22. Mai 2019 
 
19. Februar 2019

LogiMAT: Wenn Industrie 4.0 aus dem Koffer kommt

An der Hochschule Ulm hat Professor Dr. Norbert Bartneck mit seinem Team ein Planspiel entwickelt, um die Fabrik der Zukunft erlebbar zu machen: „Industrie 4.0 aus dem Koffer“. Im Gespräch mit DIE MESSE berichtet er, wie er die automatisierte Produktion vorantreibt.

Foto: Hochschule UlmFoto: Hochschule Ulm
Ein Mitarbeiter bei der Kommissionierung mit einer Datenbrille
Herr Prof. Dr. Bartneck, das Institut für Betriebsorganisation und Logistik der Hochschule Ulm ist auf der Messe LogiMAT in Halle 5, Stand C02 zu finden. Welche Schwerpunkte setzen Sie in diesem Jahr in Stuttgart?
Für uns als Hochschulinstitut ist die LogiMAT seit vielen Jahren ein wichtiges Forum. Einmal erfahren und diskutieren wir hier hautnah aktuelle Trends der Intralogistik. Außerdem ist die LogiMAT für uns eine wichtige Kontaktbörse zu Studieninteressierten und zu Firmen, die an einer Zusammenarbeit auf Hochschulebene Interesse haben. Die beiden Highlights, die wir dieses Jahr zeigen, sind ein Planspiel, das auf spielerischer Ebene ausgewählte Konzepte der Industrie 4.0 vermittelt, und der Einsatz von Servicerobotern für die Kommissionierung – zusammen mit unseren Projektpartnern aus dem ZAFH Forschungsprojekt „Flexible Intralogistik“.

Sie werden auf der LogiMAT eine Robotiklösung für die Intralogistik zeigen und forschen zur Schnittstelle Mensch-Roboter. In welcher Form können Mensch und Maschine im Unternehmen zusammenarbeiten und was für Zukunftsszenarien zeichnen sich hier ab für Materialfluss und Unternehmenslogistik?
Die Zusammenarbeit zwischen Menschen und Roboter bildet ein enorm wichtiges Element, wenn es darum geht, die Flexibilität in der Kommissionierung als zentralem Prozess der Intralogistik zu verbessern. Die Zusammenarbeit zwischen dem Menschen und Robotern kann dabei in unterschiedlichen Formen stattfinden. So können zum Beispiel Kommissionieraufträge zwischen Mensch und Roboter aufgeteilt werden, zum Beispiel indem der Roboter in der Nacht vorkommissioniert und der Mensch in der Hauptschicht die Aufträge ergänzt. Oder der Mensch kann als Supervisor des Roboters arbeiten. Sollte zum Beispiel der Roboter einen Artikel nicht sicher erkennen, assistiert Kollege „Mensch“. Dies könnte von einem zentralen Kontrollraum passieren oder direkt auf dem Shopfloor.

Von großer Bedeutung ist für uns auch, dass die Systeme lernfähig werden, das heißt sich auf neue Aufgaben (zum Beispiel Erkennung neuer Artikel) adaptieren können. Auch hier ist wieder eine Zusammenarbeit mit dem Menschen erforderlich, der dieses Lernen unterstützt.

Fahrerlose Transportsysteme und dezentral gesteuerte Fördersysteme werden auch für kleine und mittelständische Unternehmen zunehmend interessant. Was dürfen wir für die Zukunft an Innovationen erwarten und an welchem Punkt stehen die deutschen Unternehmen bei automatisierten Transportlösungen?
Für den Einsatz von fahrerlosen Transportsystemen besteht vor allem im Produktionsumfeld wachsendes Interesse. Dies sehen wir auch an der steigenden Zahl von Anfragen aus der Industrie. Hier setzen neue Ansätze auf stärkere Autonomie in der Navigation, das heißt die Fahrzeuge sind nicht mehr auf vorgegebene Leitlinien angewiesen, sondern suchen sich ihren Weg situationsabhängig. Für mittelständische Firmen ist vor allem wichtig, dass automatisierte Lösungen zeit- und kosteneffizient an neue Aufgaben angepasst werden können. Das ist auch ein wesentliches Ziel des Forschungsprojektes Flexible Intralogistik.

