RETTmobil 2017
••• 7 ••• Branchennews Mit dem Trainingssystem CIPRTrainer simulieren die Wissenschaftler Cyberattacken oder Überflutungen am Bildschirm. Foto: Fraunhofer IAIS Europäische Krisenprävention Verein für länderübergreifenden Schutz kritischer Infrastrukturen W ährend in Italien wiederholt Erd- beben wüten, ist Deutschland immer wieder von Überflutungen be- troffen. Im Jahr 2012 sorgte gar ein Vulkanausbruch für europaweite Flug- verbote. Egal ob Naturereignisse, Ter- rorattacken, technische Defekte oder menschliches Versagen – Katastrophen treten plötzlich ein und legen Ver- sorgungs- und Transportwege lahm. Im Ernstfall entscheiden gute Aus- bildung, schnelle Entscheidungs- fähigkeit und vernetztes Handeln über Menschenleben und die Hö- he des finanziellen Schadens. Zur Verbesserung der Schutzkonzep- te gründete ein Konsortium unter der Federführung des Fraunhofer IAIS den „2E!SAC – Verein zur Ver- besserung der Resilienz vitaler In- frastrukturen in Europa e. V.“ Krisenmachen auch vor Grenzen nicht Halt Der Verein dient dem Forschungstrans- fer: Mit vereinten Kräften wollen die derzeit noch neun Gründungsmitglieder die Voraussetzungen zur Einrichtung eines europäischen Zentrums zur Kri- senprävention schaffen. Die Schutzkon- zepte zur Prävention müssen ständig an technische, politische und wirtschaft- liche Änderungen angepasst werden. Die Krisen machen auch vor Grenzen nicht Halt, so ist eine funktionierende europaweite Zusammenarbeit von Ret- tungsdiensten, Feuerwehr, Behörden und Betreibern Kritischer Infrastruk- turen (KRITIS) von höchster Relevanz. Das Fraunhofer IAIS forscht seit mehr als zehn Jahren im Bereich „Schutz kriti- scher Infrastrukturen“ und hat in natio- nalen und EU-Forschungsprojekten un- ter anderem ein Entscheidungssystem für KRITIS-Betreiber und ein Trainings- system für Krisenstäbe im Zivilschutz entwickelt. In dem im EU-Projekt CIPR- Net entwickelten CIPRTrainer simulieren die Wissenschaftler zum Beispiel eine Cyberattacke auf das Stellwerk der Bahn oder Überflutungen im deutsch-hollän- dischen Grenzgebiet. In What-if-Analy- sen spielen die Trainees in Viererteams alternative Handlungsszenarien durch. Die Konsequenzen ihrer Maßnahmen sehen sie in einer Simulation auf der Ba- sis realer Geodaten auf dem Bildschirm. Gründung von Knotenpunkten Von solchen ausgefeilten und an die Rea- lität angepassten Trainingssystemen könnten in Zukunft Anwender wie Poli- zei, Feuerwehr, KRITIS-Betreiber sowie Behörden profitieren: In einer Mach- barkeitsstudie haben die Forscher auf- gezeigt, wie ein europäisches Zentrum zur Krisenprävention umgesetzt wer- den kann. „European Infrastructures Simulation and Analysis Centre“ – kurz EISAC – wird es heißen. Mittels Knoten- punkten in den beteiligten EU-Ländern vernetzen sich die Einrichtungen un- tereinander. Langfristig sollen den An- wendern damit Simulationen, Analysen, Training und Dienstleistungen der Forschungspartner umfassend zur Verfügung stehen. Die Tools wer- den länderspezifisch angepasst und die grenzüberschreitende Zu- sammenarbeit gefördert. In Italien steht bereits die Gründung des ersten Knotens an. Kompetenznetzwerke „Für den Transfer von Forschungs- ergebnissen im Bereich Schutz Kritischer Infrastrukturen braucht man einen langen Atem: In Europa sind die institutionelle Veranke- rung und die gesetzlichen Grund- lagen der Krisenprävention in den Ländern sehr heterogen“, sagt Dr. Erich Rome, Initiator am Fraunhofer IAIS und Vorstandsvorsitzender des Vereins 2E!SAC. Allein in Deutschland gibt es um die 50 Institutionen, die sich mit präven- tiver Sicherheit beschäftigen. Krisen- schutz ist hier Ländersache, während er in Italien zum Beispiel zentralistisch organisiert ist. „Die USA haben den Nut- zen von umfangreichen Modellen und Simulationen von Krisensituationen längst erkannt und Kompetenzzentren eingerichtet. Mit der Gründung von eu- ropäischen Knotenpunkten, die an For- schungseinrichtungen oder andere In- stitutionen gekoppelt sein können, zielt unsere Arbeit darauf ab, ebensolche Kompetenznetzwerke zu schaffen“, er- gänzt Rome. In Viererteams mit verteilten Rollen spielen die Trainees alternative Hand- lungsszenarien durch, eine Simulation auf Basis realer Geodaten zeigt die Kon- sequenzen der Entscheidungen in Echt- zeit. Foto: Fraunhofer IAIS Busführerschein nicht notwendig Es ist nur ein kleiner Absatz, doch es ist ein großer Erfolg der Arbeit des Deutschen Feuerwehrverban- des (DFV): Die elfte Verordnung zur Änderung der Fahrerlaubnis- Verordnung beinhaltet eine Aus- nahmeregelung, nach der ein Füh- rerschein der Klassen C1, C1E, C und CE auch weiterhin ohne einen zusätzlich erworbenen Busführer- schein für Einsatzfahrzeuge der Feuerwehr mit einer zulässigen Gesamtmasse ab 3,5 Tonnen gilt. Zu den zur Beförderung von nicht mehr als acht Personen außer dem Fahrzeugführer ausgelegten und gebauten Typen zählen alle Staffel- und Gruppenfahrzeuge, auch die künftigen TSF über 3,5 Tonnen. Die ursprünglich geplan- te Regelung hätte vorgesehen, dass Fahrer von Fahrzeugen mit mehr als 3 500 Kilogramm, die zur Personenbeförderung ausgelegt sind, zukünftig eine Fahrerlaubnis für Busklassen benötigt hätten, heißt es beim DFV. Mobiles Isolations- krankenhaus Das Deutsche Rote Kreuz hat in Berlin ein mobiles Isolationskran- kenhaus als neuen Baustein inner- halb der Katastrophenhilfe der in- ternationalen Rotkreuz- und Rothalbmond-Bewegung vorge- stellt. „Den Bedarf für ein solches Krankenhaus hat uns der Ebola- Ausbruch 2014/15 in Westafrika deutlich gezeigt“, sagt der zustän- dige Teamleiter und Bundes-Kata- strophenschutz-Beauftragte des DRK, Frank Jörres. „Mit dieser spezialisierten klini- schen Behandlungseinheit, die wir jetzt nach WHO-Standards entwi- ckelt und realisiert haben, sollen Ausbrüche gefährlicher Infekti- onskrankheiten wie etwa Ebola eingedämmt werden“, betont der Katastrophenschutz-Beauftragte. Mit der neuen Lösung sei „maxi- maler Infektionsschutz“ gegeben. Das neue DRK-Isolationskranken- haus ist weltweit einsetzbar und modular jederzeit auf das Szena- rio anpassbar. Es stellt eine Er- gänzung der bereits bestehenden Nothilfeeinheiten des Deutschen Roten Kreuzes dar – entwickelt aus den Erfahrungen des Ebola- Einsatzes in Westafrika.
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