SPS 2023

Branchenhighlights: das komplette Spektrum der smarten unddigitalen Automation SPS 2023 Nürnberg 14. bis 16. 11. 2023 Aus dem Inhalt: Innovationen Mensch im Mittelpunkt Ohne qualifizierte Mitarbeiter geht es auch mit KI nicht | Seite 8 Lightweight design Durable, low-CO2 vehicle components made from fiber-reinforced biopolymers | Page 10 ePaper Lesen Sie digital Anzeige Anzeige AI applications An easier and systematic qualification A new software framework is to make it easier for companies to approve or audit applications based on Artificial Intelligence (AI). The framework is being jointly developed by Fraunhofer IPA in conjunction with the Institute of Industrial Manufacturing and Management IFF at the University of Stuttgart as part of the “AIQualify” research project of the German Association for Quality (DGQ). AI-based applications are gaining ground, especially in the fields of industrial image processing and quality control. Such applications can now automate monotonous and time-consuming manual Read more on page 6 Fortsetzung auf Seite 2 Visualisierung der Zustandsqualifizierung Foto: Fraunhofer IWM Wälzlager werden überall dort eingebaut, wo sich etwas dreht. Das breite Einsatzgebiet reicht von der großen Windkraftanlage bis zur kleinen elektrischen Zahnbürste. In Bezug auf ihre Qualität und die jeweilige Anwendung müssen die Lager aus Stahlbauteilen sorgfältig ausgewählt und geprüft werden. Maßgeblichen Einfluss auf die mechanischen Eigenschaften des Stahls hat die Korngröße. Bislang wird die Größe der mikroskopisch kleinen Kristallite per Sichtprüfung durch Metallographen bewertet – eine subjektiv geprägte, fehleranfällige Methode. Forscher am Fraunhofer-Institut für Werkstoffmechanik IWM haben nun in Zusammenarbeit mit der Schaeffler Technologies AG & Co. KG ein Deep Learning-Modell entwickelt, das eine objektive und automatisierte Bewertung und Bestimmung der Korngröße ermöglicht. Deep Learning für Qualität Objektiv klassifizierbare Stahlmaterialien Anzeige Visit us,hall 3-147 DC - Lasttrennschalter DC - Switch Disconnectors Befehls- und Meldegeräte Push Buttons Schütze Contactors www.benedict.at OPC UA over MQTT CLOUD FIELD Live Demo at OPC Booth OPC UA over MQTT OPC UA via REST ©klagyivik / stock.adobe.com ONE HARMONIZED SOLUTION FOR PROCESS, FACTORY & ENERGY SCALING FROM FIELD TO CLOUD OPC_Ad_DIE_MESSE_44x66_SPS2023_lay01.ind3d0. 10.23 17:01 Besuchen Sie uns! Halle 3A Stand 326 www.zimmer-group.com Werkzeugwechsler www.exxpo.com/epaper/sps2023 Messestadt Nürnberg Frankenmetropole punktet mit exzellenter Gastronomie | Seite 11

•••2••• Innovationen Deep Learning fürMaterialqualität Objektiv klassifizierbare Stahlmaterialien Der typische Werkstof f für Wälzlager sind ober f lächl ich gehärtete, mit Kohlenstoff angereicher te Stähle. Mi t der Oberflächenhärtung wird das Material widerstandsfähig gemacht, um das Versagen, die Ermüdung und kritisches Risswachstum der Bauteile durch zyklische Belastung zu vermeiden und so schwere Unfälle zu verhindern. Kritische mikrostrukturelle Merkmale in Stahllegierungen sind typischerweise nichtmetallische Einschlüsse sowie überdurchschnittlich große Körner. Diese Kristallite entstehen bei der Herstellung des Stahls und sind im Zuge der Wertschöpfungskette stetigen Veränderungen ausgesetzt. Mechanische Eigenschaften von Stahl werden unter anderem stark durch die Korngröße bestimmt. Daher ist deren zuverlässige Bewertung für die Qualitätskontrolle unerlässlich. Forsche des Fraunhofer IWM in Freiburg haben in Zusammenarbeit mit Schaeffler Technologies AG & Co. KG ein Deep LearningModell zur Korngrößenbestimmung bei martensitischen und bainitischen Stählen, also Stählen mit einer gehärteten Mikrostruktur bedingt durch abruptes Abkühlen, entwickelt. Es soll die bisherige aufwändige Sichtprüfung durch geschulte Metallographen ergänzen oder ersetzen. Diese bestimmen und klassifizieren die Defekte bislang visuell. Primär wird nach größeren Körnern und anderen Fehlstellen gesucht, da hier die Wahrscheinlichkeit des Versagens am höchsten ist. Wie ein Ringversuch zeigte, weichen die Prüfungen der Fachleute voneinander ab. Deren Ergebnisse sind subjektiv, ungenau und damit nicht hinreichend zuverlässig – speziell für sicherheitsrelevante Anwendungen. Zudem ist das typische Prüfungsverfahren fehleranfällig, da es auf kleinen Stichproben beruht und wegen des großen Aufwands nicht das komplette Bauteil untersucht werden kann. Hohe Automatisierung, verbesserte Genauigkeit und Reproduzierbarkeit in der Defekterhebung Das Deep Learning-Modell zur Korngrößenbestimmung hingegen kann beliebig große Bauteilbereiche bewerten und weist eine hohe Genauigkeit und ideale Reproduzierbarkeit auf. Um das zu ermöglichen, wurde das Modell mit Bilddaten gefüttert, die zuvor durch das Auge der Experten klassifiziert worden waren. Mithilfe dieser Bilder des Industriepartners wurde das Modell trainiert, Mikrostrukturen in Stahl zu erkennen und zu klassifizieren. Die Innovation dabei ist, dass eine durchgängig objektive und automatisierte Bewertung der Korngröße gelingt. Die Daten sind, bedingt durch unterschiedliche Bewertung der Korngrößen durch die Metallographen, mit einem Rauschen behaftet. Jedoch wird bei der Optimierung des Modells das Rauschen, sprich die Fehlbeurteilung, herausgefiltert. Indem das Modell stetig Bilder erhält, die mit einer Über- und Unterschätzung der Korngröße annotiert sind, lernt es eine mittlere Repräsentation und wird trainiert, die Mikrostrukturen sicherer zu bewerten. „In diesem Fall sind für das Training weder außerordentlich saubere Daten noch große Datenmengen erforderlich“, sagt Dr. Ali Riza Durmaz, Wissenschaftler am Fraunhofer IWM. Eine von Dr. Durmaz und seinem Team entwickelte Webapplikation visualisiert die Ergebnisse. Dabei schaffen Ansätze der erklärbaren Künstlichen Intelligenz mehr Transparenz bei der Entscheidungsfindung des Modells. Je kleiner die Korngröße, desto fester der Stahl Mit dem Deep Learning-Modell werden Mikrostrukturaufnahmen in verschiedene Korngrößenspannen klassifiziert. „Die Wälzlager müssen die mikrostrukturellen Anforderungen erfüllen, was bedingt, dass die Körner eine bestimmte Größe nicht überschreiten dürfen. Je kleiner die Korngröße, desto größer ist die Festigkeit des Stahls“, erläutert Durmaz. Je höher die Anzahl an kleinen Körnern, desto höher fällt die Dichte an Korngrenzen – den Berührungsflächen zwischen