18. Oktober 2019 
 
16. September 2019

EMO: Smarter, flexibler, effizienter

Die EMO 2019 steht ganz im Zeichen der Digitalisierung und automatisierten Fertigung. Das Institut für Fertigungstechnik und Werkzeugmaschinen (IFW) forscht an Lösungen für die Fabrik 4.0. Wie diese aussehen, erzählt IFW-Leiter Prof. Berend Denkena im Interview mit DIE MESSE.

Foto: IFW / Dorota SliwonikFoto: IFW / Dorota Sliwonik
Autonome Werkzeugmaschine mit Sensorik und Künstlicher Intelligenz (KI)
Herr Prof. Dr.-Ing. Denkena, das Institut für Fertigungstechnik und Werkzeugmaschinen (IFW) ist nicht zum ersten Mal auf der EMO. Welche Neuheiten zeigen Sie an Ihrem Stand F32 in Halle 9?
Wir zeigen eine Werkzeugmaschine, die Verformungen des Werkzeugs beim Fräsen bestimmen und selbstständig ausgleichen kann. Hierzu nutzen wir spezialisierte, neue Messtechnik und neue regelungstechnische Modelle. Zu unseren Innovationen gehört auch ein digitaler Zwilling der Maschine und des Prozesses, der auf tatsächliche Achsdaten der Werkzeugmaschine zugreift und damit dem Maschinenbediener oder einem Arbeitsplaner vertieften Einblick in den Bearbeitungsprozess ermöglicht. Die ermittelten Informationen verwenden wir auch dazu, mittels KI-Methoden verbesserte Stellgrößen für neue Prozesse zu berechnen.

Ein Schwerpunkt der diesjährigen EMO ist die Digitalisierung, ganz nach dem Motto „Smart technologies driving tomorrow’s production“. Was bringen Sie dabei ein?
Auf unserem Stand zeigen wir, wie Werkzeugmaschinen für die spanabhebende Fertigung durch innovative Methoden der Digitalisierung und Künstlichen Intelligenz gepaart mit Methoden der klassischen Mechanik auch zukünftig weiterentwickelt werden können. Insbesondere können wir hiermit unproduktive Einfahrprozesse in der Zerspanung oder unnötigen Ausschuss vermeiden und damit Kosten reduzieren und Ressourcen schonen. Die von uns angewandten Methoden bieten wir bereits in Vorführungen und Schulungen für den Mittelstand an. Ich empfehle hierfür auch einen Besuch der Demonstrationsfabrik unseres Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrums in Pavillon P36 auf dem Messegelände.

Wann kommt die komplett autonom arbeitende Werkzeugmaschine oder gibt es sie schon?
Der Schritt hin zur vollständig autonomen Werkzeugmaschine wird noch einige Jahre auf sich warten lassen. Die Vision dafür ist, dass Sie dieser Maschine nur noch eine Bauteilzeichnung vorgeben und die Halbzeuge und Werkzeuge zuführen. Die Maschine würde sich, nachdem Sie den Start-Befehl gegeben haben, komplett selbst konfigurieren und im Störungsfall idealerweise auch selbst reparieren. Hier sind wir noch lange nicht. Aber wir zeigen auf unserem Messestand wesentliche Schritte dorthin. In diesem Zusammenhang empfehle ich das wgp-Standpunktpapier „INDUSTRIEARBEITSPLATZ 2025“ zur Lektüre. Dort werden wesentliche Entwicklungsstufen hin zur autonomen Werkzeugmaschine und zum autonomen Produzieren angelehnt an die Beschreibung entsprechender Stufen beim autonomen Fahren definiert.

Welche Rolle könnte Künstliche Intelligenz (KI) in der Zukunft für die automatisierte Produktion spielen? Gibt es da schon erste vielversprechende Ansätze?
KI wird mit hoher Wahrscheinlichkeit dazu genutzt werden, die Flexi­bilität ganzer Produktionsprozessketten und der dazugehörenden Produktionseinrichtungen deutlich zu erhöhen. Hierbei geht es um einen lang gehegten Traum der Produktionstechniker, nämlich die Stückzahl EINS, also individuelle Bauteile oder Produkte wirtschaftlich und unter Beachtung der vorgegebenen Qualitäts- und Lieferzeitziele herzustellen. Hiermit würden dann beispielsweise individuelle Medizintechnikprodukte wie Hüft- oder Knie-Implantate möglich, die unser Leben auch im Alter oder nach Krankheit und/oder Unfall lebenswerter machen. Es gibt, wie oben erwähnt, vielversprechende Ansätze und weitere werden in den kommenden Jahren entwickelt werden.

Mit dem IFW sind Sie auf der EMO in der industrie 4.0 area, zusammen mit anderen Partnern. Welchen Schwerpunkt hat dieser Ausstellungsbereich?
In der industrie 4.0 area konzentriert sich das ganze nationale und internationale Know-how zu den Themen Digitalisierung und Künstliche Intelligenz. Hier präsentieren sich führende Unternehmen aus der Branche sowie renommierte Forschungseinrichtungen und zeigen praxisnahe Lösungen zur Digitalisierung ihrer Fertigung. Auf dem Gemeinschaftsstand sind diese Lösungen live und unter Span zu sehen. Das Forum der industrie 4.0 area ist sicherlich ein Ort, um spannende Vorträge zu erleben und bietet einen idealen Rahmen für einen konstruktiven Erfahrungsaustausch. Und es lohnt sich, nach den Instituten der Wissenschaftlichen Gesellschaft Produktionstechnik (wgp) Ausschau zu halten. Sie präsentieren zum Teil weltweit erstmalig die Ergebnisse ihrer Forschungen auf einer Messe. Die Mitarbeiter auf den wgp-Ständen sind fast ausnahmslos junge Wissenschaftler, die ihre Ideen und Arbeiten vorstellen und darauf brennen, spannende Diskussionen mit den Besuchern zu führen.

Die EMO bezeichnet sich selbst als Weltleitmesse der Metallbearbeitung. Sie haben hier in Hannover ein Heimspiel: Auf welche Innovationen sind Sie persönlich in diesem Jahr besonders gespannt?
Persönlich gespannt bin ich natürlich darauf, wie sich die ausstellende Industrie die Werkzeugmaschine der Zukunft vorstellt und was davon hier präsentiert wird. Wesentlich scheint mir aber insbesondere das große Zukunftsthema Klimawandel. Ich hoffe sehr, dass die Aussteller Beiträge zum Erreichen des Zwei-Grad-Klimaziels anbieten und dies auch auf der EMO 2019 vorstellen. Die damit zusammenhängenden Fragen drängen und die zweifelsfrei vorhandenen Potenziale müssen möglichst kurzfristig gehoben werden.

https://www.emo-hannover.de



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