22. November 2019 
 
10. September 2019

Husum Wind: Gemeinsam gegen den Genehmigungsstau

Der Ausbau der Windenergie in Deutschland ist eingebrochen. Um die Klimaziele noch zu erreichen, müsse der Anteil erneuerbarer Energien aber weiter ausgebaut werden, sagt Dr. Antje Wagenknecht, Geschäftsführerin FA Wind. Im Gespräch mit DIE MESSE erzählt sie, wie's geht.

Foto: Dirk BeichertFoto: Dirk Beichert
Die Fachagentur Windenergie an Land zeigt auf der Husum Wind 2019 die Live-Demonstration einer Visualisierungstechnik, die auf Augmented Reality (AR) basiert.
Frau Dr. Wagenknecht, die Fachagentur Windenergie an Land (FA Wind) ist auf der Husum Wind an Stand 5A09 zu finden. Mit was für Initiativen und Projekten kommen Sie nach Husum?
Erstmals kooperieren wir auf der HUSUM Wind mit dem VDMA. Gleich zum Messeauftakt am Dienstag stellen wir anhand aktueller Zahlen die herausfordernde Genehmigungssituation vor mit besonderem Fokus auf zivile und militärische Flugraumnutzung. Auch die Flächenverfügbarkeit thematisieren wir, indem wir mit prominenten Vertretern aus Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft diskutieren.

Im Sommer 2018 hat die FA Wind auf Initiative ihrer Mitglieder die „Plattform Genehmigungssituation“ ins Leben gerufen. Seitdem beteiligen sich rund 80 Akteure institutionenübergreifend und systematisch an der Verbesserung der derzeitigen Genehmigungssituation. In unserer Vortragssession am Mittwoch nehmen wir Bezug auf die Arbeit dieser Plattform und stellen erste Lösungsansätze vor.

Am vorletzten Messetag demonstrieren wir Neues an unserem Messestand: Wir werden für kleine Besuchergruppen eine Live-Demonstration einer Visualisierungstechnik anbieten, die auf Augmented Reality (AR) basiert. Hier handelt es sich um den Zwischenstand des niedersächsischen Forschungsprojekts MoDaL-MR. Diese AR-Anwendung funktioniert momentan auf iPads und einigen Smartphones und soll in Zukunft die realitätsnahe, landschaftsbildverträgliche und flexible Planung von Windrädern erleichtern.

In den vergangenen Jahren standen häufig Offshore-Windparks im Mittelpunkt der Diskussion. Ihr Verein setzt sich explizit für Windenergie an Land ein. Gibt es da einen Konflikt oder was sind Ihre Ziele?
Die Energiewende kann nur realisiert werden, wenn sämtliche Potenziale der verschiedenen erneuerbaren Energieträger (EE) gemeinsam genutzt werden. Dabei hat die Windenergie – onshore und offshore – unter den Erneuerbaren den größten Anteil am Strommix. Um das 65-Prozent-Ziel der Bundesregierung bis 2030 zu erreichen, ist es wichtig, den EE-Anteil an der Stromerzeugung sukzessive weiter auszubauen. Vor dem Hintergrund der bundesweiten Klimaschutzziele konzentrieren wir uns als FA Wind auf den natur- und umweltverträglichen Windenergieausbau an Land.

Deutschland hat sich für die Energiewende entschieden. Dennoch wurden im ersten Halbjahr 2019 so wenig neue Windkraftanlagen gebaut wie zuletzt 1998. Wie erklären Sie sich das?
Der deutliche Einbruch beim Windenergieausbau begann schon im letzten Sommer und hat sich fortwährend zugespitzt. Gründe dafür gibt es viele: Der Wechsel zum neuen Ausschreibungsregime führte zu Vorzieheffekten. Allein im Dezember 2016 wurden über 5 000 Megawatt Windenergieleistung genehmigt. Darüber hinaus wurden 2017 fast ausnahmslos Windenergieprojekte von sogenannten Bürgerenergiegesellschaften bezuschlagt, die seinerzeit noch keine Baureife besaßen. Aus diesem Ausschreibungsjahr sind bislang erst 170 MW am Netz.

Aber auch regionale Restriktionen machen sich mittlerweile beim Zubau bemerkbar, etwa in Bayern aufgrund der10H-Regelung. Hier sind die Genehmigungs- und Zubauzahlen um mehr als 90 Prozent zurückgegangen. Mit dem Moratorium in Schleswig-Holstein erleben wir ähnlich gravierende Rückgänge. Dort, wo noch neue Windturbinen genehmigt werden, werden diese oftmals beklagt, was sich ebenfalls negativ auf den Zubau auswirkt. Unsere Analyse hat ergeben, dass mindestens 700 Megawatt genehmigte Windenergieleistung in Deutschland beklagt sind und deswegen nicht realisiert werden können.

Betreiber von Windenergieanlagen werden häufig mit Klagen überzogen, sowohl von Umweltschutzverbänden als auch von Anwohnern. Ist die Akzeptanz von Windenergieparks in Deutschland doch nicht so groß, wie man gemeinhin annahm?
Wir müssen genauer definieren, von welcher Akzeptanz wir konkret reden. Die gesamtgesellschaftliche Akzeptanz für die Nutzung und den Ausbau der Windenergie an Land ist bei den Bürgern konstant hoch bei rund 80 Prozent. Das belegen unsere repräsentativen Umfragen immer wieder aufs Neue. Auch wenn sich das Meinungsbild lokal oder regional unterschiedlich zeigt, sind die Windenergiegegner letztlich in der deutlichen Minderheit.

Es gelingt ihnen jedoch, die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, auch die der Politik. Deshalb brauchen wir gute Kommunikation und eine Beteiligungskultur, die betroffene Bürger stärkt. Denn Windenergieprojekte, die verstanden werden und spürbar zur Entwicklung vor allem ländlicher Räume beitragen, werden von den Betroffenen eher akzeptiert und auch aktiv unterstützt.

Wo sehen Sie noch ungenutztes Potenzial für den Ausbau der Windenergie an Land?
Nach Ansicht vieler Experten sollten zwei Prozent der Bundesfläche für die Windenergienutzung effektiv zur Verfügung stehen, um die Klimaschutzziele umzusetzen. Momentan stehen die installierten Windenergieanlagen auf weniger als einem Prozent der Landesfläche.

Wir brauchen demnach weitere Flächen, die durch die Regional- und Bauleitplanung der Windenergienutzung zugänglich gemacht werden müssten. Viel Potenzial steckt auch im Repowering. Bis 2025 läuft jede dritte Anlage aus der EEG-Förderung. Nicht überall kann aber am selben Standort repowert werden. Es bedarf geeigneter planerischer Instrumente, um auch Bestandsflächen für moderne, effizientere Neuanlagen nutzbar zu machen.

https://husumwind.com


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