den Körnern – aus. Eine hohe Dichte an Korngrenzen sorgt dafür, dass das Bauteil sich auch unter sehr hohen Belastungen nicht plastisch verformt. Sogar bei einer kleinen bleibenden Verformung des Materials würde das Lager nicht mehr rund laufen, die Reibeigenschaften wären ebenso beeinträchtigt wie die Energieeffizienz. Neben der Korngröße ist das Deep Learning-Modell in der Lage, zwischen mar tensitischen und bainitischen Zuständen sowie zwischen verschiedenen Stahllegierungen (Varianten der 100Cr6- und C56-Familie) zu unterscheiden. Derzeit wird das Modell in das industrielle Umfeld von Schaeffler Technologies implementiert. Damit liegt dem Industriepartner ein Prozess vor, mit dem die Defekterkennung an Wälzlagern in industriellen Prozessen KI-basiert und automatisiert in bislang nicht möglicher Reproduzierbarkeit erfolgen kann. Der Workflow, der die Anpassung der KI-Modelle auf die spezifischen Materialien, die Verknüpfung mit der Bildverarbeitung und das Einbetten des Modells in benutzerfreundliche Oberflächen umfasst, lässt sich einfach auf andere Anwendungsgebiete übertragen. „Unser Deep Learning-Modell ermöglicht eine KI-basierte und automatisierte Qualifizierung z.B. überall dort, wo sicherheitsrelevante Komponenten hohen und zyklischen Belastungen ausgesetzt sind, wie Elektromotorkomponenten oder die B-Säule in Fahrzeugen“, resümiert der Forscher. Die Forschungsergebnisse wurden bereits veröffentlicht: Frontiers, Microstructure quality control of steels using deep learning (frontiersin.org). Visualisierung der Korngrößenqualifizierung des Modells anhand einer exemplarischen, bainitischen 100Cr6-Aufnahme mit heterogener Mikrostruktur (a). In der Abbildung (b) sind Bereiche in Rot und Gelb hervorgehoben, in diesem Fall grobe Kristallite, die das Modell stark berücksichtigt. Foto: Fraunhofer IWM Rückschau Messeduo Motek/Bondexpo 2023 Die Motek/Bondexpo 2023 – das war volles Haus und beste Messestimmung in Stuttgart. 496 Aussteller aus 22 Ländern und 24.492 interesseierte Fachbesucher machten die 41. Motek, internationale Fachmesse für Produktions- und Montageautomatisierung, zusammen mit der 16. Bondexpo, internationale Fachmesse für Klebtechnologie, einmal mehr zum begeisternden Branchenevent. Schon amerstenMessetag gab es belebte Flure, rege Fachgespräche und intensive Diskussionen in drei Messehallen. „Fertigungsunternehmen wollen und müssen ihren CO2-Abdruck weiter deutlich verkleinern und suchen ressourcenschonende, wirtschaftliche Lösungen“, betont Bettina Schall, Geschäftsführerin des Messeveranstalters P. E. Schall. „Und die haben sie hier gefunden. Fachleute haben über vierMessetage auf Augenhöhe diskutiert sowie Komponenten, Systeme und Anlagen in Aktion erlebt. Die Motek/Bondexpo 2023 hat wieder einmal gezeigt, dass Aussteller hier die richtige Zielgruppe treffen undAnwender konkreteAntworten auf ihre Fragen erhalten“, so das Resümee der Messechefin. Leistungsmarken gesetzt, Hürden gesenkt, Lust auf 2024 geweckt „Die Motek/Bondexpo 2023 hat die Hürden der Automatisierung weiter gesenkt“, sagt Bettina Schall. „Die Fachbesucher haben praxisnahe Lösungen für die systemische und zukunftsfähige Produktion erlebt. Der Einstieg in die Zukunft ist einfach – davon konnten sich die Messebesucher überzeugen. Auch die Motek/Bondexpo 2024 wird der Fertigungsbranche weiterentwickelte Lösungen an die Hand geben, um noch wirtschaftlicher und effizienter zu arbeiten. Wir tragen diese hervorragende, begeisternde Stimmung aus 2023 ins nächste Jahr – zur 42. Motek und 17. Bondexpo vom 08. bis 11. Oktober 2024. Alle Aussteller und Fachbesucher sind schon heute herzlich dazu eingeladen – wir freuen uns darauf!“ Die Fachmesse Motek ist für die Automatisierungsbranche besonders relevant Foto: Motek / P. E. Schall GmbH & Co. KG Fortsetzung von Seite 2

•••3••• Innovationen Kluge Lagerhaltung für flexible Produktion Miele und Fraunhofer IEM optimieren mit KI die Lagerlogistik Ordnung und kurze Wege sind das A und O für eine flexible und wirtschaftliche Lagerhaltung – das weiß man im Miele-Lager in Oelde. Zusammen mit dem Fraunhofer IEM entwickelte Miele ein KI -basier tes Ordnungssystem und kann Kommissonieraufträge nun zunächst im Rahmen eines Pilotprojektes flexibler und effizienter bearbeiten. Gefördert wurde die Zusammenarbeit im it’s OWL-Projekt IMAGINE. Pro Jahr liefert das Miele-Werk in Oelde etwa 400.000 MieleGeräte in die ganze Welt. Vom Scharnier für die Backofentür bis zur kleinsten Schraube lagert das Werk dafür mehr als 1.800 unterschiedliche Bautei le ein. „Gerade durch die enorme Variantenvielfalt unserer Produkte müssen wir flexibel auf neue Aufträge reagieren können. Das er forder t eine per fekte Organisation unserer Prozesse“, erläutert Michael Bansmann, Manager Supply Chain Engineering bei Miele. Um die Lagerhaltung künf tig noch dynamischer und kostengünstiger zu steuern, setzt das Unternehmen jetzt auf ein intelligentes Ordnungssystem: Es weist neu angelieferten Schrauben, Kabeln und anderen Bauteilen automatisch den optimalen Lagerplatz zu – abhängig von ihrem geplanten Einsatz in der Produktion. Die Mitarbeiter profitieren von kürzeren Laufwegen und können ihre Kollegen in der Fertigung flexibler und effizienter beliefern. „Das Ordnungssystem befindet sich im Pilotbetrieb. Erste Testergebnisse zeigen, dass sich die Transportwege um circa 7 % verringern. Das macht unsere Prozesse entsprechend effizienter“, sagt Michael Bansmann. Flexible Auftragsbearbeitung Für das dynamische Ordnungssystem im Miele-Lager erarbeitete das Fraunhofer IEM ein intelligentes Datenmodell aus Kundenaufträgen, Zulieferer- und Produktionsplanungsdaten. Einige Daten wurden bereits vor Projektstart von Miele ermittelt. Andere hat das Projektteam neu erschlossen. Die Mitarbeiter im Miele-Lager greifen ab sofort über ein Tablet auf das Ordnungssystem zu. „Der Algorithmus identifiziert Bauteile, die häufig zusammen ausgelagert wurden und zeigt den Lagermitarbeitern mithilfe eines Tablets bei der Einlagerung an, wo das Bauteil am besten gelagert werden sollte, um die Fahrwege der Stapler zu verkürzen. Das System wird kontinuierlich mit neuen Daten ergänzt. So kann es dynamisch auf neue Kommissionieraufträge reagieren“, erläutert Silke Merkelbach, Data-Science-Expertin des Fraunhofer IEM. Zum Forschungsprojekt IMAGINE Im it‘s OWL-Forschungsprojekt IMAGINE (Juni 2020 bis Mai 2023) erarbeiteten Forschungseinrichtungen