10. Dezember 2019 
 
21. Mai 2019

interzum: Wenn der Polstersessel Hilfe ruft

Sitzmöbel müssen bequem und funktional sein. Insbesondere ältere oder körperlich eingeschränkte Menschen haben besondere Ansprüche an ihren Sessel oder Stuhl. Speziell für diese Zielgruppen entwickelt das Institut für Holztechnologie Dresden (IHD) mit moderner Technik neue Lösungen. DIE MESSE sprach darüber mit den Ressortleitern Susanne Trabandt und Lars Blüthgen.

Foto: IHDFoto: IHD
Stuhl mit Sensorpolsterung, zu sehen auf der interzum
Frau Trabandt, wenn Personen, die mehr als 110 kg wiegen, einen Stuhl kaufen, können sie nicht darauf vertrauen, dass der Stuhl nicht unter dem Gewicht zusammenbricht, weil es an entsprechenden Prüfmethoden fehlt. Das Institut für Holztechnologie Dresden (IHD) will nun Abhilfe schaffen. Was genau entwickeln Sie?
Trabandt: Mit Hilfe des extra entwickelten Schwerlastmessstuhls können Messwerte von Schwergewichtigen mit bis zu 216 kg erhoben werden. Dabei stehen gerade dynamische Lasten, die zum Beispiel beim Hinsetzen oder Aufstehen auf die Konstruktion wirken und meistens um einiges größer sind als die rein statischen Lasten der Benutzer, im Fokus. Einige Messreihen wurden bereits ausgewertet und konnten gezielt in entsprechende Konstruktionsvorgaben und Prüfmethoden überführt werden.
Das IHD ist auf der Messe interzum im Boulevard, Stand B073 zu finden. Welche Schwerpunkte setzen Sie in diesem Jahr in Köln?
Trabandt: Wir stellen die Ergebnisse unserer neuesten Forschungsprojekte vor zu den Themen Sensorpolsterung mit Notruffunktion, Individueller Sitzkomfort in 3-D, Sitzmöbel für Schwergewichtige sowie neuartige Leichtbauplatten für den Möbel- und Innenausbau.

Sie arbeiten seit Jahren an neuen Werkstoffen, darunter auch Leichtbauteile und Verbundwerkstoffe. Wie lassen sich diese für die Möbelherstellung und den Innenausbau verwenden?
Blüthgen: Ja, in vielerlei Hinsicht. Sowohl als Möbel- oder auch als Innenausbaukomponenten können diese Werkstoffe eingesetzt werden. Durch die geringen Massen der Bauteile können so beispielsweise dezent wirkende Beschlaglösungen verwendet werden und somit neue gestalterische Eindrücke entstehen. Durch spezielle Mittellagenkonstruktionen mit stehenden oder liegenden Wellen ist es möglich, dass Medienleitungen wie Strom- oder Netzwerkkabel ohne weitere Bearbeitung des Trägermaterials installiert werden. Somit sind neben Leichtbaufragen auch einfache Installationslösungen mit modernerem Design durch diese Produkte realisierbar.

Ihr Institut konzentriert sich auf die Benutzbarkeit von Produkten, auch für Menschen mit Einschränkungen. Sie haben dafür als Arbeitsbereich das USEability LAB gegründet. Woran forschen Sie dort?
Trabandt: Im USEability LAB liegen unsere Schwerpunkte auf der Entwicklung von Methoden zur Analyse der tatsächlichen Benutzeranforderungen an bestimmte Produkte wie beispielsweise Möbel, Sanitärkeramik oder Bauelemente sowie auf der Gestaltung räumlicher Umgebungen. Wir fokussieren uns dabei auf eine Benutzergruppe, die durch unterschiedlich stark ausgeprägte sensorische, kognitive und motorische Einschränkungen in ihrer Anpassungsleistung reduziert sind. Entsprechend ist es für diese Benutzergruppe notwendig, dass sich ihre Umwelt an sie anpasst, damit sie selbstbestimmt und sicher agieren können. Dafür ist in der Entwicklung bestimmter Produkte ein hohes Maß an Wissen über die Bedürfnisse und Fähigkeiten dieser sehr vielfältigen Benutzergruppe notwendig. Gemeinsam mit Benutzern und Experten ermitteln wir die jeweiligen Anforderungen auf der Basis von Befragungen, Beobachtungen, Messungen und Simulationen.

Sie arbeiten auch an Möbeln, die mit einer Notruffunktion ausgestattet sind. Wie funktioniert diese Technik und wer ist die Zielgruppe?
Blüthgen: Diese Arbeiten erfolgen interdisziplinär mit Kollegen des Sächsischen Textilforschungsinstitutes in Chemnitz und der Materialforschungs- und -prüfanstalt an der Bauhaus-Universität Weimar. Dabei wurden faseroptische Sensoren in Auflagen von Polsterungen eingearbeitet, die dann mit einer Datenerfassungs- und -auswerteeinheit verbunden sind. Wenn sich der Nutzer des mit dieser Technik versehenen Systems aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr bewegt oder den Platz verlässt, ist es möglich, dass ein Pfleger ein Signal bekommt und Hilfsmaßnahmen ergreifen kann.
Im Rahmen des Projektes wurden auch ein Stuhl und ein Bett entwickelt, denen man diese technischen Besonderheiten nicht ansieht. Wichtig war dabei, dass sich die Nutzer nicht als zu pflegende Personen fühlen und eine wohnliche Umgebung ohne Krankenhauscharakter erhalten bleibt. Neben dem versenkbaren Computer, der sehr klein ist, wurde besonderes Augenmerk auf Schaffung von genügend Stauraum und Ablageflächen gelegt. Diese sollen das Arbeiten von pflegenden Personen in angenehmer Atmosphäre erleichtern.

Welche weiteren Neuheiten werden Sie auf der interzum zeigen?
Blüthgen: Unter anderem werden wir einen mit faseroptischen Sensoren versehenen Stuhl auf unserem Stand präsentieren. Dieser darf auch gern von unseren Besuchern ausprobiert werden.
Trabandt: Weiterhin kann man auf der Messe auf einem Stuhl mit 3-D-gedruckter Federung probesitzen. Das Federungssystem zeigt erste Ergebnisse eines laufenden Forschungsprojektes zur Entwicklung eines additiv gefertigten Polstersystems in Integralbauweise. Mit zunehmender Nachfrage nach individuellen Sitzmöbeln steigt auch die Menge der Variationen im Polsteraufbau. Um diesem Trend gerecht zu werden, forschen wir an konstruktiven und technologischen Lösungen. Dabei stehen additive Verfahren im Fokus, denn damit lassen sich integrale Bauweisen sehr gut herstellen.

https://www.ihd-dresden.de/de/startseite/
https://www.interzum.de/

 


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