21. Juli 2024 
 
3. Mai 2023

Repräsentative Umfrage zum Thema Recycling und Mehrweg

Das Deutsche Verpackungsinstitut e. V. (dvi) hat die Menschen in Deutschland im März 2023 in einer repräsentativen Umfrage zu ihren Präferenzen im Umgang mit gebrauchten Verpackungen, zum Thema Mehrweg und zu ihrer Einschätzung des Umweltfußabdrucks von Verpackungen im Vergleich zum verpackten Produkt befragt.

Foto: dviFoto: dvi
Hintergrund

Zum Hintergrund der repräsentativen Befragung erklärt Kim Cheng, Geschäftsführerin des dvi: „Die Verpackungswirtschaft steht im Spannungsfeld von Umwelt‐ und Produktschutz. Beide Anforderungen sind elementar und lassen sich nicht gegeneinander ausspielen. Denn Verpackungen sind zentral für die Versorgung von Menschen und Unternehmen mit allen Waren des täglichen Bedarfs und sie sind zentral für den Klima‐ und Umweltschutz sowie die Schonung wichtiger Ressourcen. Gerade weil wir nicht auf Verpackungen verzichten können, müssen wir besonders achtsam und bewusst damit umgehen. In den Unternehmen der Verpackungswirtschaft läuft der Umstieg auf regenerative Energien bei Produktion und Transport, der zunehmende Einsatz nachhaltiger Rohstoffe sowie die Entwicklung neuer Designs für stetig sinkenden Materialbedarf und eine hundertprozentige Recyclingfähigkeit schon seit einigen Jahren auf vollen Touren. Vor diesem Hintergrund wollten wir wissen, wie die Menschen in Deutschland zu dem Thema stehen. Denn Klima‐ und Umweltschutz ist gerade in Bezug auf Verpackungen Teamarbeit. Fortschritte erreichen wir nur im Miteinander, nicht im Gegeneinander.“

Umgang mit gebrauchten Verpackungen

Auf die Frage, wie man mit Verpackungen nach Gebrauch umgehen solle, votieren 76,0 Prozent der Menschen für eine stoffliche Wiederverwertung im Rahmen des Recyclings. 49,9 Prozent sprechen sich dafür aus, Verpackungen nach Gebrauch möglichst neu zu befüllen und mehrfach zu nutzen. 24,1 Prozent begrüßen die Kompostierung als Weg zur Entsorgung von Verpackungen. 15,1 Prozent setzen auch auf eine Verbrennung zum Zweck der Energiegewinnung. Für die Deponierung beziehungsweise das Vergraben an Land votieren lediglich 2,3 Prozent.

Für Kim Cheng zeigt das Ergebnis, dass „die Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger im Umgang mit gebrauchten Verpackungen auf Kreislaufwirtschaft, Recycling und den Erhalt wertvoller Sekundärrohstoffe setzt. Die hohe Zustimmungsquote für Mehrweg und Wiederbefüllung ist dabei kein Widerspruch. Denn auch Mehrwegverpackungen sollten am Ende ihres Lebenszyklus stofflich wiederverwertet und zu neuen Verpackungen werden. Die Unternehmen der Branche arbeiten mit großem Erfolg und vielen Innovationen an immer materialeffizienteren und recycelbaren Verpackungen. Allein bei den Packstoffen Papier, Pappe, Karton, Glas, Metall und Kunststoff konnte die Branche seit 1991 rund 23 Millionen Tonnen Material durch leichtere Verpackungen einsparen. Neben der Vermeidung und Verringerung des Verpackungsaufwands steht die Kreislauffähigkeit der Verpackung auch für die Branche ganz oben auf der Liste.

Problematisch ist, dass die EU‐Kommission in ihrem Vorschlag für die neue EUVerpackungsverordnung Ende letzten Jahres zwar vorschreibt, dass alle Verpackungen bis 2030 recyclingfähig oder wiederverwendbar sein müssen, aber nicht die konkreten Designanforderungen zur Recyclingfähigkeit festlegt. Dafür sind sogenannte „delegated acts“ vorgesehen. Jedoch ist weder ein Zeitrahmen vorgegeben, wann diese verabschiedet werden, noch ist klar, ob sie sich an den über Jahren entwickelten Design for Recycling - Richtlinien der europäischen Verpackungsindustrie orientieren. Die Unternehmen müssen viel Geld in neue, nachhaltige Verpackungslösungen investieren. Die Mindestvoraussetzung wäre Planungssicherheit. Doch die ist nicht gegeben.“

Akzeptanz für Mehrweg – aber es gibt Bedingungen

Sowohl die Europäische Union als auch die deutsche Politik will den Anteil von Mehrwegverpackungen deutlich erhöhen. Auf die Frage, ob die Menschen grundsätzlich bereit sind, mehr Verpackungen als bisher nach Gebrauch für eine erneute Verwendung zurückzugeben, antwortet eine Mehrheit von 60,6 Prozent mit Ja. 19,3 Prozent möchten keine weiteren Mehrwegverpackungen. 20,0 Prozent wollen oder können sich zu der Frage aktuell nicht äußern.