und Unternehmen Methoden und Hilfsmittel für eine KI-gestützte Intralogistik. Prozesse in Lagerhaltung, Transport und Auftragsabwicklung sollten weiter optimier t werden. Das Fraunhofer IEM und das Fraunhofer IOSB-INA setzten mit Unternehmen Pilotanwendungen für die Produktion von Hausgeräten (Miele), Separatoren (GEA) und Gebäudepumpen (WILO) um. Gute Ordnung und kurze Wege sind das A und O: Christian Kürpick (links, Fraunhofer IEM) entwickelte mit Michael Bansmann (Mitte) und Henning Hallmann von Miele ein intelligentes Ordnungssystem für die Lagerlogistik Foto: Fraunhofer IEM Nachhaltige Digitalisierungsstrategie Industrie kann bedeutenden Beitrag leisten Die Digitalisierung in Fabriken hat in puncto Kl imaschutz eine Schattenseite. Sie kann ohne einen nachhaltigen Ansatz zu einer Erhöhung der CO2-Emissionen führen. Denn digitale Prozesse benötigen in der Regel erhebliche Mengen an Energie. Der Verein SEF Smart Electronic Factory e.V. beleuchtet , warum eine nachhaltige Digitalisierungsstrategie essenziell ist und wie mittels digitaler Lösungen Energiever br äuche ver r i nger t und Rohstoffkosten reduziert werden können. „Die Digitalisierung in der Industrie hat zwei Seiten. Sie bietet einerseits erhebliche Möglichkeiten zur Verbesserung der Energieeffizienz, andererseits kann sie sehr energieintensiv sein. Die Digitalisierung führt dazu, dass mehr Daten erzeugt, verarbeitet und gespeichert werden müssen. Dies er fordert zusätzliche Rechenkapazitäten und Speicherressourcen, die wiederum mehr Energie verbrauchen. Auch der zunehmende Einsatz von Computern, Servern, Datenzentren und anderen elektronischen Geräten, die Energie benötigen, spielt hier hinein“, erklärt Christina Hild, Geschäftsführerin des SEF. Digitale Technologien können zudem den Energieverbrauch erhöhen, wenn sie nicht effizient genutzt werden und keine optimierten Prozesse implementiert sind. Ineffiziente Abläufe können zu einem erhöhten Ressourcenverbrauch führen. Christina Hild empfiehlt: „Um entsprechende negative Auswirkungen zu minimieren, ist es daher wichtig, eine nachhaltige Digitalisierungsstrategie zu verfolgen. Digitale Nachhaltigkeit setzt auf die Optimierung von Infrastruktur und die Implementierung von Technologien, die zur Reduzierung des CO2-Fußabdrucks beitragen.“ Für diese Aufgabenstellungen entwickelt und testet der SEF verstärkt entsprechende Lösungen, wie zum Beispiel zum Energie-Monitoring und Energie-Management. „Durch den Einsatz von intelligenten Steuerungs- und Überwachungssystemen können Unternehmen Energieeinsparungen erzielen, Ressourcen besser verwalten und Prozesse optimieren. Die r ichtige Anwendung digi - taler Technologien kann somit dazu beitragen, den Energieverbrauch zu senken und insgesamt nachhaltiger zu agieren. So kann die Industrie einen bedeutenden Beitrag zur Ressourcenschonung und zur Bekämpfung des Klimawandels leisten“, sagt Christina Hild. SEF Smart Electronic Factory e.V. empfiehlt nachhaltige Digitalisierungsstrategie Foto: Pixabay Fortsetzung auf Seite 5

•••4••• Branchennews Industrie 4.0-Projekte Aufwandsarm im eigenen Unternehmen testen Das Fraunhofer IEM und Dassault Systèmes bauen mit dem Engineering Collaboration Network (ECN) ein Netzwerk auf, um den Einsatz digitaler Technologien in der Industr ie voranzutreiben. Dabei erhalten ausgewählte Organisationen kostenlosen Zugriff auf die 3D-Experience-Plattform in der Cloud, um gemeinsam Demonstrationslabore für Industrie 4.0-Anwendungsfälle zu entwickeln. Ziel ist es, KMU und Start-ups auf ihrem Weg zu neuen digitalen Geschäftsmodellen zu unterstützen. Neuestes Mitglied des Netzwerks ist das Center for Systems Engineer ing (CSE) als Teil des RWTH Aachen Campus. Digitale Innovationen in der Cloud Dassaul t Systèmes und das Fraunhofer IEM bilden als Ecosystem Provider die Basis des ECN. In zweiter Instanz folgen die Testbed Operators. Dies sind ausgewählte Unternehmen und Institute, die auf Basis der 3DEXPERIENCE Plattform Lösungsdemonstratoren für verschiedene Anwendungsfälle aus dem Digital Engineering entwickeln. Dank des Einsatzes der 3DEXPERIENCE Plattform in der Cloud als SaaS (Software-as-a-Service) durch die Betreiber des ECN entfallen für die Testbed-Operatoren sowohl Investitionen in Server als auch der Wartungsaufwand für Hardware und Software weitestgehend. „Wir laden kleine und mittlere Unternehmen ein, gemeinsam einen Industrie 4.0 Use Case aufzubauen. In unserem SElive-Lab in Paderborn finden wir dafür die nötige Infrastruktur und nutzen einen kostenlosen Zugang zur Engineering-Software der 3D-Experience-Plattform. Ausprobieren lohnt sich!“, sagt Peter Ebbesmeyer, Experte für Digital Engineering und PLM am Fraunhofer IEM. Voraussetzung für die unentgeltliche Nutzung der Software ist es, die Praxisbeispiele mit den anderen Mitgliedern öffentlich zu teilen und als direkte Anlaufstelle für die dritte Ebene, die Testbed Partner, zu fungieren: Hier können KMU und Start-ups die präsentierten Technologien testen und gemeinsam mit den Operatoren einen Proof of Concept für deren Implementierung erarbeiten. Alle Mitglieder haben zudem als Teil einer großen Community die Möglichkeit, sich untereinander auszutauschen und gemeinsam Ideen zu entwickeln. Wachsende Community fördert Innovation und Wettbewerbsfähigkeit Als offenes Ökosystem kommen regelmäßig neue Mitglieder aus unter schiedl ichen Branchen zum ECN hinzu. Bereits heute umfasst das Netzwerk zahlrei - che Testbed-Operatoren aus verschiedenen Fachgebieten – hierzu zählen unter anderem das Digitallabor CLAAS Greenhouse sowie das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahr t mit dem ZAL in Hamburg und die Swiss Smart Factory. Im SElive Lab erforscht, erprobt und vermittelt das Fraunhofer IEM Methoden und Lösungen für die effiziente Entwicklung technischer Systeme Foto: Fraunhofer IEM Sensorik und Messtechnik Umsatz und Auftragslage im 2. Quartal Der AMA Verband für Sensorik und Messtechnik e.V. (AMA) befragte seine rund 450 Mitglieder zur wirtschaftlichen Entwicklung im zweiten Quartal. Die Branche erwirtschaftete nach eigenen Angaben im zweiten Quartal ein Umsatzminus von drei Prozent, verglichen mit dem Vorquartal. Damit blieb die Branche hinter den Erwartungen von plus minus null zurück. Vergleicht man die Umsatzentwicklung des zweiten Quar tals 2023 jedoch mit dem des zweiten Quartals des Vorjahres, stieg der Umsatz der Sensorbranche um plus fünf Prozent. Bei