16. November 2018 
 
18. September 2018

InnoTrans: Fahrerlose Straßenbahn wird großes Ding

Wer auf der Schiene unterwegs ist, kommt umweltfreundlicher voran. Aber um das Potential der Technik voll auszuschöpfen, müssten die Fahrzeuge richtig betrieben werden, betont Professor Markus Hecht. Er leitet seit 1997 das Fachgebiet Schienenfahrzeuge an der TU Berlin und hat jahrelange Erfahrung mit der Technologie.

Foto: TU BerlinFoto: TU Berlin
Arbeiter optimieren Gleise auf einem Rangierbahnhof.
Herr Professor Dr.-Ing. Markus Hecht, die TU Berlin ist auf der Messe InnoTrans in Halle B, City Cube, Stand 103 zu finden und gleich mit zwei Fachgebieten vertreten: Schienenfahrwege und Bahnbetrieb sowie Schienenfahrzeuge. Welche Schwerpunkte setzen Sie in diesem Jahr in Berlin?
Der Schienenverkehr hat einen großen Umweltvorteil, wenn er richtig betrieben wird, das heißt elektrisch Fahrzeuge gut besetzt fahren mit Verwendung der Nutzbremsung schnell und zuverlässig mit großem Marktanteil. In allen diesen Themengebieten sind wir unterwegs und werben auf der InnoTrans um Partner. Ganz konkret zeigen wir ein leichtes innen gelagertes Güterwagendrehgestell, das über ein Tonne mehr Nutzlast je Wagen gegenüber heutigen Drehgestellen ermöglicht. Optimierter Fahrgastinnenlärm ist ein weiteres Thema.

In den großen deutschen Städten kollabiert regelmäßig der Verkehr, insbesondere der Lieferverkehr hat deutlich zugenommen. Kann schienengebundener öffentlicher Nahverkehr hier Abhilfe schaffen?
Ja, das kann er. Wir haben in Berlin ein großes Straßenbahngüterverkehrsprojekt in Vorbereitung, aber auch Intermodalverkehr mit citynahen Terminals wie der Westhafen entlastet die Straßenzustellung.

Nach dem Ende der Ära autogerechter Städte kehrt auch in Deutschland die Straßenbahn langsam wieder zurück. Auch Berlin hat Linien in den ehemaligen Westteil der Stadt verlängert. Aber wie sinnvoll ist es, die gesamte Infrastruktur für Straßenbahnen von Null wieder aufzubauen, wenn diese zuvor ganz abgebaut worden ist?
Ein großes Vorbild hierfür ist Frankreich. Innenstadtsanierung, Erhöhung der Lebensqualität einschließlich Luftqualität und Wiedereinführung der Straßenbahn gehören dort untrennbar zusammen. Neue Linien werden dann für das heute übliche Breitenmaß von 2,65 Metern gebaut. Gegenüber den Berliner 2,4 Metern hört sich das zwar marginal an, ist es aber nicht. So können ganz andere Qualitäten geboten werden, wie Sie in Deutschland nur von wenigen Städten geboten werden, Karlsruhe, Stuttgart, Hannover...

Beim überregionalen und transnationalen Güterverkehr ist die Schiene weit abgeschlagen gegenüber der Straße. Nach Berechnungen der Allianz pro Schiene lag der Anteil der Güterbahnen in Deutschland 2017 bei knapp 17 Prozent, der der LKW bei rund 72 Prozent. Ausdrücklicher Wille auch der Europäischen Kommission ist aber die Verlagerung des Warenverkehrs auf die Schiene. Können innovative technische Lösungen für die Güterbahn hier eine Trendwende herbeiführen?
Ja, ganz klares Ja. Güterwagen haben heute sehr viel kürzere jährliche Laufwege als Lastwagen. Nur durch Innovation können Standzeiten bei der Zugbildung verkürzt und Zuverlässigkeit erhöht werden. Dann ist auch wieder Wachstum möglich. Die beiden Projekte, der Schweizer 5L-Zug und der Deutsche innovative Güterzug des BMVI, an denen beiden wir mitwirken, beweisen das.

Sie forschen verstärkt zur Lärmreduzierung, insbesondere bei Güterzügen und Straßenbahnen. Welchen technischen Herausforderungen sehen Sie sich dabei gegenüber?
Die technischen Herausforderungen sind gering. Die kommerziellen sind jedoch gewaltig. Lärmminderung ist nie völlig gratis und wenn es keinen Anreiz gibt, weder gesetzlich noch monetär, passiert nichts.

Das Fachgebiet Schienenfahrzeuge der TU Berlin ist Konsortiumsmitglied des EU-Forschungsprojekts INNOWAG, bei dem neuartige Überwachungs- und vorbeugende Instandhaltungslösungen für Güterzüge entwickelt werden. Was ist das Ziel dieses Projekts?
INNOWAG möchte den Schienengüterverkehr voranbringen. Die wesentlichen Maßnahmen sind Instandhaltung zur Verfügbarkeitserhöhung, insbesondere Vermeidung ungeplanter Ausfälle, und zum zweiten die Erhöhung der Nutzlast durch Einsatz innovativer Materialien. Das erstere ist wesentlich wichtiger, da eine Störung an einem Wagen die ganze Zugfahrt verzögern kann. Diagnose ermöglicht vorbeugende Instandhaltung, sodass der Zugausfall vermieden wird.

Auf der InnoTrans gibt es am 20. September eine Podiumsdiskussion zum Thema „Digitalisierung des ÖPNV – Aspekte der Gegenwart und der Zukunft“. Was dürfen Fahrgäste denn erwarten, wenn sie in eine digitalisierte Straßenbahn einsteigen?
Das ganz große Ding ist die fahrerlose Straßenbahn. Das dürfte für die Fahrgäste durch viel kürzere Angebotsintervalle als heute attraktiv sein. Diagnose im Mechanteil wird auch hier in Zukunft ähnlich selbstverständlich werden wie bei den Türen und so die Stillstandszeiten in den Werkstätten verkürzen und mehr Fahrzeuge für den Fahrdienst bereitstellen.

Die InnoTrans gilt als Leistungsschau der Branche. Auf welche Innovationen sind Sie persönlich in diesem Jahr besonders gespannt?
Ein ganz großes Ding wird die Fahrdrahthybridlokomotive der HVLE: Eine sechsachsige Lok mit 500 kN Anfahrzugkraft, 7,5 MW Leistung unter dem Fahrdraht und 2,5 MW Leistung mit dem Diesel, alles in einer Lok. Gegenüber dem heute üblichen reinen Dieselbetrieb lassen sich so je Lok mehrere tausend Tonnen CO2 im Jahr einsparen.

https://www.schienenfzg.tu-berlin.de/
https://www.innotrans.de/

 

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