21. Juli 2019 
 
12. November 2018

Medica: Plasma-Therapie gegen Hautkrebs

Um die Behandlung von Hautkrebs noch weiter zu verbessern, arbeitet die Forschung an neuen innovativen Therapieformen. Welche Rolle dabei Plasma spielen kann, erklärt Dr. Sander Bekeschus, Immunologe am Leibniz-Institut für Plasmaforschung und Technologie (INP), im Gespräch mit DIE MESSE.

Foto: INP/Henning KraudzunFoto: INP/Henning Kraudzun
INP-Forscher Dr. Sander Bekeschus zeigt eine Aufnahme von Co-Kulturen aus Tumorzellen und Immunzellen.
Herr Dr. Bekeschus, um die Behandlung von Hautkrebs zu verbessern, arbeiten Sie an neuen innovativen Therapieformen. Warum ist das notwendig?
Auch wenn es in den letzten Jahren erheblichen Fortschritt in der Behandlung von Hautkrebs gab, sprechen nach wie vor viele Patienten nicht oder unzureichend auf eine Tumortherapie an. Für diese Menschen suchen wir nach zusätzlichen Ansätzen, von denen sie profitieren könnten.

In der Forschergruppe „Plasma-Redox-Effekte“ haben Sie bereits vielverspechende Ergebnisse bei der Inaktivierung von Tumorzellen durch Plasma erzielt. Was ist Ihnen dabei gelungen?
Neben der Inaktivierung von Tumorzellen durch Behandlung mit physikalischem Plasma konnten wir verstärkt Immun-relevante Eigenschaften in diesen Zellen beobachten. Jetzt gibt es erste Hinweise, dass die Plasmabehandlung eine Antitumor-Immunantworten auslösen könnten. Für die Entdeckung der Verstärkung solcher Immunantworten in Krebspatienten nach Gabe von Immuntherapien wurde dieses Jahr der Medizin-Nobelpreis verliehen. Wir sind überzeugt, dass eine lokal beispielsweise durch Plasma ausgelöste Antitumor-Immunantwort sich auch gegen im Körper befindliche Metastasen richten könnte. Diese verstreuten Satelliten-Tumore sind für 90 Prozent der Todesfälle an Krebs verantwortlich.

Das Verfahren wollen Sie weiter optimieren. Welche Schritte stehen nun an?
Wir möchten mit tierexperimentellen Modellen zunächst weiter die Bedeutung einzelner Immunzell-Arten hinsichtlich deren Wahrnehmung und deren Eliminierung der Tumorzellen erforschen. Tiermodelle sind in Tumorimmunologie unabdingbar, da Tiere ein intaktes Immunsystem aufweisen und dessen Wirkung im Tumorgeschehen verfolgt werden kann; ein Prozess, der sich im Labor nicht direkt nachstellen lässt. Ein weiterer Schritt ist die Kombination von physikalischem Plasma mit gängigen Therapien, beispielsweise Immuntherapien oder Strahlentherapien. Am Ende möchten wir wissen, ob Plasma einen zusätzlichen Nutzen zu bereits vorhanden Therapiekonzepten haben kann.

Bei dem Forschungsprojekt ONKOTHER-H kooperieren Sie mit der Universität Rostock. Welche zusätzlichen Möglichkeiten bietet diese Zusammenarbeit?
ONKOTHER-H ist ein exzellentes Konsortium geführt vom Leiter der Rostocker Hautklinik, Herrn Prof. Steffen Emmert. Es vereint Expertisen verschiedenster Fachdisziplinen, wie beispielsweise Chemiker, Pharmakologen, Zellbiologen, Chirurgen und Kollegen aus der Wissenschaftsethik. Im Fokus steht die Erforschung des therapeutischen Nutzens einer innovativen Hautkrebs-Therapie bestehend aus neuartigen niedermolekularen Verbindungen zusammen mit physikalischem Plasma. Dabei ist es vor allem die interdisziplinäre Ausrichtung des Verbundes in Rostock und Greifswald, welche wichtige Erkenntnisse für die Hautkrebstherapie erwarten lässt. Weltweit ausgewiesen ist zudem das Institut für experimentelle Chirurgie unter Leitung von Frau Prof. Brigitte Vollmar. Ideale und artgerechte Zucht- und Haltungsbedingungen für Nagetiermodelle sowie modernste Möglichkeiten der Medizin wie beispielsweise CT- oder MRT-Scanner suchen seinesgleichen nicht nur in Greifswald.

Inwiefern könnte sich das neue Verfahren auch für die Behandlung anderen bösartiger Tumorarten anbieten?
Insgesamt konnte schon gezeigt werden, dass physikalisches Plasma auch selektiv gegen eine Reihe anderer Tumorarten wirkt. Allerdings ist für viele Tumorarten im Körperinneren noch nicht geklärt, wie das Plasma in der Praxis dorthin gelangen könnte. In meiner Forschergruppe fokussieren wir uns daher unter anderem auf die Fragestellung, inwiefern vom Patienten entnommenes Tumormaterial außerhalb des Körpers mit physikalischem Plasma behandelt und als eine Art „Impfung“ eingesetzt werden könnte. Ähnliche Ansätze werden bereits seit Jahrzehnten erforscht.
Jedoch glauben wir, dass Plasma durch seinen oxidierenden Effekt ein Wirkverstärker für Antitumor-Immunantwort sein könnte. Insgesamt muss sich der Tumor hinreichend von körpereigenen Zellen unterscheidet, um vom Immunsystem als „fremd“ erkannt und eliminiert zu werden. Wenn wir mit Hilfe von Plasma die Immunerkennung von Tumorzellen verbessern könnten, wäre das ein wichtiger Beitrag im Zeitalter der Immuntherapien in der Onkologie.

Das Leibniz-Institut für Plasmaforschung und Technologie (INP) präsentiert sich auf der Medica in Halle 15 am Stand E05. Welche Schwerpunkte setzt das INP in diesem Jahr in Düsseldorf?
Wir setzen auf interdisziplinäre Themenstellungen zwischen Natur- und Lebenswissenschaften – insbesondere zwischen Physik und Medizin. Plasmamedizin: Geräte zur Wundheilung, Konzepte für Entwicklungen mit weiteren Indikationen wie beispielsweise aus dem Bereich der Zahnmedizin oder Krebsbehandlung; Bioaktive Oberflächen (zellanziehend, zellabweisend, antimikrobiell,…): zum Beispiel Implantat-Beschichtungen; Dekontamination: Hygiene, Geräte zur Herstellung von plasmaaktivierten Flüssigkeiten zur Dekontamination, Prototypen zur Wasserreinigung, neue Konzepte zur Desinfektion.
Allgemein: In der Plasmamedizin liegt der Fokus auf der Grundlagenforschung zu Mechanismen von Wechselwirkungen physikalischer Plasmen mit lebenden Zellen und Geweben. Zudem wird die Erforschung und Einführung von neuen plasmabasierten Verfahren in der Medizin vorangetrieben. Im Forschungsschwerpunkt Bioaktive Oberflächen werden maßgeschneiderte Oberflächen für Anwendungen im Lifescience-Bereich entwickelt. Bei der plasmabasierten Dekontamination liegen die Hauptaugenmerke auf Abluftreinigung, Desinfektion von Lebensmitteln und Wasser.

https://www.inp-greifswald.de/
https://www.medica.de/

 

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