den Auftragseingängen verzeichneten die AMA Mitglieder im zweiten Quartal 2023 einen Rückgang von fünf Prozent, verglichen mit dem Vorquartal. Es zeigen sich Unterschiede in der Umsatzentwicklung zwischen großen und kleineren Unternehmen, wobei größere Unternehmen einen stärkeren Umsatzrückgang verzeichneten als kleinere AMA Mitglieder. Die Absatzmärkte in den Bereichen Sensorik und Messtechnik sowie Elektrotechnik entwickelten sich vergleichsweise gut. Die Absatzmärkte im Energiesektor und in der Bahntechnik gestalteten sich im zweiten Quartal als schwieriger. „Unsere Mitgl ieder erklären sich den rückläufigen Umsatz im zweiten Quartal als Folge der Lieferengpässe während der Corona-Pandemie. Mit zunehmender Verfügbarkeit von Lieferungen haben ihre Kunden die Lieferbestände stark gefüllt und versuchen jetzt, diese wieder auf ein normales Niveau zu bringen,“ erklärte Thomas Simmons, Geschäftsführer des AMA Verband. „Deshalb bleibt die Stimmung unter unseren Mitgliedern positiv, sie rechnen im laufenden Quartal bereits wieder mit einem Umsatzplus von drei Prozent.“ Entwicklung zum Ende des dritten Quartals wieder positiv Foto: AMA Geb udeautomation Schlüssel zur Dekarbonisierung Der Fachverband Automation + Management für Haus + Gebäude (FV AMG) im VDMA setzt auf die Gebäudeautomation als Schlüsseltechnologie für Energieeffizienz und Dekarbonisierung. Besonders in Gewerbe- und Industriebauten lassen sich durch die Nachrüstung von Systemen zur Gebäudeautomatisierung im Durchschnitt über 40 Prozent thermische und bis zu 25 Prozent elektrische Energie einsparen. Eine Studie von Waide Strategic Efficiency kommt für den Fall, dass die Anforderungen der Gebäudeautomation der EPBD 2018 (Energy Performance of Buildings Directive) im Nichtwohngebäudesektor umgesetzt werden, auf Einsparungen an Primärenergie von europaweit jährlich 14 Prozent. Und das, ohne sich beispielsweise bei Heizungsanlagen auf eine Technologie oder einen Energieträger festzulegen. Mit moderner Gebäudeautomation wird die technische Ausrüstung einer Immobilie wie Heizung, Lüftung, Warmwasser, Licht und Beschattung zu einem digitalen Gesamtsystem vereint und bedarfsgerecht integriert überwacht, gesteuert und optimiert. Durch die Digitalisierung und das automatisierte Erfassen, Aufzeichnen und Auswerten der Daten erfüllen die Gebäude so auch die Vorgaben des Gebäudeenergiegesetzes (GEG) zur Protokollierung und Analyse des Verbrauchs und der Emission aller gebäudetechnischen Systeme. „Der VDMA Fachverband Automation + Management für Haus + Gebäude (AMG) hat dazu in seiner Mitgliederversammlung am 13. Oktober 2023 die Initiative ‚Gebäudeautomation. Die Branche. Der Maßstab.‘ der VDMA Services GmbH vorgestellt. Die Kampagne wurde am selben Tag mit dem Freischalten einer Website gestartet, und dient dazu, den Unternehmen der Branche bei ihren herausfordernden Aufgaben für eine nachhaltige Zukunft zur Seite zu stehen“, erläutert Dr. Peter Hug, Geschäftsführer des VDMA FV AMG. „Mit dieser breit angelegten Informationskampagne stellen wir dar, warum die Gebäudeautomation ein zentraler Baustein für die Digitalisierung und Nachhaltigkeit von Gewerbeimmobilien ist.

•••5••• Hallenplan+Legende Nachhaltige Digitalisierungsstrategie Industrie kann bedeutenden Beitrag leisten SEF prägt Use Cases zu Aufgaben wie Energieeinsparung aus Wie der SEF Nachhaltigkeit undEnergieeffizienz in Fabriken vor antreibt, zeigt ein Anwendungsbeispiel in der Leiterplattenfertigung, in das fünf Mitglieder des Vereins mit ihren Lösungen involviert sind. Das Zusammenspiel ermöglicht optimierte Prüfvorgänge und Bilderkennung beim manuellen Pressen von Hochstromkontakten. Das Ergebnis ist eine signifikant minimierte Ausschussrate, die zu einer Senkung der Kosten für Rohstoffe und Energie führt. Des Weiteren wird die Qualität gesteigert und damit einhergehend eine Verbesserung der Reklamationsrate erzielt. Es kommt außerdem zu einer Senkung der Energieverbräuche, da Warenrückholungen und erneute Versendungen reduziert werden. „Nachhaltiges Handeln kommt uns allen zugute. Nicht nur im Sinne unseres Planeten, sondern auch hinsichtlich der Wettbewerbsfähigkeit und Rentabilität von Unternehmen“, erklärt Christina Hild. Nachhaltiges Handeln kommt allen zugute Foto: Pixabay Messewelten Service 9 Münchener Straße N Service 4 Service 7 Service 2/3/4 Süd/Ost Presse/Press Ladehöfe/Loading Yards Ladehöfe/Loading Yards Einfahrt Access Eingang/ Entrance Frankenhalle Messeleitung Besucher (Eingang Mitte) Fair Management Visitors (Entrance in the Middle) ervice 12.2 Süd Service 12.0 Nord Service 12.0 Süd Rotunde VIP West/Mitte Eingang Ost Entrance East Messepark/ Fair Park Zentraleinfahrt Main access Ost Service 10 Service 9/Mitte Service 8/9 Service 6/7 Service 5/6 Service 4/5 Service 1/2 Service 3/4 Service 1 Karl-Schönleben-Straße Service 1/Mitte Funktionscenter Süd Service Partner Center Service-Center Mitte 7A 7 6 5 8 4A 4 3A 3 2 3C 1 10.1 12.2 12.0 10.0 9 11.1 11.0  Steuerungstechnik | Control technology  Elektrische Antriebstechnik/ Motion Control | Electric drives/motion control  Interfacetechnik | Interface technology  MenschMaschineInterface | Human-machine-interface  Sensorik und Systemlösungen | Sensor technology and system solutions  Software & IT in der Fertigung | Software & IT in manufacturing  Mechanische Infrastruktur | Mechanical infrastructure  Industrielle Kommunikation | Industrial communication Produktbereiche der SPS 2023 | Main offerings of SPS 2023 Fortsetzung von Seite 3

