19. Mai 2019 
 
15. Mai 2019

RETTmobil 2019: Neue Krisen, mehr Herausforderungen

Angesichts von Terroranschlägen und Extremwetter wachsen die Herausforderungen im Bevölkerungsschutz. Von besonderer Bedeutung sei „der Schutz Kritischer Infrastrukturen“, betont Christoph Unger, Präsident des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK). Wie das BKK sich auf die neuen Bedrohungen einstellt, erzählt er im Gespräch mit DIE MESSE.

Foto: Etzler / BBKFoto: Etzler / BBK
Moderne Rettungsgeräte mit Allradantrieb: die Löschgruppenfahrzeuge für den Katastrophenschutz (LF-KatS)
Herr Unger, ist Deutschland adäquat vorbereitet auf einen Katastrophenfall größeren Ausmaßes, also eine sogenannte Großschadenslage – verursacht sei es durch Unwetter oder Terroranschläge?
Deutschland ist im Bevölkerungsschutz sehr gut aufgestellt und verfügt über eines der am besten organisierten Hilfeleistungssysteme weltweit – getragen von über 1,8 Millionen für die Hilfe im Katastrophenschutz ausgebildeten ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern. Bund, Länder, Feuerwehren sowie die Hilfsorganisationen und viele weitere Partner arbeiten hier sehr gut zusammen. Deshalb lässt sich grundsätzlich sagen, dass wir gut gerüstet sind.
Dennoch sehen wir, dass die Herausforderungen wachsen. Ein Beispiel sind die von Ihnen angesprochenen Unwetter beziehungsweise Extremwetterereignisse, die in der Quantität, aber auch Intensität – bedingt durch den Klimawandel – zunehmen. Um diesen Herausforderungen zu begegnen, ist es auch die Aufgabe des Bundes, mit seiner ergänzenden Ausstattung die Katastrophenschutzeinheiten der Länder zu stärken und den Feuerwehren und Hilfsorganisationen die nötige Technik zur Verfügung zu stellen. Hierfür nehmen wir im Jahr 2019 nochmal mehr Geld in die Hand als im Jahr zuvor.
Nichtsdestotrotz gibt es auch Szenarien, wie zum Beispiel ein lang anhaltender, flächendeckender Stromausfall, an denen wir arbeiten, bei denen auch unser System an seine Grenzen stoßen würde.

Zur Warnung der Bevölkerung in Notsituationen gibt es mittlerweile mehrere Apps – NINA, Katwarn, BIWAPP, um nur drei zu nennen. Ist diese Vielfalt nicht verwirrend für die Bürger oder gibt es substanzielle Unterschiede zwischen den einzelnen Angeboten?
Der Bund hat als gesetzlicher Aufgabenträger für die Warnung der Bevölkerung im Verteidigungsfall das Warnsystem MoWaS und die Warn-App NINA entwickelt und stellt beide Systeme den Ländern zur Nutzung zur Verfügung. Dies findet großen Anklang, im vergangenen Jahr haben die Länder in über 800 Fällen Warnungen ausgelöst. Wir schließen an MoWaS verschiedene weitere Warnmultiplikatoren an. Hierzu gehören mittlerweile sechs verschiedene Apps unterschiedlicher Verbreitungsgrade. Seit Januar 2019 beliefern wir auch Katwarn und Biwapp mit unseren Warnmeldungen. Um zu gewährleisten, dass auch Warnmeldungen aus Katwarn und Biwapp den NINA-Nutzern angezeigt werden, übernehmen wir die dortigen Warnmeldungen in unser System.
Die Warn-App NINA ist damit die einzige App, in der die Warnmeldungen aller Systeme angezeigt werden. Zudem ist die Warn-App NINA die einzige behördlich betriebene Warn-App für Bevölkerungsschutz-Warnungen. Gleichwohl ist es die Entscheidung jedes einzelnen Aufgabenträgers zu bestimmen, welches System er nutzt. Wir können außerhalb des Zivilschutzfalls den Ländern und Kommunen hierzu keine Vorgaben machen. Das Grundgesetz trennt strikt zwischen Landes- und Bundesaufgaben.

Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) ist auf der Messe RETTmobil in Halle 2, Stand 202 zu finden. Welche Schwerpunkte setzen Sie in diesem Jahr in Fulda?
Gemäß dem Messe-Schwerpunkt werden wir in diesem Jahr wieder Fahrzeuge aus dem Ausstattungspotenzial des Bundes an unserem Stand zeigen. Sie sind Ausgangspunkt für unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vor Ort, die ganze Bandbreite der Arbeit des BBK vorzustellen. Das hier ebenfalls in Fulda am 16.05. stattfindende Symposium „Hilfe für Helferinnen und Helfer in den Feuerwehren“, welches in Kooperation von BBK und Deutschem Feuerwehrverband organisiert wird, ist ein Beleg für die Vielschichtigkeit unserer Arbeit.
An unserem Stand auf der RETTmobil erhalten die Besucher verschiedene Fachpublikationen und unsere Fachleute stehen auch für Fragen und persönliche Gespräche zur Verfügung. Alle Besucher sind dazu herzlich eingeladen – ein Besuch lohnt sich.

