18. Januar 2020 
 
5. November 2019

A+A 2019: Schöne neue Arbeitswelt

Die Zukunft der Arbeit ist das übergreifende Thema am ersten Tag des A+A Kongresses 2019. Dr. Anita Tisch von der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin hält dort einen Vortrag und verrät im Gespräch mit DIE MESSE, worauf Arbeitgeber achten müssen.

Foto: Messe Düsseldorf / Constanze TillmannFoto: Messe Düsseldorf / Constanze Tillmann
Arbeiten wird individueller.
Globalisierung, Digitalisierung und demografische Entwicklung verändern die Arbeitswelt tiefgreifend. Wie kann der „Arbeitsschutz 4.0“ aussehen?
Eine besondere Herausforderung des aktuellen Wandels der Arbeitswelt besteht in der zunehmenden Diversität von Beschäftigten und ihrer Bedürfnisse, aber auch von Arbeitsformen und Arbeitsbedingungen. Darüber hinaus ist eine erhöhte Geschwindigkeit des Wandels zu verzeichnen. Für den Arbeitsschutz gilt es Chancen für eine individuelle Arbeitsplatzgestaltung zu nutzen und dabei Risiken nicht außer Acht zu lassen. Digitale Assistenzsysteme können dabei helfen, Arbeitsplätze menschengerecht zu gestalten – gleichzeitig müssen jedoch zum Beispiel mögliche Folgen kontinuierlicher Überwachung in den Blick genommen werden.

Auch gilt es den Beschäftigten mehr Mitbestimmungsrechte, zum Beispiel über Arbeitsort und -zeiten, einzuräumen, gleichzeitig aber bestehende arbeitswissenschaftliche Standards, zum Beispiel bezüglich Tageshöchstarbeitszeiten und Ruhezeiten, einzuhalten. Durch die zunehmende individuelle Arbeitsplatzgestaltung gewinnen Führungskräfte für den Arbeitsschutz an Bedeutung. Aber auch diese brauchen organisationale Regelungen und Strukturen, um ein gesundheitsförderliches und sicheres Arbeiten gewährleisten zu können.

Durch den Fachkräftemangel und den demografischen Wandel steigt das Durchschnittsalter der Beschäftigten spürbar. Welche Veränderungen ergeben sich dadurch für Arbeitsschutz und Prävention?
Es gilt der Ansatz einer altersgerechten Arbeitsgestaltung, die für alle Beschäftigten gilt. Ziel ist es, Belastungen zu reduzieren und auch mittel- und langfristigen gesundheitlichen Folgen vorzubeugen. In einigen Branchen, wie etwa der Produktion und dem Pflegesektor gibt es vielfältige Bemühungen, dem demografischen Wandel auch durch einen verstärkten Einsatz neuer Technologien zu begegnen, die darauf abzielen, die Arbeit der Fachkräfte zu erleichtern.

Durch die Digitalisierung können Arbeitnehmer jederzeit und von überall arbeiten. Wie kann eine ungesunde Arbeitszeitgestaltung verhindert werden?
Orts- und zeitflexibles Arbeiten birgt Chancen und Risiken für Beschäftigte. Arbeitswissenschaftliche Studien zeigen, dass insbesondere der erhöhte Handlungsspielraum – also die Mitbestimmung über Arbeitszeit und -ort – als förderlich für die Vereinbarkeit von Arbeits- und Privatleben sowie für das Wohlbefinden von Beschäftigen zu betrachten ist. Als problematisch kann erachtet werden, wenn die Flexibilitätsanforderungen durch Vorgesetzte oder Kunden die eigenen Flexibilitätsmöglichkeiten übersteigen.

Ebenso heikel ist exzessives Homeoffice (etwa an mehr als zwei Tagen in der Woche) und wenn die Flexibilität zu einer Ausdehnung der Arbeitszeit führt. Dies ist nicht nur bei langen Arbeitszeiten, sondern auch bei langen Erreichbarkeitszeiten gegeben. Klare betriebliche Grenzen und Absprachen, im Rahmen des geltenden Arbeitszeitgesetzes, tragen dazu bei, Risiken vorzubeugen.

Restrukturierungen und Veränderungsprozesse sind zentraler Bestandteil der heutigen Arbeitswelt und stellen große Anforderungen an die Organisationen und deren Beschäftigte. Welche Maßnahmen müssen ergriffen werden, damit die Mitarbeiter in diesen Prozessen mitgenommen werden und gesund bleiben?
Veränderungsprozesse und Restrukturierungen sind keine Gegebenheiten, die „einfach so passieren“ – im Gegenteil, sie sind bewusst eingeleitete Prozesse, die gestaltet werden müssen. Dabei ist es einerlei, ob es sich um eine organisationale Restrukturierung oder aber die Einführung neuer Technologien handelt.

Transparente und frühzeitige Kommunikation sowie soziale Unterstützung haben sich nachweislich als förderlich erwiesen. Sie führen zu weniger Unsicherheit und einer höheren Zufriedenheit, steigern aber auch Motivation und Committment. Eine Schlüsselrolle in Restrukturierungsprozessen nehmen deshalb Führungskräfte ein. Gleichzeitig ist davon auszugehen, dass auch gerade sie in Veränderungsprozessen mit höheren Anforderungen und Belastungen konfrontiert sind.

https://www.aplusa.de


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