•••6••• Innovationen AI applications An easier and systematic qualification processes very reliably and offer a significant competitive advantage, in particular to small and mediumsized enterprises (SMEs). This is especially the case when the test parts or potential defects are variable and could consequently push conventional rule-based systems to their limits. However, a lack of transparency and understanding of how these applications actually work leads to uncertainty when it comes to deploying AI. The applications mostly rely on machine learning (ML) processes. The artificial neural networks used here learn independently from large amounts of data. However, even AI experts are rarely able to explain how exactly a result – and in a worst-case scenario, an incorrect result – is produced based on this learning process. It is precisely this situation that leads to businesses erring on the side of caution when it comes to adopting technology of this kind. In addition, legal problems could arise in the event that in future, businesses are forced to comply with additional regulations for the use of AI technologies in the context of the EU AI Act. Simplifying and supporting AI audits In order to remedy this and to provide greater security, especially for businesses with little experience in using AI, suitable standards and development methods are required. Thesewouldmake it easier to verify the suitability or qualification of MLbased AI applications, evenwithout the kind of specialist knowledge that has been necessary up to now. This is precisely the goal pursued by the “AIQualify” research project with the help of an emerging software framework. A software-based assistance system supports users in defining and formulating test and evaluation criteria. These are centrally bundled in what is known as an assurance case, before being used to subsequently approve the AI application based on these criteria. The basis for this is an audit platform that provides specific audit modules for each development phase of theML components of the AI application. A modular design is to be used for the platform, with the aim of ensuring that test modules can be easily integrated or expanded. In addition to isolated qualification, the framework can also be integrated iteratively as an element in the development process of an AI system. Taking the entire development process into consideration Prof. Marco Huber, who heads up the project, underlines the innovative nature of the resultant approach: “Rather than only taking the finished application into account, we go back much further – right to the very beginning, in fact. Each development phase for an AI application requires decisions that can all influence the result. For this reason, we also make sure to include aspects such as data selection, pre-processing, quality criteria and model selection.” The software framework therefore enables three types of qualification: 1. by the company itself, 2. by a customer, supplier or partner, and finally 3. through independent institutions. This produces three distinct target groups: First, service providers for ML based quality control and management, second, manufacturing companies and, third, service providers for conformity testing and auditing. In particular, small and medium-sized enterprises (SMEs) will have the capability of qualifying third-party AI systems. In this way, the aim is for such businesses to be able to evaluate the performance of an AI system even without having their own AI specialists at their disposal. Evaluating the framework by way of typical applications Two use cases serve the purpose of testing the software framework in practical terms. The first use case relates to the research context of the project partners, where AI is used for camerabased detection of defective perforated discs. What is so special about this is that, in addition to real camera images, synthetic images of defects can also be created and used. This allows different degrees of severity of the test task to be taken into consideration when it comes to assessing the suitability of the ML components. The second use case comes directly from industrial practice. In addition to supporting the project as a whole, a project committee comprising manufacturing companies, among other organizations, will contribute this use case to the project. The “AIQualify” project aims to develop a software framework that supports companies in their efforts to audit AI systems as part of industrial quality control processes Foto: Fraunhofer IPA/Photo: Rainer Bez Visitors can look forward to an extensive and compelling array of quality presentations on current topics from the automation industry at the forums in halls 3, 6 and 8. The Technology Stage program in Hall 3, hosted by the two industry associations VDMA and ZVEI, will also be broadcast live in German and English at the complementary online event, “SPS on air”. This year’s panel discussions, product presentations, and keynote sessions will focus on: • Digital transformation/Industry 4.0 • Industrial communication • Safety & security • Data-driven and intelligent concepts for control and visualization • Sensor innovations • Drives • Sustainability through automation In Hall 6, the long-established “Automation meets IT” joint stand presented by around 24 exhibitors will offer visitors comprehensive insights into specific issues and give them an opportunity to receive individual advice from suppliers. The joint stand will focus on the following topics: • IT Management for manufacturing • Cloud and edge-based solutions and services • Security measures for manufacturing • IoT and AI-based solutions • Open source Visitors to the BMWK (Federal Ministry for Economic Affairs and Climate Action) stand in Hall 8 can also find out about new and improved products, processes, and services from innovative start-ups from Germany. This is funded by the German Federal Ministry of Economics and Climate Protection. An additional area for start-ups is also planned inHall 8. SPS visitors will find many supporting events at SPS 2023 Foto: Mesago / Arturo Rivas Gonzalez Continued from Page 1 Automation meets IT Extensive program of supporting events

••• 7 ••• Branchennews Industriestrategie Fokus auf Stärkung der Resilienz richtig Nachdem die erste Hälfte der Legislaturperiode von Maßnahmen zur Krisenbewältigung geprägt war, formul ier t das Bundesminister ium für Wi r tschaft und Klimaschutz (BMWK) mit der Industriestrategie wichtige Punkte für eine aktive und zukunftsger ichtete Politik, so Sarah Bäumchen, Mitglied der ZVEI -Geschäftsleitung. „Es ist ein wichtiges Signal, dass die Industriestrategie die Resilienz Europas bei Schlüsseltechnologien deutlich stärken will. Gezielte Investitionen in Transformationstechnologien wie etwa Mikroelektronik, Batterien und Netzkomponenten sind notwendig, um sich robuster aufzustellen und zugleich die internationale Wettbewerbsfähigkeit zu steigern. Die Industriestrategie geht diese Herausforderung offensiv an und kann damit entscheidend zu einer stärkeren Souveränität in der aktuell herausfordernden geopolitischen Lage beitragen.