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ISM: Wie man dem Gaumen zu schmeicheln lernt

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Interview mit Andreas Bertram, Geschäftsführender Direktor der ZDS – Zentralfachschule der Deutschen Süßwarenwirtschaft e.V.

28.01.2018

Um mit Bonbons ein Geschmacksfeuerwerk auf der Zunge zu entzünden, braucht es erfahrene Hände. Und die sind ohne eine solide Ausbildung nicht zu haben. Als erste Adresse gilt die Zentralfachschule der Deutschen Süßwarenwirtschaft, kurz ZDS. DIE MESSE sprach mit dem Geschäftsführenden Direktor Andreas Bertram.

 - Schokolade temperieren will gelernt sein.
© ZDS Solingen
Schokolade temperieren will gelernt sein.

Herr Bertram, die Zentralfachschule der Deutschen Süsswarenwirtschaft e.V. (ZDS) ist auf der Messe ISM / ProSweets Cologne gleich mit zwei Ständen vertreten: einmal auf der ISM in Passage Halle 3 Halle 11 Stand B001 und einmal bei der ProSweets Cologne in Halle 10.1 Stand B008. Welche Schwerpunkte setzen Sie in diesem Jahr?
Die Zentralfachschule der Deutschen Süßwarenwirtschaft e.V. richtet ihre Dienstleistungsangebote auf die Aus- und Weiterbildung in der Süßwarenwirtschaft aus. Als Ersatzberufsschule in privater Trägerschaft und Weiterbildungseinrichtung begleiten wir die Entwicklungen der Süßwarenbranche durch moderne und zeitgemäße Bildungsangebote. ISM und ProSweets bieten uns hervorragende Plattformen, um den Ausbildungsberuf „Süßwarentechnologe/ -in“ sowie die zahlreichen Lehrgänge und Seminare gezielt dem Fachpublikum anzubieten. In diesem Jahr stehen vor allem die Kongresse „Digitalisierung in der Süßwarenproduktion“ und der internationale Branchentreff der schokoladenverarbeitenden Süßwarenproduzenten die „Choco Tec“ im Mittelpunkt.

 - Andreas Bertram, Geschäftsführender Direktor der ZDS – Zentralfachschule der Deutschen Süßwarenwirtschaft e.V.
© ZDS Solingen
Andreas Bertram, Geschäftsführender Direktor der ZDS – Zentralfachschule der Deutschen Süßwarenwirtschaft e.V.

Sie bieten ein breites Spektrum an Aus- und Weiterbildungsgängen für die Süßwarenbranche an. Warum entscheiden sich die Auszubildende für die ZDS?
Wir, die Zentralfachschule der Deutschen Süßwarenwirtschaft e.V., wurden 1951 gegründet und sind das weltweit renommierteste Aus- und Weiterbildungsinstitut für alle Bereiche der Süßwarenindustrie. In der ZDS werden die dualen Ausbildungsberufe „Süßwarentechnologe/in“ und „Fachkraft für Lebensmitteltechnik“ beschult, als auch in Kursen „Vom Angelernten zum Facharbeiter“ über den zweiten Bildungsweg angeboten. Ferner gibt es Vorbereitungslehrgänge für die Industrie-Meister-Prüfung und die Ausbildung zum staatlich geprüften Lebensmitteltechniker. Damit ist die Zentralfachschule der Deutschen Süßwarenwirtschaft e.V. das bundesweit exklusive Berufskolleg für den Lehrberuf „Süßwarentechnologe/in“ und fungiert darüber hinaus auch als Berufsfachschule für den Lehrberuf „Fachkraft für Lebensmitteltechnik“. Seit 2016 gibt es auch die Möglichkeit eines ausbildungsbegleitenden dualen Studiengangs „Süßwarentechnologe/in und Bachelor of Science Lebensmitteltechnologie (Back- und Süßwarentechnologie)“.
Damit bietet die ZDS nicht nur Ausbildung, sondern auch Weiterbildung bis hin zu Fortbildungen in unserem Seminarbereich an und ist damit ein wichtiger Bildungspartner für die gesamte Lebensmittelbranche. Hierbei orientiert sich die ZDS an den modernen Informationsbedürfnissen der Süßwaren- und Lebensmittelproduzenten und bietet vom Produktionsmitarbeiter, Produktentwickler, Qualitätsbeauftragten, Technikverantwortlichen bis hin zum Marketing und Vertrieb spezifische Weiterbildungsangebote an.
Wir begleiten die Betriebe aktiv bei der Bewältigung Ihrer Herausforderungen, qualitativ hochwertige und sichere Lebensmittel herzustellen. So haben wir das Thema Fremdkörpererkennung mit in das Programm aufgenommen. Wir wollen aber auch den Herstellern Hilfestellungen für innovative Produktenwicklungen und zukunftsweisende Technologien geben und so belegen wir die Themen wie 3D-Food Printing auch in Solingen. In diesem Jahr werden wir wieder zahlreiche neue Entwicklungstrends in der Branche aufgreifen und bieten zum Beispiel Seminare für E-Commerce, Hygiene, Prozesssicherheit und Digitalisierung in der Süßwarenindustrie an.
Wir möchten die Branchenteilnehmer der Süßwarenwirtschaft ihr ganzes Berufsleben begleiten, daher bieten wir vom Berufsanfänger bis zum Fachexperten, getreu dem Motto „Einmal ZDS, immer ZDS“, jedes Jahr zahlreiche Aus- und Weiterbildungsformate für unterschiedlichste Qualifikationen an.

