LogiMAT 2016

•••6••• Innovationen Energieautarke, lückenlose Kontrolle Neu entwickelter multisensensorischer RFID-Transponder versorgt sich selbst F orschern ist es gelungen, ein energieautarkes multisensori- sches Sender-Empfänger-System auf Basis elektromagnetischer Wellen zu entwickeln. Ein soge- nannter RFID-Transponder (radio- frequency identification) erfasst relevante Parameter, die im Rah- men von TUL-Prozessen (Trans- port, Umschlag und Lagerung) auftreten, während er sich gleich- zeitig selbst mit Energie versorgt. Kontrolle häufig nur lückenhaft Entlang der Logistikkette werden die transportierten Waren häufig nur lückenhaft kontrolliert, stellt Prof. Rolf Jansen vom Verein zur Förderung innovativer Verfahren in der Logistik (VVL) fest. Umschlag- und Zwischenlage- rungsprozesse werden nicht miterfasst, obwohl gerade hier verschiedene Parameter wie Feuchtigkeit, Beschleunigung oder Temperatur zu Qualitäts- einbußen und Beschädigungen der Ware führen können. In der Kühllogistik zum Beispiel wird die Kühltemperatur der Waren häu- fig nur auf der Laderaumebene und damit für mehrere Ladeein- heiten gleichzeitig überwacht. Verlässliche Qualitätsgarantien sind so kaum möglich. Die der- zeit verwendeten Sensortrans- ponder müssen ständig über eine Energiequelle versorgt werden, erklärt Dipl.-Logistiker Tim Sie- bels vom Institut für Distribu- tions- und Handelslogistik (IDH). „Genau das macht den Prozess unwirtschaftlich, denn die Ener- giequelle muss häufig ausge- tauscht werden.“ RFID-Transponder versorgt sich selbst Der neu entwickelte RFID-Trans- ponder hingegen vermag sich mithilfe sogenannter Energy-Har- vesting-Technologien selbst mit Energie zu versorgen. Dazu nutzt er Energiequellen, die ohnehin während des Logistikprozesses vorhanden sind. Das kann zum Beispiel Lichtenergie sein, die mit- tels einer Solarzelle in elektrische Energie umgewandelt wird, oder Vibrationsenergie, die mithilfe ei- nes Vibrationsgenerators nutzbar wird. „Auch im Kontext von ‚Indust- rie 4.0‘ stellt der multisensori- sche Transponder für die Logis- tikbranche einen signifikanten Fortschritt dar. Dieses IGF-Projekt zeigt sehr schön, wie in der IGF der Brückenschlag zwischen For- schung und Praxis gelingen kann“, betont Prof. Dr. Claus C. Berg, Vorstandsvorsitzender der Gesell- schaft für Verkehrsbetriebswirt- schaft und Logistik e.V. (GVB). Die Ergebnisse des IGF-Projekts sind für Transportunternehmen, Spe- ditionen, Systemdienstleister und Hersteller von Transporthilfsmit- teln gleichermaßen interessant. Die zumeist mittelständischen Unternehmen können ihre Wett- bewerbsfähigkeit durch transpa- rentere Prozessabläufe erheblich erhöhen. Nach Experten-Einschät- zung existiert ein breiter Anwen- derkreis für den neu entwickelten Transponder und damit ein viel- versprechender Markt. Hintergrund Für Logistikunternehmen ist ei- ne lückenlose Überwachung des Warenzustands sehr wichtig, denn die Güter sind während der TUL-Prozesse unterschiedlichs- ten Belastungen ausgesetzt. Eine solche kontinuierliche Kontrolle der Waren entlang der gesamten Logistikkette ist jedoch extrem teuer und wird daher zum jetzi- gen Zeitpunkt nur in Ausnahme- fällen umgesetzt. Bislang gibt es kein Verfahren, das in großem Maßstab wirtschaftlich anwend- bar ist. Das Projekt wurde von der GVB koordiniert und war Finalist bei der Wahl zum diesjährigen Otto- von-Guericke-Preis der Arbeits- gemeinschaft industrieller For- schungsvereinigungen (AiF). Über die Funktionsweise des multisensorischen Sen- der-Empfänger-Systems klärt die Arbeitsgemeinschaft industrieller Forschungsvereinigungen (AiF) in einem Youtube-Video auf: https://youtu.be/h6LNyLTqfac. Foto: Arbeitsgemeinschaft industrieller Forschungsvereinigungen (AiF) Für Logistikunternehmen ist eine lückenlose Überwachung des Warenzustands sehr wichtig, denn die Güter sind während der TUL-Prozesse (Transport, Umschlag und Lagerung) unterschiedlichsten Belastungen ausgesetzt. Foto: Petra Dirscherl / pixelio.de

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