zur Vernetzung der Akteure in der Gesundheitsversorgung noch weiter gestiegen. (mehr …)


19. Juni 2020

MEDICA 2020 + COMPAMED 2020: Corona-Virus schärft weltweit Aufmerksamkeit für gute Gesundheitsversorgung und moderne Ausstattung

Rund um den Globus gibt es durch die Corona-Pandemie keinen Sektor, der so im Blickpunkt steht wie der Gesundheitsbereich. Kliniken, ambulante Gesundheitszentren, niedergelassene Ärzte und Pflegeeinrichtungen haben einen schlagartig erhöhten Bedarf an Medizin- und Labortechnik, verschiedensten medizinischen Produkten, Digital Health-Applikationen sowie insbesondere auch persönlicher Schutzausrüstung. Unter diesen Vorzeichen laufen die Planungen zur weltgrößten Medizinmesse MEDICA 2020 und die parallele Nr. 1-Fachmesse für die Zulieferer der Medizintechnik-Industrie, die COMPAMED 2020, auf Hochtouren. Beide Veranstaltungen werden vom 16. bis 19. November in Düsseldorf stattfinden - eng verzahnt mit umfangreichen digitalen Angeboten und Services. (mehr …)


18. November 2019

MEDICA 2019: Unabhängig mit Rolli und Kind unterwegs

Nachwuchswissenschaftler an der TU Kaiserslautern haben ein System entwickelt, mit dem ein Kindersitz an einem Rollstuhl befestigt werden kann. Dipl.-Ing. Michael Weber hat die Entwicklung betreut und erzählt im Gespräch mit DIE MESSE, wie das Fahrzeug funktioniert. (mehr …)



28. Januar 2019

Medica 2019 mit neuer Hallenstruktur

Mit einer neugegliederten Struktur kehrt die Düsseldorfer Medizinmesse Medica vom 18. bis 21. November 2019 zurück. Die Informations- und Kommunikationstechnik wird von Messehalle 15 in die Halle 13 umgruppiert, mit direktem Anschluss an die Hallen für Medizintechnik und Elektromedizin (Hallen 9 bis 14). (mehr …)

 

MESSENAVIGATOR
PHARMA / MEDIZINTECHNIK
ALLE TERMINE

E-PAPER MEDICA

NEWSLETTER
Bleiben Sie auf dem neuesten Stand: Nutzen Sie unseren exklusiven Newsletter "Pharma / Medizintechnik" und erfahren Sie alles aus der Welt der internationalen Messewirtschaft - kostenlos, einmal monatlich.
Ihre E-Mail-Adresse:
 
© 2018 by Connex AG