Auch die Süßwarenindustrie muss sich Trends stellen, ob nun Bio, Vegan, Halal, Koscher oder Regional. Wie rea­gieren Aus- und Weiterbildung darauf?
Selbstverständlich können wir uns diesen Trends nicht verschließen und lassen aktuelle Themen in unseren Lehrplan einfließen. Gerade aktuelle Themen werden gerne von unseren Schülern diskutiert und in Projekten und Vorträgen bearbeitet. Darüber hinaus nehmen wir aber auch aktuelle Entwicklungen in unsere Seminarveranstaltungen auf. So bieten wir jedes Jahr zahlreiche zusätzliche Veranstaltungen an, um diese Informationsbedürfnisse zu adressieren.

Digitale Transformation und Industrie 4.0 erfassen alle Wirtschaftsbereiche. Welche Vorteile bietet die Digitalisierung für Süßwarenhersteller und wie bereiten Sie ihre Auszubildenden darauf vor?
Digitalisierung ist für alle eine Herausforderung und Chance zugleich, wobei die Jugendlichen die geringsten Berührungsängste damit haben und schon sehr digital über Facebook, Twitter und Co unterwegs sind.
Dennoch gilt es in der Ausbildung, die Schüler auf den digitalen Berufsalltag vorzubereiten, der da­rin besteht, immer mehr Informationen zu verarbeiten, zu bewerten und gezielt die Informationen einzusetzen und zu vernetzen.
Dafür ist ein fächerübergreifendes Denken und Arbeiten auch schon in der Ausbildung notwendig. Nur interdisziplinäres Lernen wird dem digitalen Wandel gerecht. Daher wird in der Ausbildung auch in sogenannten Lernfeldern gelehrt, wie zum Beispiel „Schokolade und Konfekt herstellen“ oder auch „Süßwaren verpacken“.
Dadurch werden die Auszubildenden befähigt, Fachwissen aus verschiedenen Bereichen wie Rohstoffe, Maschinenkunde und Verfahrenstechnik zu verbinden und auf berufliche Alltagssituationen anzuwenden. Ein Schwerpunkt in der beruflichen Ausbildung ist, die Handlungsfähigkeit der Auszubildenden zu gewährleisten.
Neben der inhaltlichen Ausgestaltung sind auch eine moderne Ausstattung und der Einsatz von digitalen Medien an der ZDS ein wichtiger Schritt in Richtung digitale Transformation. So arbeiten wir schon seit einigen Jahren in unseren Klassenräumen mit Smartboard-Technik und setzen zunehmend im Unterricht ergänzend und unterstützend zu den klassischen Lehrmethoden Computer und Tablets ein.

Was sind die zukünftigen Herausforderungen für Ausbildungseinrichtungen in der sich stetig wandelnden Welt der Süßwaren? Was muss der Süßwarentechnologe von morgen können und wissen?
Wie schon angesprochen, wird die zunehmende Digitalisierung und Vernetzung von Abläufen die Herausforderung für die Auszubildenden und somit auch für die Ausbildungseinrichtungen sein. Der Süßwarentechnologe von morgen muss mit einem fundierten, breiten Fachwissen ausgestattet sein, Verständnis für komplexe technische Abläufe entwickeln und vernetzt denken können. Kreativität und Innovationsbewusstsein gepaart mit einem hohem Qualitätsbewusstsein werden wichtige Qualitätskriterien für den Süßwarentechnologen der Zukunft sein.