30. Mai 2020 
 
12. Februar 2020

Biofach 2020: Hochwertige akademische Kost

Deutschland ist gut aufgestellt bei der Umstellung auf eine ökologische Landwirtschaft, gehört dabei aber nicht zur Spitze in Europa. Dafür gibt es verschiedene Ursachen. So müsse unter anderem verstärkt in Beratung investiert werden, sagt Dr. Henrike Rieken von der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde (HNEE). Die Wissenschaftlerin arbeitet seit Jahren an Themen des Ökolandbaus und erzählt im Gespräch mit DIE MESSE, was ihre Hochschule für die Umstellung auf die Öko-Landwirtschaft bietet.

Foto: HNEE / Frederic SchweizerFoto: HNEE / Frederic Schweizer
Studierende an der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde (HNEE) werden von Anfang an in die landwirtschaftliche Praxis eingebunden.
Frau Dr. Rieken, wie steht es um den Ökolandbau in Deutschland?
Je nachdem, wen man fragt, erhält man unterschiedliche Einschätzungen. Die aktuellen Zahlen werden vom Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) alljährlich zur Biofach vorgestellt. Mit Blick auf die letzten Jahre ist ein stetiges Wachstum zu verzeichnen: bezüglich der Fläche, der Betriebe, der Marktanteile. Das stimmt optimistisch, wenngleich die Agrar- und Ernährungswende angesichts der aktuellen Debatte um klimagerechte Landwirtschaft viel zu langsam geht.

Positive Entwicklungen sind neben dem stetigem Interesse junger Menschen, Ökolandbau zu studieren, Förderprogrammen zur Umstellung auf ökologische Erzeugung und dem Ausbau von Beratungsangeboten auch die Hebel, die in vielen großen und kleinen Städten getätigt werden: die öffentliche Versorgung und Umstellung von Kantinen und Mensen. Das alles ist nichts Neues – vor allem für diejenigen, die sich schon viele Jahre in der Branche engagieren und hier auch aktiv sind. Neu ist vielleicht eher, dass das ernährungspolitische Ziel des Zugangs zu qualitativ hochwertigen Lebensmitteln und regionalen Bio-Lebensmitteln fokussierter angegangen wird; beispielsweise über sogenannte Ernährungsstrategien und Aktionspläne ausgehend von Metropolen wie Berlin oder von Bundesländern wie Bayern, die sich hier auf den Weg gemacht haben.

Die Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde (HNEE) ist auf der Biofach in Halle 9, Stand 9-565 zu finden. Sie sind dort nicht zum ersten Mal: Welche Schwerpunkte setzen Sie dieses Jahr in Nürnberg?
Wir sind ein Mitaussteller am Gemeinschaftsstand „Treffpunkt Generation Zukunft“, der von Kugler & Rosenberger ausgerichtet wird. Unser Schwerpunkt ist leider nicht essbar, aber dennoch hochwertige akademische Kost. Denn wir informieren über unser Studienangebot im Ökolandbau: das Bachelorprogramm „Ökolandbau und Vermarktung“ – auch als Duales Studium zusammen mit der Ausbildung Landwirt*in wählbar – und das Masterprogramm „Öko-Agrarmanagement“. 100-Prozent-Ökolandbau können Interessierte seit 2004 in Eberswalde studieren. Unser Schwerpunkt ist ein Lehr- und Lernansatz, welchen wir von Anfang an mit der Praxis zusammen gedacht und entwickelt haben. Diese frühe Einbindung ist Grundlage der heutigen Qualität der Praxisanteile in unserer Lehre und auch in angewandten Forschungsprojekten. Für unser Projektmodul „Studienpartner Ökobetrieb“ haben wir 2017 den Ars-legendi-Preis vom Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft erhalten.

Für die HNE Eberswalde koordinieren Sie das Innovationsforum Ökolandbau Brandenburg. Wozu dient dieses Forum und was sind dabei Ihre Aufgaben?
Das InnoForum ist ein Netzwerk aus Praxispartner, mit denen wir in Lehre und Forschung seit Gründung im Jahr 2004 zusammenarbeiten. Um die vielfältigen Bedarfe der ökologischen Landwirtschaft einfließen zu lassen, erfasse ich die Fragestellungen der Praxis zentral.

So gelangen sie in die Lehre und in Forschungsprojekte. Transfer verstehen wir dabei als einen wechselseitigen und partnerschaftlichen Austausch von Wissen, Ideen, Dienstleistungen, Technologien und Erfahrungen. Über die Lehre gelangen dann die von Studierenden erarbeiteten Lösungen zurück in den Stall, auf den Acker oder in den Hofladen. Von diesem Lehransatz profitieren die Studierenden ganz besonders, denn sie können erleben, was es bedeutet, einen Betrieb zu führen. Die Orientierung am Bedarf der Betriebsleiter gewährleistet darüber hinaus die Aktualität und Relevanz der Projektthemen.