Das BBK hat eine beachtliche Fülle von Aufgaben zu bewältigen, vom Krisen und Risikomanagement über den Schutz von Kritischer Infrastruktur, Gesundheit und Kulturgütern bis hin zur Sicherstellung von Trinkwasserreserven. Welche Bereiche sind besonders anfällig und könnten die Sicherheit der Bevölkerung gefährden?
Die Erfahrungen der letzten Jahre haben deutlich gemacht, dass der Schutz Kritischer Infrastrukturen vor dem Hintergrund sich veränderter sicherheitspolitischer und technologischer Rahmenbedingungen von besonderer Bedeutung ist. Ebenso hat sich durch die Zunahme extremer Naturereignisse das Risikopotenzial für die Funktionstüchtigkeit Kritischer Infrastrukturen erhöht.
Besonders hervorzuheben ist in diesem Zusammenhang die Abhängigkeit vieler Sektoren (unter anderem Gesundheit, Wasser, Ernährung) von einer funktionierenden Energieversorgung. So kann ein Stromausfall verheerende Folgen für die Bevölkerung durch den damit verbundenen Ausfall unter anderem der Wasser-, Lebensmittel- oder Gesundheitsversorgung sowie insbesondere der Telekommunikation (zum Beispiel Telefon und Internet) haben.
Mögliche Folgen eines Stromausfalls werden beispielsweise in den 2013 und 2014 veröffentlichten Risikoanalysen im Bevölkerungsschutz zu den Gefahren Sturm (2013) und Sturmflut (2014) sowie im bereits 2011 veröffentlichten Bericht „Gefährdung und Verletzbarkeit moderner Gesellschaften – am Beispiel eines großräumigen und lang andauernden Ausfalls der Stromversorgung“ des Ausschusses für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung dargestellt.
Auch die in den letzten Jahren gewonnenen Erkenntnisse über die mögliche Anfälligkeit automatisierter IT-Systeme sind in Hinblick auf eine Neubewertung der Risiken zu berücksichtigen. Von besonderer Relevanz für nahezu alle Sektoren Kritischer Infrastrukturen ist die Aufrechterhaltung der Kommunikationssysteme in einer Krise.

Das BKK arbeitet ja nicht nur für den Schutz der Bürger, sondern bietet auch Unternehmen seine Hilfe an. Um welche Dienstleistungen handelt es sich dabei?
Ereignisse der jüngsten Vergangenheit – zum Beispiel im Zusammenhang mit extremen Na-turereignissen – haben deutlich gezeigt, dass es wichtig ist, außergewöhnliche Gefahrenlagen in die bestehenden Risiko- und Krisenmanagementkonzepte der Unternehmen einzubeziehen. Das BBK unterstützt die Unternehmen durch die Erarbeitung von praxisnahen Handlungsempfehlungen zum Risikomanagement und der Notfallvorsorge und die hiermit verbundene Beratung bei deren Umsetzung. Als Beispiel seien hier die BBK-Fachinformation „Notstromversorgung für Unternehmen und Behörden“ oder die BBK-Fachinformation „Sicherheit der Trinkwasserversorgung – Risikoanalyse und Notfallvorsorgeplanung“ genannt. Zudem werden diese Aspekte in verschiedenen Seminaren an der Akademie für Krisenmanagement, Notfallplanung und Zivilschutz thematisiert und auch für Unternehmen angeboten.

Bei Helfern im Katastrophenfall denkt man unweigerlich zuerst an die Feuerwehr mit ihren Einsatzkräften. Wie sind die deutschen Feuerwehren aufgestellt, auch im internationalen Vergleich: Gibt es Unterschiede zwischen Ländern oder gar Kommunen?
Hier kann ich nur auf Zahlen des Deutschen Feuerwehrverbandes zurückgreifen. Auf rund 80 Einwohner kommt in Deutschland ein Aktiver. In Österreich liegt das Verhältnis sogar bei 43:1. Das ist der weltweite Spitzenwert. In Großbritannien ist es beispielsweise ein Feuerwehrmann auf 10?000 Einwohner. Und selbst das ist im weltweiten Vergleich noch eine Spitzenquote. In den USA beispielsweise gibt es zwar rund 1,15 Millionen Feuerwehrleute, aber dafür leben in den Staaten viermal so viele Einwohner (321 Millionen) wie in Deutschland und das Land ist 27,5-mal so groß wie unseres.

Die Messe RETTmobil gilt als Leistungsschau der Branche. Auf welche Innovationen sind Sie persönlich in diesem Jahr besonders gespannt?
Ohne eine spezielle Innovation hervorzuheben, ermöglicht die RETTmobil einen Überblick über die Neuigkeiten der Branche und bietet vor allem die Möglichkeit des Austausches mit den Expertinnen und Experten vor Ort. Von daher bin ich besonders auf diese Gespräche gespannt.

https://www.bbk.bund.de/
https://www.rettmobil.org/

 

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