Auf die Frage, welche Aspekte den Menschen beim Thema Mehrweg besonders wichtig sind, rangiert die Rückgabe an möglichst vielen Orten unabhängig vom Ort des Kaufs mit 71,7 Prozent an erster Stelle. Für 64,2 Prozent zählt, dass die Produkte durch Mehrwegverpackungen nicht teurer werden dürfen. 49,7 Prozent betonen die Notwendigkeit einer problemlosen und schnellen Rückgabe. 35,6 Prozent fordern, dass die gebrauchten Verpackungen vor der Rückgabe nicht gereinigt oder gespült werden müssen.

Nach Ansicht von Kim Cheng „verdient die grundsätzliche Bereitschaft der Menschen, selber aktiv zu werden und mehr Verpackungen als bisher nach Gebrauch zurückzugeben Respekt. Die Branche reagiert darauf und führt schon seit einiger Zeit verstärkt Mehrweg- und Nachfüllverpackungen ein. Klar ist aber auch, dass Mehrweg in der Praxis nur funktionieren kann, wenn es in den Alltag und die Lebenswirklichkeit der Menschen passt. Eine möglichst flexible und problemlose Rückgabe steht dabei nicht zufällig an erster Stelle. Lange Fahrten oder große Zeitverluste nehmen Mehrwegverpackungen nicht nur die Praxistauglichkeit, sondern beeinträchtigen auch die ökologischen Vorteile. Das gilt grundsätzlich, denn Mehrwegsysteme benötigen genau wie Elektromobilität eine flächendeckende Infrastruktur.

Mehrweg nur dann die ökologisch bessere Wahl, wenn die Aufwände für Transport, Reinigung, Desinfizierung und Neubefüllung tatsächlich geringer sind, als beim Einsatz von Einwegverpackungen, die nach Gebrauch ins Recycling gehen. Hier plädieren wir für einen objektiven Blick und im besten Fall konkreten Ökobilanzen. Wenn Mehrweg nur aus ideologischen Gründen durchgesetzt wird, hilft das am Ende weder den Verbraucherinnen und Verbrauchern, noch Klima und Umwelt.“

Umweltfußabdruck von Verpackung und Produkt

Auf die Frage, ob die Verpackung oder das verpackte Produkt die größere Auswirkung auf Umwelt und Klima durch CO2‐Emissionen sowie Verbrauch von Wasser, Energie und Rohstoffen hat, nennen 50,5 Prozent der Bürgerinnen und Bürger die Verpackung. 28,8 Prozent nennen das verpackte Produkt. 20,7 Prozent können die Frage nach eigener Einschätzung nicht beurteilen.

Das Ergebnis der Umfrage zeigt nach Ansicht von Kim Cheng, „dass viele Menschen die Umweltbelastungen durch das Produkt massiv unterschätzen und die Belastungen durch die Verpackung entsprechend massiv überschätzen. Was in unseren Augen fast noch frappierender ist: Viele Menschen unterschätzen dadurch auch die ökologischen Vorteile von Verpackungen! Denn der wirkliche ökologische Schaden entsteht vor allem dann, wenn das Lebensmittel Schaden nimmt oder verdirbt. Dann gehen alle Ressourcen und Aufwände, die wir hineingesteckt haben, sinnlos verloren. Die Verpackung sorgt mit einem vergleichsweise minimalen Aufwand dafür, dass genau das nicht passiert. Natürlich gibt es auch die Verpackung nicht umsonst. Aber es gibt gute Gründe, für Verpackungen. Die Verpackung ist kein Selbstzweck. Das sollten wir nie vergessen. Wir sehen die Branche in der Verantwortung, dieses Prinzip von „kleiner Aufwand - große Wirkung“ noch viel besser deutlich zu machen. Denn die existierende Wissenslücke ist fatal. Sie verschleiert die wirklichen Hebel, die wir im Sinne von Klima‐ und Umweltschutz anwenden müssen.“

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