Die HNE Eberswalde engagiert sich seit Jahren in der Weiterentwicklung der ökologischen Landwirtschaft. An welchen Projekten arbeiten Sie derzeit und welche stellen Sie hier auf der Biofach vor?
Ich habe an der Hochschule eine sehr vielfältige Stelle – ich mache vorrangig Lehre und Koordination, aber hin und wieder bin ich in Forschungsprojekte eingebunden. Momentan ist es das bundesweite Projekt NutriNet, worin viele Akteure involviert sind. Dort ist meine Baustelle die Konzeptentwicklung einer sogenannten Field School, die Gruppenberatung und Praxisforschung gewinnbringend verknüpft. Das Spannende und gleichzeitig Herausfordernde ist, dass es parallel sechs Netzwerke à zehn Landwirten sechs Regionen gibt. Sechs Regioberater arbeiten zusammen mit den Landwirten an ihren Nährstoffmanagementstrategien. Wir stehen noch am Anfang. Jetzt ist das aber kein klassisches Thema für die BioFach. Daher kann ich die neugierigen Leser nur für die Wissenschaftstagung Ökolandbau und die Öko-Feldtage interessieren.

Meine Kollegin, Dr. Melanie Kröger, aus dem unverpackt-Projekt „Der verpackungsfreie Supermarkt: Stand und Perspektiven“ hat allerdings zwei Beiträge auf dem Biofach Kongress. Und wer noch mehr über unsere laufenden Forschungsprojekte wissen möchte, besucht uns am Stand, wo wir dazu Flyer ausliegen haben.

Wie Sie erwähnt haben, bietet die HNE Eberswalde Studienangebote speziell für den Ökolandbau an, sowohl auf Bachelor- als auch auf Master-Niveau. Werden Ihre Absolventen gut vom Arbeitsmarkt angenommen oder gibt es Schwierigkeiten bei der Suche nach adäquater Beschäftigung?
Ja, klar werden unsere Absolventen gut vom Arbeitsmarkt aufgenommen. Gefühlt würde ich das pauschal so formulieren. Eine fundierte statistische Erfassung ist uns leider nicht möglich. Aber die Biofach bietet uns die Chance, ein alljährliches Alumni-Treffen zu veranstalten. Falls das jemand liest, der oder die sich angesprochen fühlt: Donnerstag um 13 Uhr. Dort erfahren wir über den persönlichen Kontakt und den Austausch, wo unsere Absolventen untergekommen sind. Das ist sehr wichtig für uns, um auch das Berufsfeld im Auge zu behalten. Denn zur regelmäßigen Qualitätssicherung überarbeiten wir unsere Studienprogramme turnusmäßig. Das motivierende Wort dafür lautet: Re-Akkreditierung – wir sind gerade mittendrin.

Die ökologische Anbaufläche nimmt in Deutschland bereits einen beachtlichen Teil ein, liegt aber auch in absoluten Zahlen weit hinter Ländern wie Spanien, Frankreich und Italien. Woran liegt das und wie könnte man das ändern?
Die Konzepte sind da, oftmals die Wege und Maßnahmenpakete auch, motivierte Absolventen aus Eberswalde – und von all den anderen Standorten natürlich auch – sind da. Daher: Auf geht’s und ins Handeln kommen. Für Brandenburg kommt bei allem Enthusiasmus die Landfrage hinzu. Für Gründer ohne Land ist es oftmals schwer bis unmöglich, an die Ressource Land als unabdingbare Voraussetzung für Landwirtschaft ranzukommen. Ziel einer nachhaltigen Flächenvergabe muss es sein, ortsansässige Betriebe zu erhalten, Existenzgründungen zu fördern sowie ökologische und soziale Faktoren zu berücksichtigen.

Wer sind die Bremser beim Ökolandbau: Die Bauern? Die Lebensmittelindustrie? Die Handelsketten? Oder die Verbraucher?
Da ich mich viel mit Beratungsprozessen beschäftigt habe, versuche ich mal, hier eine Bremse zu benennen. eher eine strukturelle Bremse. Denn Beratung ist ein wichtiger Hebel, um Veränderungsprozesse in Gang zu bringen und zu unterstützen – ob in Einzelberatung, in Gruppen oder als kollegialer Austausch organisiert.

Gut investiertes öffentliches Geld sehe ich im Bereich der Beratungsförderung von jungen und nicht mehr so jungen Gründern, Angebote für Menschen, die inner- oder außerfamiliär nachfolgen und abgeben. Auch der Bereich der sozioökonomischen Beratung, beispielsweise existenzgefährdeter Betriebe, verträgt eine Ausweitung. Beratung ist in den Bundesländern sehr unterschiedlich aufgestellt. Daher müssen Angebote immer auch für die Beratungssysteme in den jeweiligen Bundesländern angepasst werden. Außerdem benötigt es dringend den Ausbau der Öko-Forschungsinfrastruktur sowie die Stärkung von Kooperationen zwischen Forschung und Praxis.

www.biofach.de

 


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