intersolar 2016

•••2••• Interview Intersolar ” Die Konkurrenz im Ausland schläft nicht“ DIEMESSE im Gespräch mit Carsten Körnig, Hauptgeschäftsführer BSW-Solar Herr Körnig, der BSW-Solar veran- staltet auf der Intersolar Europe in Halle B3, Stand 590 das „Off-Grid Power Forum“. Was steht hierbei ganz oben auf der Agenda? Solarstrom ist günstig und dezen- tral einsetzbar, auch ohne große Infrastruktur. Dementsprechend eignet sich die Photovoltaik her- vorragend für eine netzferne Stromversorgung. Beim Off-Grid- Power Forum diskutieren Fachleu- te aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik über neue technische Entwicklungen, über politische Rahmenbedingungen und attrak- tive Geschäftsmodelle. Besonders freuen wir uns auf den Besuch von Adnan Z. Amin, Generaldirek- tor der Internationalen Agentur für Erneuerbare Energie (IRENA). Thematisch stehen unter anderem Inselsysteme, Crowdfunding und andere innovative Finanzierungs- modelle, Stromspeicher und Pho- tovoltaik-Hybridsysteme auf dem Programm. Eine Session widmet sich auch der Rolle von Photovol- taik-Anlagen bei der Wasserversor- gung und Bewässerung in netzfer- nen Gebieten. Wir sind stolz darauf, dass sich das Off-Grid-Power Forum in wenigen Jahren zu einer zentra- len Anlaufstelle der globalen Off- Grid-Branche entwickelt hat. In diesem Jahr ist an Ihrem Mes- sestand auch die Initiative Solar- stromforschung vertreten. Welche Forschungsaktivitäten sind aktuell besonders spannend? Die aktuell 13 Projekte der Förderinitiative Solarstrom- forschung konzentrieren sich auf die Felder Systemlö- sungen mit Energiemanage- ment und Stromspeicher, effiziente und kostengüns- tige Fertigungskonzepte sowie Qualitäts-Module zur Positionierung im inter- nationalen Wettbewerb. Dabei zeigt jedes einzelne Forschungsprojekt die gro- ße Innovationskraft der gesamten deutschen Solar- branche. Die Solarstrom- forschung, eine von den Ministerien für Forschung und Wirtschaft geförder- te Initiative, zielt darauf ab, Ge- schäftsmodelle im Verbund von Industrie und industrienahen Dienstleistungen in Deutschland voranzutreiben. Dafür werden in- dustriegeführte Verbundprojek- te unterstützt, die anwendungs- orientierte Forschungsarbeiten leisten, die durch einen hohen Innovationsgrad und ein hohes wissenschaftlich-technisches Ri- siko gekennzeichnet sind. Die For- schungsergebnisse werden dazu beitragen, die Fertigungskosten weiter zu senken, Wettbewerbs- vorteile zu erarbeiten und neu entstehende Märkte zu erschlie- ßen. Einen guten Eindruck der Forschungsaktivitäten vermit- telt der Dokumentarfilm „Solar- stromforschung in Deutschland“, den wir auf der Messe vorführen werden. Zudem hat BSW-Solar ein eigenes Workshop-Programm zusammen- gestellt. Welche Aspekte stehen in München im Fokus? Bei der Intersolar Europe trifft man auf ein internationales Fach- publikum aus der ganzen Welt. Dementsprechend bieten wir ver- schiedene Seminare zu interna- tionalen Themen an, etwa über den Solarmarkt in Argentinien, Iran und Mexiko, über veränder- te Märkte und innovative Finan- zierungsmodelle und über die Finanzierung von außereuropä- ischen PV-Projekten durch KfW und DEG. Andere Seminare, etwa zum Mieterstrom oder der ver- pflichtenden Direktvermarktung, legen den Schwerpunkt auf den deutschen Solarmarkt und die hie- sigen gesetzlichen Rahmenbedin- gungen. Das Seminar „9 Monate ErP Energieeffizienzlabel für Heizungen und Warmwas- sersysteme“ richtet sich da- gegen an Fachleute aus dem Bereich Solarwärme. Eines der Schwerpunktthe- men auf der Intersolar