Spannend finde ich auch die Entwicklung einer sogenannten Autonomy-as-a-Service-Plattform einer Start-up Firma, die den Einsatz einer ganzen Flotte von selbstständig agierenden Fahrzeugen ermöglichen soll und dies erfolgreich in Pilotprojekten mit Paketdienstleistern erprobt hat. Darüber hinaus bewegen sich Innovationen in Richtung offener Standard-Schnittstellen (Stichwort OPC-UA), die das flexible Zusammenspiel unterschiedlicher Intralogistiklösungen erlauben.

Industrie 4.0 ist das Schlagwort auch in der Logistik. Sie haben dazu an Ihrem Institut ja ein Planspiel aufgebaut. Wie funktioniert es und wer soll damit „spielen“?
Die Hauptmotivation für dieses Planspiel war es, in mittelständischen Unternehmen unter dem Titel „Industrie 4.0 aus dem Koffer“ ausgewählte Konzepte für die Mitarbeiter erlebbar zu machen. In mehreren Runden können sie erfahren, zu welchen Problemen es kommen kann, wenn man bei ständig steigenden Anforderungen, zum Beispiel in der Individualisierung der Produkte, nur auf klassische Lösungen setzt, und wie sich die Probleme auflösen, wenn geeignete Identifikations- und Kommunikationstechniken wie RFID oder NFC und der Einsatz von Smart Tablets zu Prozessverbesserungen führen. Wir werden dieses Spiel auch in unseren eigenen Lehrbetrieb einbringen.

Mit welchen weiteren Forschungsthemen sind Sie befasst?
Weitere Forschungsthemen, die wir im Rahmen eines sogenannten kooperativen Promotionskollegs mit der Universität Ulm bearbeiten, sind: 1. Die Lernfähigkeit von Robotersystemen in der automatischen Artikel-Erkennung zu verbessern; 2. Adaptive, service-orientierte Software-Architekturen auf Grundlage von Multiagenten-Systemen für den Einsatz in verteilten Industrie 4.0-Anwendungen zu entwickeln; 3. Analyse-Algorithmen des Semantic Web für die Planung von Produktions- und Logistiksystemen einzusetzen, um relevante Informationen aus sozialen oder technischen Daten für logistische Planungsprozesse nutzbar zu machen.

Die Logistik-Branche in Deutschland ist ein dynamischer, wachsender Wirtschaftssektor. Gibt es ausreichend Fachkräfte oder hat auch diese Branche Nachwuchssorgen?
Diese Frage kann ich vor allem aus dem Blickwinkel der akademischen Ausbildung beantworten. Hier besteht ein sehr großer Bedarf an Logistikfachkräften vor allem bei der produzierenden Industrie. Wir erleben eine sehr große Nachfrage der Industrie nach den Absolventen unserer logistikorientierten Bachelor- und Masterstudiengänge Wirtschaftsingenieur und Systems Engineering and Management, jeweils mit dem Schwerpunkt auf der Logistik. Diese enge Abstimmung zwischen wirtschaftlichen und technischen Fragestellungen sind in der Logistikbranche sehr begehrt.

Die LogiMAT gilt als Leistungsschau der Branche. Auf welche Innovationen sind Sie persönlich in diesem Jahr besonders gespannt?
Neben den roboter- und kamerabasierten Lösungen interessiert mich vor allem, welche neuen Lösungen im IT-Umfeld zu sehen sind.

Messebesucher drücken ja gerne selbst auf Knöpfe, um neue Technologien auszuprobieren. Was kann man an Ihrem Stand erleben?
Knöpfe drücken kann man im erweiterten Sinn natürlich bei unserem Planspiel. Genauso spannend dürfte es aber sein, die Roboter zu beobachten, wie sie Kommissionieraufgaben selbständig ausführen. Es lohnt sich auf jeden Fall, unseren Stand zu besuchen.

https://www.logimat-messe.de

 


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