17. Juni 2019 
 
13. November 2018

EuroTier: Mit Messinstrumenten im Schweinestall

Moderne Nutztierhaltung und Tierwohl lassen sich miteinander vereinbaren. Davon ist Professorin Edna Hillmann überzeugt. An der Berliner Humboldt-Universität befasst sie sich mit dem Verhalten von Tieren und versucht zu messen, unter welchen Bedingungen es Ferkeln oder Kälbern am besten geht.

Foto: Edna Hillmann, ETH ZürichFoto: Edna Hillmann, ETH Zürich
Das Schwein als Forschungsobjekt
Frau Prof. Dr. Hillmann, die Humboldt-Universität zu Berlin ist auf der EuroTier in Halle 26, Stand A19c zu finden. Sie vertreten das Fachgebiet „Tierhaltungssysteme und Ethologie“. Womit beschäftigen Sie sich in Ihrer Forschung?
Im Zentrum unserer Forschung steht das Wohlbefinden von Nutztieren. Unser Schwerpunkt liegt dabei auf dem Verhalten der Tiere, „Ethologie“ ist der Fachbegriff für „Lehre vom Verhalten“. Natürlich verwenden wir auch Informationen zur Gesundheit, messen (stress-)physiologische Größen sowie ökonomisch relevante Merkmale. Ethische und gesetzliche Betrachtungsweisen spielen ebenfalls eine Rolle. Viele Probleme in der Haltung von Tieren stehen im Zusammenhang mit einer Störung in der Verhaltenssteuerung. Die von uns durchgeführte Forschung zu Verhaltenssteuerung führt somit auch zu Lösungen von praktisch relevanten Verhaltensproblemen, denn solche Lösungen packen die Probleme an den Wurzeln.

Was zeigen Sie den Fachbesuchern auf der EuroTier?
Wir stellen zum einen die Studiengänge des Albrecht Daniel Thaer-Institutes der Humboldt Universität vor, und zum anderen präsentieren wir aktuelle Forschungsergebnisse aus unserer eigenen Arbeitsgruppe. Schwerpunkt wird dieses Jahr auf der tiergerechten Kälberhaltung liegen. Es sind Kolleginnen und Kollegen am Stand, die gerne Fragen zum Studium beantworten, und am Donnerstag holen wir unsere Studierenden im Rahmen einer Exkursion von Berlin auf die Messe. Für mich persönlich ist es die erste EuroTier, weil ich erst vor einem Jahr von der ETH Zürich an die HU Berlin gewechselt bin.

Wie lassen sich moderne Nutztierhaltung und Tierwohl miteinander vereinbaren?
Wir wissen sehr viel darüber, wie eine Tierhaltung aussehen muss, die Wohlergehen von Tieren ermöglicht. Dabei ist es ein Irrtum zu glauben, dass die „moderne“ Nutztierhaltung per se dem Tierwohl widerspricht. Weder ist der bäuerliche Kleinbetrieb immer tierfreundlicher, noch ist ein hochtechnisierter Stall grundsätzlich schlecht für die Tiere. Hier muss vielleicht bei manchen ein Umdenken stattfinden. Ich bin davon überzeugt, dass es Tieren in modernen Haltungssystemen gut gehen kann, wenn diese die Bedürfnisse der Tiere ernsthaft berücksichtigen.

Das Wohl der Tiere liegt sicher vielen am Herzen, aber lässt sich überhaupt messen, wie es den Tieren geht und ob sie sich wohl fühlen?
Ja, das lässt sich messen. Wir werden zwar nie genau wissen, wie sich ein Tier fühlt. Das gilt aber eigentlich auch für uns Menschen. Ich kann nicht WISSEN, wie sich ein anderer Mensch genau fühlt. Aber ich kann ihn oder sie fragen und erhalte hoffentlich eine Antwort, die mir genaue Rückschlüsse auf das Wohlbefinden meines Gegenübers ermöglicht. Das ist bei Tieren natürlich viel schwieriger, weil diese nicht sprechen können. Dennoch bin ich davon überzeugt, dass wir einen hinreichend genauen Eindruck vom Wohlbefinden eines Tieres erhalten können, wenn wir die richtigen „Fragen“ stellen und die richtigen „Antworten“, in Form von Indikatoren, messen.

Moderne Landwirtschaft ist auf wissenschaftliche Erkenntnisse angewiesen. Haltungs- und Fütterungstechnik spielen auf der EuroTier eine große Rolle. Was leistet die Forschung auf diesem Gebiet?
Mit unserer Forschung liefern wir die Grundlagen dafür, die Bedürfnisse eines Tieres oder einer Gruppe von Tieren besser zu verstehen. Dieses Verständnis brauchen wir unbedingt, wenn wir moderne Technik gewinnbringend einsetzen wollen – und zwar gewinnbringend für Tier und Mensch.

Verbraucher achten immer stärker darauf, unter welchen Bedingungen das Fleisch erzeugt wurde, oder verzichten ganz auf Fleisch. Wie sieht die Nutztierhaltung in der Zukunft aus?
Ein Schlüsselfaktor für eine global nachhaltige Landwirtschaft ist die Reduktion der Produktion tierischer Nahrungsmittel, das wurde in wissenschaftlichen Untersuchungen eindeutig belegt. Zusätzlich müssen wir eine Verbesserung der Haltungssysteme im Sinne der Tiergerechtheit erreichen, und zwar über die Ökoverbände hinaus. Dafür müssen entsprechende Rahmenbedingungen geschaffen werden, die eine vom Konsumenten, also von uns allen, leichter akzeptierbare Tierhaltung ermöglichen. Das ist weniger eine Frage der Wissenschaft, sondern eine gesellschaftliche. Hier sind alle Beteiligten gefragt, vom Verbraucher über die Landwirte, den Handel, Schlachthöfe, Tierärzteschaft bis zur Politik.

Die EuroTier gilt als Leistungsschau der Branche. Auf welche Innovationen sind Sie besonders gespannt?
Ich bin besonders gespannt auf weiterentwickelte Buchten für freies Abferkeln und hoffe, Strategien für die Vermeidung von Eingriffen am Tier zu sehen. Zum Beispiel strukturierte Haltungsformen, in denen den Tieren unterschiedliche Funktionsbereiche und tiergerechte Beschäftigungsmöglichkeiten angeboten werden. Im Rinderbereich interessiert mich besonders die Kombination vom Melkroboter mit Weidehaltung, und für Pferde die strukturierte Gruppenhaltung.

https://www.agrar.hu-berlin.de/
https://www.eurotier.com/

 

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