28. Februar 2020 
 
2. Februar 2020

ISM 2020: „Biokunststoffe können Alternative sein“

Das Thema Nachhaltigkeit ist brandaktuell und in diesem Zusammenhang wird die Notwendigkeit von Verpackungen grundsätzlich hinterfragt. Verpackungproduzierende und -anwendende Unternehmen sind zunehmenden Druck ausgesetzt, Materialen zu optimieren, zu reduzieren oder durch ökologisch nachhaltige zu ersetzen. Sind Verpackungen aus Biokunststoffen hier eine Lösung? DIE MESSE sprach darüber mit Dr. Victoria Krauter, Leiterin Kompetenzzentrum für Sustainable and Future Oriented Packaging Solutions und Stiftungsprofessorin Nachhaltige und zukunftsorientierte Verpackungen an der FH Campus Wien, Fachbereich Verpackungs- und Ressourcenmanagement.

Foto: FH Campus WienFoto: FH Campus Wien
Dr. Victoria Krauter
Was macht Ihrer Meinung nach eine nachhaltige Verpackung eigentlich aus und welche Rolle spielen dabei Biokunststoffe?
Um eine optimale Verpackung zu gestalten beziehungsweise zu wählen, ist es essentiell das zu verpackende Produkt und dessen Anforderungen – wie zum Beispiel den Mechanismus des Verderbs - genau zu kennen und den gesamten Lebenszyklus des Produkt-Verpackungs-System zu betrachten. In Folge können die vier Eckpunkte nachhaltiger Verpackungen, nämlich Effektivität, Effizienz, Kreislauffähigkeit und Sicherheit adressiert werden. Nur wenn diese ausbalanciert behandelt werden und zudem neben ökologischen auch ökonomische und soziale Faktoren berücksichtigt werden, können nachhaltige Lösungen erzielt werden. Je nach Anwendungsfall, kann der Einsatz von Biokunststoffen ratsam sein, es sollte jedoch vermieden werden den Begriff Biokunststoff per se mit Nachhaltigkeit gleichzusetzen. Aufgrund der hohen Anzahl an Einflussfaktoren bedarf es daher einer Lebenszyklusanalyse, um fundierte Aussagen treffen zu können.

Was ist der Unterschied zwischen biobasierten und bioabbaubaren Kunststoffen?
Der Begriff „Biokunststoffe“ beschreibt Materialien, welche biobasiert, bioabbaubar oder beides sind. „Biobasiert“ bezieht sich dabei auf eine nachwachsende Rohstoffquelle, welche den Kunststoffen zugrunde liegt und „bioabbaubar“ auf die Möglichkeit des Abbaus der Materialien unter entsprechenden Umweltbedingungen. Je nachdem, um welche Bedingungen es sich dabei genau handelt kann im Detail zwischen Abbaubarkeit, Bioabbaubarkeit und (Heim-)Kompostierbarkeit unterschieden werden.
Beispiele für die drei Hauptgruppen der Biokunststoffe sind biobasierte, aber nicht abbaubare (zum Beispiel Bio-PET), biobasierte und bioabbaubare (zum Beispiel Polymilchsäure (PLA), thermoplastische Stärke (TPS)) sowie petrobasierte und bioabbaubare (zum Beispiel PBAT) Kunststoffe.

Sieht der Verbraucher es der Verpackung an, dass sie aus Biokunststoff gefertigt wurde? Gibt es eine Norm für die Kennzeichnung?
Das äußere Erscheinungsbild eines Kunststoffs lässt keine Rückschlüsse darauf zu, ob es sich um einen Biokunststoff handelt oder nicht. Eine eindeutige Kommunikation, um welchen Kunststoff es sich handelt ist daher unbedingt notwendig. Grundlage für diese Kommunikation bilden diverse Standards, Deklarierungen und Zertifizierungen, welche in der Vergangenheit etabliert worden sind.

Was sind die deutlichen Vorteile der Biokunststoffe gegenüber herkömmlichen Materialen? Gibt es auch Nachteile?
Wie andere Werkstoffe auch, weisen Biokunststoffe diverse Vor- und Nachteile auf. Als mögliche Vorteile werden unter anderem die Reduktion der Abhängigkeit von fossilen Ressourcen, die Reduktion der Treibhausgasemissionen, die effiziente Nutzung nachwachsender Ressourcen, die Reduktion der Umweltverschmutzung und die Bioabbaubarkeit beziehungsweise Kompostierung genannt.

Dem gegenüber stehen Herausforderungen in den Bereichen Rohstoffgewinnung, Sammlung, Sortierung, Verwertung und Recycling zu sehen. Auch das Thema des Litterings wird durch Biokunststoffe nicht adressiert. Wie eingangs schon erwähnt, können Biokunststoffe nicht mit Nachhaltigkeit gleichgesetzt werden und aufgrund der hohen Anzahl an Einflussfaktoren bedarf es einer Lebenszyklusanalyse, um fundierte Aussagen für ein spezifisches Produkt-Verpackungs-System treffen zu können
.
Welche Rolle spielen Biokunststoffe aktuell auf dem Markt und ist ihr Einsatz für das Verpacken von Süßigkeiten und Snacks möglich?
Heute spielen Biokunststoffe eine untergeordnete, jedoch wachsende Rolle am Kunststoffmarkt. Die weitere Entwicklung wird diversen Faktoren beeinflusst sein. Dazu zählen mitunter ökologische und ökonomische Faktoren jedoch auch rechtliche Rahmenbedingungen, Akzeptanz und Anwendungstauglichkeit.

Prinzipiell können Biokunststoffe gut in der Verpackung von Lebensmitteln eingesetzt werden. Das Anwendungsgebiet hängt dabei jedoch stark von den jeweiligen Materialeigenschaften ab. In Bezug auf Süßwaren können mitunter biobasierte und nicht abbaubare Kunststoffe (z. B. Bio-PET) wie ihre petrobasierten Pendants eingesetzt werden. Der biobasierte und bioabbaubare Kunststoff PLA eignen sich zudem zum Verpacken von Backwaren und Snacks. Zellulosederivate hingegen zum Verpacken von Süßwaren (zum Beispiel Bonbons).

www.ism-cologne.de

 


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