“ Positiv bewertet der ZVEI, dass das BMWK die Bedeutung der Industr ie für Wachstum und Wohlstand herausstellt und die wichtige Rolle der bestehenden Wertschöpfungsnetzwerke betont. Um diese zu erhalten und weiterzuentwickeln, sind die passenden Rahmenbedingungen für alle Unternehmen, unabhängig von ihrer Größe zu schaffen. Dafür fehle in der Industriestrategie jedoch ein klares Signal zur breiten Entlastung der Unternehmen bei den Stromkosten über einen Brückenstrompreis für wenige hinaus. „Die Senkung der Stromsteuer auf das europäische Mindestmaß und die Absenkung weiterer Umlagen und Abgaben wären wichtige Signale, die derzeit noch ausstehen. Bezahlbare Strompreise sind Grundlage für wirtschaftliches Wachstum und mehr Klimaschutz. Denn nur mit niedrigeren Strompreisen für alle können wir Investitionen in klimaschonende, strombasierte Technologien voranbr ingen,“ so Bäumchen. Dazu kommt, dass es weiterhin eine deutliche Beschleunigung bei Genehmigungsver fahren und dem Abbau von Bürokratie brauche. Und das nicht nur punktuell für einzelne Teilbranchen, sondern für den gesamten Wirtschaftsstandort. Zudem fehlten Vorschläge zur allgemeinen Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit durch konkrete Entlastungsmaßnahmen. Der ZVEI unterstützt die Forderung aus der Industriestrategie, dass auch die digitale Seite der Transformation entschieden vorangetrieben werden muss. Dazu gehör t insbesondere auch eine bessere Digitalisierung des Stromsystems und Anreize für die Datenökonomie, wie etwa Datenräume für die Industrie. Der Strompreis ist weiterhin wichtig für die Wettbewerbsfähigkeit des Wirtschaftsstandorts Foto: Pixabay Anzeige Neue Maschinenverordnung und Funktionale Sicherheit im Blickpunkt TÜV SÜD stellt auf der SPS 2023 seine Dienstleistungen und Fachkenntnisse in den Bereichen neue Maschinenverordnung, Funktionale Sicherheit, Cybersicherheit und Radio Equipment Directive (RED) vor. Besucher sind eingeladen, das Team in Halle 4, Stand 521 zu treffen. Die Einführung der neuen Europäischen Maschinenverordnung (MVO) im Juli 2023 und ihre verbindliche Anwendung ab Januar 2027 in der gesamten EU werfen ihre Schatten voraus. Die MVO wird die bestehende Maschinenrichtlinie 2006/42/EG mit wichtigen Änderungen ersetzen. TÜV SÜD ist darauf vorbereitet und informiert über die Details. Die steigende Digitalisierung und Vernetzung in der Industrie haben neue Sicherheitsrisiken hervorgebracht. Die MVO wird spezifische Anforderungen für die Cybersicherheit von Sicherheitssteuerungssystemen, Konformitätssoftware, den Einsatz von Künstlicher Intelligenz in Sicherheitsfunktionen sowie für autonome und ferngesteuerte Maschinen und Cobots einführen. Eine bedeutende Neuerung ist die verpflichtende Konformitätsbewertung für bestimmte Produktkategorien durch eine Benannte Stelle, die Produkte mit hohem Risiko betrifft, wie Fahrzeughebebühnen oder selbstlernende Maschinen. Die MVO weitet zudem ihren Anwendungsbereich aus, sodass die Lieferkette, einschließlich Händler von (Gebraucht-)Maschinen, konkrete Verpflichtungen im Zusammenhang mit der neuen Verordnung hat. Gleichzeitig erleichtert die MVO die Digitalisierung von Montage- und Betriebsanleitungen sowie der EU-Konformitätserklärung, was Verwaltungsaufwand und Kosten für Hersteller reduzieren soll. Hersteller sollten sich bereits jetzt auf die neuen Vorschriften vorbereiten, da die Umsetzung voraussichtlich einige Zeit in Anspruch nehmen wird. TÜV SÜD-Dienstleistungen für Funktionale Sicherheit Die steigende Digitalisierung und Automatisierung in der Industrie erfordern höchste Standards für die Funktionale Sicherheit von Produkten und Anlagen. TÜV SÜD stellt die Funktionsfähigkeit und Sicherheit von elektrischen oder (programmierbaren) elektronischen Systemen sicher, begleitet von der Planung bis zur fachgerechten Entsorgung. Die Dienstleistungen umfassen Prüfungen, Unterstützung bei Entwurf und Einbau, Sicherheitssoftware, Vorabnahmen und Modernisierungsberatung. Dies steigert sowohl die Produktqualität als auch die Produktionseffizienz und Arbeitssicherheit, was Anlagenbauern und Herstellern einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil verschafft. Cybersicherheit: Den Fortschritt sichern Die zunehmende Bedrohung der ITSicherheit in der Automatisierungstechnik erfordert verstärkte Maßnahmen. Die internationale Normenreihe IEC 62443 bietet den Rahmen für die IT-Sicherheit von cyber-physischen Systemen in der Industrie. TÜV SÜD-Zertifizierungen für den Lebenszyklus der sicheren Produktentwicklung und Sicherheitsprogramme sind essenziell für Hersteller, Integratoren und Dienstleister. TÜV SÜD bietet zusätzlich Schulungen, Gap-Analysen, Sicherheitsrisikobewertungen und Threat Modeling sowie umfassende Tests und Produktbewertungen. Hersteller von Autonomous Mobile Robots, Fahrerlosen Transportsystemen und elektronischen Antriebssystemen erhalten Unterstützung von der Entwicklung bis zum globalen Marktzugang. RED-Leitlinien: Drahtlose Innovation und Konformität Die delegierte Verordnung (EU) 2022/30 zur Ergänzung der Funkanlagenrichtlinie (RED) 2014/53/ EU wird ab dem 1. August 2024 verbindlich. Elektronische Produkte, die zur Funkkommunikation oder -ortung Funkwellen ausstrahlen oder empfangen, müssen dann eine Konformitätsbewertung bezüglich der Cybersicherheitsanforderungen durchlaufen, bevor sie in der EU in Verkehr gebracht werden dürfen. TÜV SÜD als Benannte Stelle in der EU unterstützt Hersteller von drahtlosen Geräten bei der Einhaltung dieser Anforderungen. Mit akkreditierten Testlaboren und qualifizierten Experten ist TÜV SÜD optimal aufgestellt, um Kunden weltweit zu unterstützen. Weitere Informationen: www.tuvsud.com/de-de/branchen/ produzierende-industrie

