18. April 2019 
 
7. Februar 2018

Biofach: Strategie-Mix für nachhaltige Ernährung

Dass ökologischer Landbau einen wichtigen Beitrag zur Welternährung leisten kann, belegt eine neue Studie des Forschungsinstituts für biologischen Landbau FiBL. Doch allein damit ist es nicht getan: Den Forschern zufolge ist ein Strategie-Mix notwendig, der etwa Vermeidung unnötiger Abfälle einbezieht.

Foto: Forschungsinstitut für biologischen Landbau FiBLFoto: Forschungsinstitut für biologischen Landbau FiBL
Biolandbau verbessert die Bodenqualität: Böden unter konventioneller (links) und ökologischer Bewirtschaftung (rechts) nach heftigen Regenfällen im DOK-Langzeitsystemvergleich
Herr Dr. Müller, die Welternährungsorganisation FAO geht davon aus, dass die Weltbevölkerung bis zum Jahr 2050 auf über neun Milliarden Menschen wächst. Gleichzeitig ändern sich die Ernährungsgewohnheiten, die zu größerem Ressourcenverbrauch führen. Welche Folgen könnte dies haben?
Wenn sich dies wirklich so bewahrheitet wie vorhergesagt, dann wird dies katastrophale Auswirkungen auf unsere Umwelt haben. Pestizidbelastung und Überdüngung würden weiter massiv zunehmen. Der Landverbrauch würde auch ansteigen, vor allem, wenn die Erträge nicht wie vorhergesagt ansteigen würden, was wegen der negative Auswirkungen des Klimawandels sehr wahrscheinlich ist. Es wird auch eine große Herausforderung sein, genügend Wasser zur Verfügung zu haben, um diese Mengen zu produzieren, nicht zuletzt wegen des Klimawandels.

In einer neuen Studie haben Sie untersucht, wie die Umstellung auf biologischen Landbau zu einem nachhaltigen Ernährungssystem beitragen kann. Wie ist Ihr Befund?
So wie wir jetzt produzieren und konsumieren, können wir nicht über neun Milliarden Menschen in 2050 nachhaltig ernähren: Nährstoffüberschüsse und Pestizide wären wie gesagt zwei der größten Probleme. Aber die vorhergesagten Mengen einfach mit biologischem Landbau bereitzustellen wäre auch keine umfassend nachhaltige Lösung. Die Nährstoff- und Pestizidproblematik wäre dann zwar entspannt, aber der Landverbrauch wäre viel höher. Diese Zielkonflikte lassen sich nicht vermeiden, aber entschärfen: wenn wir den biologischen Landbau in Kombination mit weiteren Strategien umsetzen, dann kann er eine zentrale Rolle in nachhaltigen Ernährungssystemen spielen.

Warum sind mehrere Strategien für ein nachhaltiges Ernährungssystem notwendig?
Um die angesprochenen Zielkonflikte zu entschärfen, müssen eben mehrere Strategien zugleich verfolgt werden. Nur so können wir die Vorteile des biologischen Landbaus nutzen und zugleich verhindern, dass der Landverbrauch massiv ansteigt. Der Schlüssel liegt darin, das Ernährungssystem als Ganzes „kleiner“ zu machen, ohne die Ernährungssicherung zu beeinträchtigen. Dies erreicht man mit der Vermeidung unnötiger Abfälle und Verluste und mit der Reduktion von Kraftfutter in der Tierhaltung, mit dann entsprechend reduzierter Produktion tierischer Produkte.

Welche Effekte hätten diese Szenarien für die Umwelt – etwa mit Blick auf Treibhausgasemissionen, Überdüngung und Pestizidverbrauch?
Weil wir dann flächendeckend biologisch produzieren würden, würden die Überdüngung und Pestizidbelastung stark abnehmen. Die Treibhausgasemissionen würden auch sinken, vor allem, weil wir viel weniger Stickstoff im System hätten und weil die Tierzahlen massiv reduziert würden. Selbst der Landverbrauch würde sinken, da die Produktion wegen der reduzierten Abfälle und Verluste und dem Verzicht auf Kraftfutter sehr viel kleiner würde, und die tieferen Erträge im biologischen Landbau nicht so tief sind, dass sie diese Verbesserungen im Landverbrauch wieder zunichtemachen würden. Es wird dann oft gefragt, ob nicht eine konventionelle Produktion in Kombination mit Abfallvermeidung und Kraftfutterverzicht noch besser wäre; bezüglich Landverbrauch wäre dies so, aber bezüglich Pestizidbelastung und Überdüngung nicht. Deshalb braucht es den biologischen Landbau in einem solchen System. Es geht darum, eine Kombina­tion von Strategien zu finden, die anhand einer Reihe von Indikatoren überall gut dasteht – für jeden einzelnen Indikator gibt es dann vielleicht eine Strategie, die bezüglich dieses Indikators besser wäre – aber die wäre dann schlechter bei den anderen Indikatoren. Diese Zielkonflikte lassen sich nicht vermeiden – aber mit geeigneten Strategien lassen sie sich soweit entschärfen, dass ein nachhaltiges Ernährungssystem möglich wird.