•••8••• Innovationen DerMensch imMittelpunkt Wissen und Assistenz in der Produktion Auch wenn Künstliche Intelligenz und autonome Lösungen zunehmend die Fertigung erobern: Ohne qualifizierteMitarbeiter geht es nicht. Menschen in der Produktion bestmöglich zu unterstützen, ihr Wissen zu übertragen und ihre Arbeitsfähigkeit möglichst lange zu erhalten, wird für Unternehmen immer wichtiger, macht ein Trendreport des Fraunhofer IPK deutlich. Mit Rohstoffknappheit, Lieferkettenproblemen und Klimaneutralität steht die Industrie derzeit vor vielen Herausforderungen – aber eine der drängendsten ist der Fachkräftemangel. Denn ohne qualifizierte Kräfte lassen sich auch die anderen Aufgaben nicht angehen. Automatisierte und autonome Systeme können das Problem abfedern, aber nicht lösen, denn: Die menschliche Fähigkeit, flexibel auf Störungen und unerwartete oder neue Situationen zu reagieren, lässt sich auch mit KI noch nicht technisch nachbilden. Gerade in Krisen- und Ausnahmesituationen sind die Mitarbeiter daher ein entscheidender Resilienzfaktor für Unternehmen. Vor dem Hintergrund des demographischen Wandels und eines Wertewandels bei den jüngeren Generationen ist nicht zu erwarten, dass sich das Problem in naher Zukunft entschärft. Daher sind kreative Lösungen zur Personalwerbung, -bindung und -weiterqualifizierung, aber auch zur Unterstützung der vorhandenen Belegschaft gefordert. Es gilt, die Attraktivität von Arbeitsplätzen in der Produktion zu steigern, durch Aufgabenvielfalt und Entscheidungsbefugnis, aber auch durch Reduzierung physischer Belastung. Hochkomplexe, integrierte Technologien müssen für die Bedienenden beherrschbar gemacht werden, auchwenn ihre Ausgangsqualifizierung für den Umgang damit nicht optimal ist. Und das Know-how von Prozessexperten muss im Unternehmen gesichert und für andere Mitarbeiter zugänglich gemacht werden. Das Fraunhofer IPK hat zur Überwindung der bestehenden Herausforderungen umfassende Lösungen geschaffen. Menschzentrierte, kontextsensitive Assistenz Datengestützte Lösungen bieten dazu vielfältige Ansätze. Werden Fertigungsprozesse so komplex, dass Maschinenbedienende sie nicht mehr nur mit Erfahrungswissen optimal einrichten können, helfen interaktive Assistenzsysteme. Sie schlagen auf Basis von Sensordaten oder Wissen von Spezialisten geeignete Einstellungen vor oder leiten denMenschen kontextsensitiv durch den Prozess. Das große Feld der Assistenzsysteme lässt sich grob in zwei Gruppen gliedern: Indirekte Assistenz agiert im Hintergrund, während bei direkter Assistenz eine unmittelbare Mensch-Maschine-Interaktion stattfindet. Indirekte Assistenz ist im Wesentlichen Auswahlhilfe, gestützt auf Datenanalyse. Zur Vorbereitung schwieriger Entscheidungen werden Daten zum Beispiel aus Sensoren in Maschinen intelligent ausgewertet. Als Ergebnis wird eine kontextsensitive Auswahl möglicher Optionen zur Verfügung gestellt. Direkte Assistenz bereitet Informationen mit Modellen und Dashboards so auf, dass Menschen damit arbeiten können – etwa um einen Prozess optimal einzurichten oder eine Anlage zuwarten, mit der sie nicht bis zur letzten Schraube vertraut sind. Dabei ist die Herausforderung, die Assistenz so zu gestalten, dass sie intuitiv bedienbar ist und den Menschen, der sie nutzt, weder unter- noch überfordert. „Am Fraunhofer IPK erforschen wir beide Formen von Assistenz – von Lösungen für semantische Datenvernetzung und -interpretation bis hin zu situationsgerechten User-Assistenzsystemen für unterschiedlichste Einsatzgebiete“, sagt Prof. Dr. Jörg Krüger, Leiter des Geschäftsfelds Automatisierungstechnik. „Anwendungen sind z. B. die Identifikation neuer und gebrauchter Bauteile zur Montagevorbereitung oder für die Wiederverwendung von Altteilen, aber auch die Unterstützung von Servicekräften im Wartungseinsatz.“ Beispiel: Mobile Instandhaltungsunterstützung via Smart Device Im Bereich Maintenance, Repair and Overhaul (MRO) werden mobile Assistenzapplikationen mithilfe von KI flexibler – und vorausschauender. BeimWarten von Maschinen und Anlagen ist es besonders wichtig, die umgesetzten Schritte transparent zu dokumentieren, damit andere Werker nachvollziehen können, welche Arbeiten durchgeführt wurden. Mobile digitale Applikationen unterstützen die Instandhaltungsprozesse deshalb nicht nur operativ, sondern erleichtern auch die nachgelagerte Dokumentation, indem sie sie teilweise oder sogar vollständig automatisieren. Ein von Fraunhofer IPK und CONTACT Software entwickeltes kontextsensitives MRO-Assistenzsystem auf Basis Digitaler Zwillinge hilft so zum Beispiel, den Zustand einer Maschine oder Anlage genau einzuordnen, bekannte Lösungsstrategien auszuwählen und Fehler effizient zu beheben. Während des MROProzesses bezieht das System bei jedem Arbeitsschritt situationsabhängige Informationen in die konkreten Arbeitsanweisungen für das Instandhaltungspersonal mit ein undmacht es möglich, die Instandhaltungsvorgänge flexibel an sich ständig ändernde Prozesszustände anzupassen. „Je genauer der Zustand einer Maschine oder Anlage beschrieben werden kann, desto gezielter kann ein Schaden analysiert und behoben werden. Darüber hinaus lässt sich mit der von Fraunhofer entwickelten Lösung die Bedienung von Werkzeugmaschinen und ganzen Systemen auch durch nicht qualifizierte Fachkräfte ermöglichen“, erläutert Claudio Geisert, stellvertretender Abteilungsleiter Produktionsmaschinen und Anlagenmanagement am Fraunhofer IPK. „Durch die Dokumentation unterschiedlicher Lösungsstrategien im Digitalen Zwilling können intelligente Algorithmen nicht nur im konkreten Anwendungsfall das Servicepersonal bei der Zuordnung von LösunKI soll den Menschen unterstützen Foto: Pixabay SPS goes USA SPS - Smart Production Solutions, organized by Mesago Messe Frankfurt, is a renowned global trade event for the automation industry. It serves as a vital platform for knowledge exchange and advancement in the field of industrial automation. To enhance its reach and impact, SPS will be expanding into the US market. In 2025, SPS will debut as an independent event in Atlanta, known as SPS Atlanta 2025. This expansion and the introduction of the stand-alone event will further accelerate and facilitate the exchange of ideas and innovation in the automation industry. September 16 - 18, 2025 – Atlanta, GA CareerDrive ist online Der Mangel an Fachkräften ist seit einigen Jahren ein großes Thema und betrifft auch die Automatisierungsbranche. Aufgrund der hohen Nachfrage nach Experten und interessierten Nachwuchskräften hat der Veranstalter der internationalen Leitmesse SPS – Smart Production Solutions, dieMesagoMesse Frankfurt, zum Herbst die Jobbörse SPS CareerDrive gelauncht. Während der Messetage haben Interessenten auf demMessegelände anmehreren Terminals die Gelegenheit, auf die Jobbörse SPS CareerDrive zuzugreifen und nach passenden freien Vakanzen zu stöbern. Damit ist das Karriereportal SPS CareerDrive ein weiterer Recruiting-Baustein für denWirtschaftszweig zum Finden, Fördern und Halten von Talenten. Benedict GmbH www.benedict.at Halle: 3 • Stand: 147 cpc Europa GmbH www.cpc-europa.de Halle: 4 • Stand: 236 OPC Foundation www.opcfoundation.org Halle: 5 • Stand: 140 TÜV SÜD AG www.tuvsud.com Halle: 4 • Stand: 521 Zimmer GmbH www.zimmer-group.com Halle: 3A • Stand: 326 Messetelegramm Anzeige Fortsetzung auf Seite 9

•••9••• Branchennews Schwerpunkte der neuen Hallen In 16 Messehallen – und damit zwei mehr als 2022 – haben die Besucher der Messe die Möglichkeit, sich über die neuesten Trends und Entwicklungen aus dem Bereich der smarten und digitalen Automation zu informieren, in den persönlichen Austausch mit den Experten zu gehen und Lösungen für ihre Automatisierungsaufgaben zu finden. „Letztes Jahr hat deutlich gezeigt, welch hohen Stellenwert die SPS wieder für die Automatisierer hat, um in den wichtigen persönlichen und fachlichen Austausch mit den Besuchern aus den Anwenderindustrien zu gehen. Die Nachfrage ist mittlerweile so hoch, dass wir für die diesjährige SPS entschieden haben, das Messegelände um die Hallen 3C und 8 auf insgesamt 16 Hallen zu erweitern“, so Sylke Schulz-Metzner, Vice President SPS. Die in diesem Jahr neu hinzukommenden Hallen konzentrieren sich auf folgende Bereiche: In der Halle 3C finden interessierte Besucher Anbieter aus dem Bereich der Mechanischen Infrastruktur, Steuerungstechnik sowie Software & IT in der Fertigung. Dazu zählen Unternehmen wie Rittal GmbH & Co. KG, EPLAN GmbH & Co. KG, Rockwell Automation GmbH und Eaton Electrical Systems Ltd., die ihr Portfolio der SPS-Community in der modernen Halle präsentieren. Als inhaltliche Erweiterung und Verbindung der Hallen 7 und 9 bieten Aussteller wie LQMechatronik-Systeme GmbH, ROSE Systemtechnik GmbH oder auch Beijer Electronics AB in der Halle 8 ein breites Spektrum an Steuerungstechnik und MenschMaschine-Interface Produkte sowie Lösungen. Prozessautomation Wachstum schwächt sich ab Nach zwei starken Jahren liegen die Umsätze bei den Mitgliedsunternehmen des ZVEI-Fachbereichs Messtechnik und Prozessautomatisierung (M+P) auch im Zeitraum Januar bis September 2023 einstellig über Vorjahr. Bei den globalen Auftragseingängen hingegen ist ein leichter Rückgang im mittleren einstelligen Bereich zu erkennen, der noch bis Anfang 2024 anhalten könnte. Die globalen Trends Elektrifizierung und Digitalisierung, Energieeffizienz und Nachhaltigkeit sind weiterhin einflussreiche Faktoren. Dadurch erwarten die Unternehmen ab Frühjahr wieder deutlich positive Impulse für die Branche. Etwa kann durch Digitalisierungslösungen, wie zum Beispiel der NAMUR Open Architecture (NOA), der großen Herausforderung des Fachkräftemangels begegnet werden. So können unter anderem Monitoring und Optimierung sowie die Wartung in verfahrenstechnischen Anlagen digitalisiert und effizienter gestaltet werden. Uneinheitliches Bild in Regionen und Abnehmerbranchen Während bei Produkten und Lösungen aus dem Geschäftsfeld „Instrumentierung“ noch Wachstum zu erkennen ist, zeigt sich der Bereich „Leittechnik“ bereits schwächer. Im Hinblick auf die Regionen kommen positive Signale aus dem US-amerikanischen Markt. Auch der asiatische Markt entwickelt sich zum überwiegenden Teil erfreulich. Insbesondere Indien sticht positiv heraus, China dagegen schwächelt. Auch das Europa- und insbesondere Deutschlandgeschäft zeigt sich eher schwach. Vor allem bei der deutschen Chemieindustrie ist eine erkennbare Investitionszurückhaltung zu vernehmen, die zu einem Geschäftsrückgang mit dieser Branche führt. Zuwächse konnten hingegen in der Pharmaindustrie sowie in den Sektoren Öl, Gas, Wasserstoff, Wasser und Abwasser erzielt werden. In der Prozessindustrie hilft Automatisierung bei Effizienzsteigerung und führt somit zu einer Verbesserung der Kostenbasis. Die Prozessautomation in Deutschland hatte Ende 2022 126.500 Beschäftigte und erwirtschaftete 2022 mit einem Umsatz von 24,9 Milliarden Euro, gut elf Prozent des Umsatzes der Elektro- und Digitalindustrie insgesamt. Die Exporte lagen in diesem Zeitraum mit 18,4 Milliarden Euro fast doppelt so hoch wie die Importe mit 10,3 Milliarden Euro. Ab Frühjahr 2024 rechnet die Branche mit positiven Impulsen Foto: Pixabay Impressum MESSEJOURNAL DIE MESSE SPS 2023 Verlag: EXXPO.DIE MESSE GmbH Bessemerstraße 82 12103 Berlin (Tempelhof) Telefon: +49 160 5523402 E-Mail: verwaltung@die-messe.de Internet: www.die-messe.de www.exxpo.com Verantwortlich für den Inhalt: Norbert Funke gen zu Problemstellungen unterstützen. Für das Unternehmensmanagement legen sie auch die Weichen für eine intelligente, nachhaltige Instandhaltungsstrategie, in der Fehler frühzeitig erkannt und bestenfalls präventiv behoben werden können.“ Gesundheit erhaltenmit Ergonomieunterstützung Da es immer schwieriger wird, Nachwuchskräfte für die Produktion zu rekrutieren, unternimmt die Industrie große Anstrengungen, Arbeitsumfelder so zu gestalten, dass erfahrenes Personal darin möglichst lange agieren kann. Ergonomisch optimale Arbeitsbedingungen leisten einen wesentlichen Beitrag, Arbeitskräfte bis in ein hohes Alter in Unternehmen zu halten. In diesem Kontext spielen körpergetragene Sensor- und Robotersysteme zur Ergonomie- und Kraftunterstützung, die Verschleiß und Verletzungen des Bewegungsapparates vorbeugen, eine zunehmende Rolle. Die vom Fraunhofer IPK entwickelte Orthese ErgoJack® nutzt Sensoren zur Bewegungserkennung, um Tragende zu informieren, wenn sie sich ergonomisch kritisch bewegen. Bei Tätigkeiten, in denen keine ergonomische Haltung möglich ist – etwa beim Bearbeiten von Objekten auf Überkopfniveau – helfen kraftunterstützende Exosuits wie PowerGrasp, ebenfalls eine Entwicklung des Berliner Instituts. Wissensmanagement und Qualifizierung Das Wissen von Prozessexperten ist für Unternehmen eine ebenso essenzielle Ressource wie Energie oder das Ausgangsmaterial von Produkten. Dieses Wissen unternehmensweit verfügbar zu machen, setzt effektive Wissensmanagement-Lösungen voraus. Darüber hinaus erzeugen insbesondere Digitalisierung und Vernetzung sowie deren unternehmensindividuelle Ausgestaltung einen erhöhten Bedarf, Fertigkeiten vonMitarbeiternweiterzuentwickeln. Hier spielen intuitive Trainingsmethoden eine wichtige Rolle. TechnologieorientierteWeiterbildungen sowie Serious Games und realitätsnahe Lernfabriken, in denen Produktionsmanagement- und -steuerungsmethoden interaktiv vermittelt werden, ermöglichenMitarbeitern aller Hierarchieebenen, Lerninhalte hautnah zu erleben und gezielt Kompetenzen zu entwickeln. Der Mensch im Mittelpunkt Fortsetzung von Seite 8 ErgoJack-Technologieintegration in Exoskelette Foto: Henning Schmidt

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