FiBL, das Forschungsinstitut für biologischen Landbau, präsentiert sich auf der Biofach in Halle 1 / 1-553. Welche Schwerpunkte setzen Sie in Nürnberg?
Das FiBL ist mit seiner ganzen Themenbreite an der Biofach präsent. Schwerpunkte werden natürlich über einzelne Veranstaltungen gesetzt, wie zum Beispiel zur globalen Biostatistik („World of Organics 2017“, zu Full Cost Accounting – ein Beitrag in der Veranstaltung der IFOAM dazu), zur Welternährung und Bio (die Veranstaltung zu diesem Nature Communications Paper), und viele andere mehr. Detaillierte Informationen finden Sie unter biofach.fibl.org.

 


Weitere Nachrichten zu "BIOFACH":


11. März 2019

Biofach und Vivaness mit über 51.500 Besuchern

Die Biofach, Weltleitmesse für Bio-Lebensmittel, und die Vivaness, Internationale Fachmesse für Naturkosmetik, verzeichneten in diesem Jahr über 51.500 Besucher - davon 50 Prozent international, teilt der Veranstalter NürnbergMesse mit. 3.273 Aussteller aus 98 Nationen präsentierten ihre Neuheiten. (mehr …)


13. Februar 2019

Biofach: Öko-Verpackung wertet Bio-Produkte auf

Ist ein Bio-Produkt nachhaltig verpackt, dann greifen Käufer eher zu. Dies belegt eine repräsentative Befragung der Uni Gießen. „In einigen Produktkategorien steigert eine nachhaltige Verpackung die Kaufwahrscheinlichkeit um durchschnittlich 13 Prozent gegenüber der Kunststoffverpackung“, sagt die Gießener Forscherin Dr. Melanie Bowen im Gespräch mit DIE MESSE. (mehr …)



8. Februar 2019

Biofach 2019: Kongress StadtLandBio zu „Ernährungswende“

„Mehr Bio, mehr Region, mehr Zukunft – Ernährungswende durch Stadt-Land-Vernetzung“ ist das Thema des Kongresses StadtLandBio, der zur Biofach am 14. und 15. Februar 2019 in Nürnberg stattfindet. Es diskutieren Vertreter aus Kommunen, die sich für mehr Bio engagieren, darunter Repräsentanten des europäischen "Organic Cities Network". (mehr …)


9. November 2018

Biofach 2019 mit über 2.900 Ausstellern – 30. Ausgabe

Wenn sich vom 13. bis 16. Februar 2019 der internationale Bio-Sektor zur Weltleitmesse für Bio-Lebensmittel trifft, schlägt das Herz dieser Branche wieder für vier Tage in Nürnberg. Erwartet werden zur 30. Ausgabe der Biofach über 2.900 Aussteller, teilt die NürnbergMesse mit. (mehr …)


12. September 2018

Biofach-Kongress rückt Gesundheit in Fokus

Der Zusammenhang zwischen Bio und Gesundheit steht vom 13. bis 16. Februar 2019 auf dem Biofach-Kongress im Mittelpunkt. Im Zentrum stehen dabei Fragen danach, wo Bio derzeit steht und welches Potential Bio für die "öffentliche Gesundheit" (public health) bietet, heißt es bei den Veranstaltern. (mehr …)


9. Februar 2018

Kulinarische und fachliche Inspiration auf Biofach

Ökologische Gaumenfreuden pur: Den Sortimentsbereichen Olivenöl, Wein und vegane Lebensmittel sind auf der Biofach 2018 eigene Ausstellungsbereiche gewidmet, die Erlebniswelten Olivenöl, Wein und Vegan. Bei allen Erlebniswelten arbeitet die Biofach mit ausgewiesenen Experten der jeweiligen Produktbereiche als Partner zusammen. (mehr …)



14. November 2017

Biofach 2018 mit zwei zusätzlichen Hallen

Vom 14. bis 17. Februar 2018 präsentieren auf der Biofach noch mehr Aussteller als im Vorjahr die weltweite Bio-Vielfalt. Dafür werden 2018 zwei zusätzliche Hallen - 4A und 8 - geöffnet. Das Schwerpunktthema ist "Next Generation". (mehr …)

 

MESSENAVIGATOR
NAHRUNGS- / GENUSSMITTEL
25.04.2019 bis 28.04.2019 in Stuttgart
Slow Food
Markt des guten Geschmacks
30.04.2019 bis 02.05.2019 in Toronto, Ontario
SIAL Canada
International Food & Beverage Trade Show
04.05.2019 bis 09.05.2019 in Frankfurt / Main
IFFA
Die Nr. 1 der Fleischwirtschaft
04.05.2019 bis 05.05.2019 in Offenburg
Baden SPIRITS
Feine Spirituosen
04.05.2019 bis 05.05.2019 in Erfurt
Cake & Bake Germany
Deutschlands größte Tortenmesse
04.05.2019 bis 05.05.2019 in Offenburg
Badische Weinmesse
kulinarisch leben
ALLE TERMINE

E-PAPER BIOFACH

SAVE THE DATE
Nächster Termin der Messe BIOFACH: 12.02.2020 bis 15.02.2020

NEWSLETTER
Bleiben Sie auf dem neuesten Stand: Nutzen Sie unseren exklusiven Newsletter "Nahrungs- / Genussmittel" und erfahren Sie alles aus der Welt der internationalen Messewirtschaft - kostenlos, einmal monatlich.
Ihre E-Mail-Adresse:
 
© 2018 by Connex AG