Eu- rope ist zweifelsohne die Novelle des Erneuerbare- Energien-Gesetzes (EEG). Ihr Verband warnt hier vor „fau- len Kompromissen“. Warum? Deutschland hat sich beim Klimagipfel in Paris für eine ambitionierte Klimapolitik mit dem langfristigen Ziel einer vollständigen Dekar- bonisierung eingesetzt und gilt auf dem Gebiet der So- lartechnik zu Recht als in- ternationaler Vorreiter. Jetzt, wo unsere Technik preiswert gewor- den ist, sollte man eigentlich eine Politik erwarten, die die Energie- wende stärkt und beschleunigt. Was wir im Moment erleben, ist jedoch eher das Gegenteil. Über die Politik wird ein Verteilungs- kampf ausgetragen, wer künf- tig die Profiteure und Zahler der Energiewende sind. Es ist ja eh- renwert, sich auch für die Jobs in der Kohlebranche einzusetzen. Allen wird es die Bundesregierung auf Dauer jedoch nicht recht ma- chen können, der Strukturwandel in der Energiewirtschaft lässt sich nicht aufhalten. Wird das Energie- wende-Tempo weiter gedrosselt, gefährdet Deutschland nicht nur seine Glaubwürdigkeit beim Kli- maschutz. Die mühsam erkämpf- te und noch bestehende Techno- logieführerschaft beim Thema Ökostrom steht dann insgesamt auf dem Spiel. Die Konkurrenz im Ausland schläft nicht. Der BSW setzt sich mit aller Kraft dafür ein, dass Deutschland zu einem Multi- Gigawatt-Markt zurückkehren wird. Das gelingt jedoch nur mit einer breiten Unterstützung aus der Unternehmerschaft. Die Be- harrungskräfte sind groß. Welche Konsequenzen befürchten Sie, sollte die Vergabe von Förder- mitteln für Solaranlagen künftig tatsächlich über Auktionsverfah- ren realisiert werden? Die bisherigen Auktionsverfah- ren für Freiflächenanlagen waren allesamt mehrfach überzeichnet, gleichzeitig wurden relativ niedri- ge Gebote abgegeben. Solarstrom ist günstig, die Investitionsbereit- schaft ist da. Werden jedoch nur geringe Mengen, weit weniger als ein Gigawatt pro Jahr, ausge- schrieben, kommen viele Investo- ren schlicht nicht zum Zug. So lassen sich die von der Regie- rung gesteckten Ausbauziele kaum erreichen. Gleichzeitig soll- te die Politik realisieren, dass Aus- schreibungen für Photovoltaik- anlagen auf Gebäuden aufgrund der kleinteiligen und heterogenen Projekt-, Akteurs- und Finanzie- rungsstruktur zum Scheitern ver- urteilt wären. Unter einem Mega- watt sollten Solarstromanlagen deshalb weiterhin nach dem her- kömmlichen Fördersystem vergü- tet werden. Wo sehen Sie bei dem Gesetzes- entwurf Nachbesserungsbedarf? Welche konkreten Rahmenbedin- gungen fordert Ihr Verband? Einer der Vorteile der Photovol- taik ist es, sauberen Strom dezen- tral am Ort des Verbrauchs un- mittelbar für den Eigenverbrauch erzeugen zu können. Hemmnisse für die Selbst- und Direktversor- gung von Mietern sollten deshalb konsequent abgebaut werden. Eine EEG-Umlage oder gar Steuer auf selbst genutzten Solarstrom wird von uns abgelehnt und mit Nachdruck bekämpft. Vor einer „weiteren Drosse- lung“ des Energiewende-Tem- pos warnt BSW-Solar-Chef Cars- ten Körnig im Interviewmit DIE MESSE . „Über die Politik wird ein Verteilungskampf ausgetra- gen, wer künftig die Profiteure und Zahler der Energiewende sind.“ Damit gefährde Deutsch- land nicht nur seine Glaubwür- digkeit beim Klimaschutz. „Die mühsam erkämpfte und noch bestehende Technologieführer- schaft beim Thema Ökostrom steht dann insgesamt auf dem Spiel. Die Konkurrenz im Aus- land schläft nicht.“ Carsten Körnig, Hauptgeschäfts- führer BSW – Bundesverband Solarwirtschaft e. V. Foto: www.solarwirtschaft.de Anlaufstelle der Off-Grid-Branche „Hemmnisse abbauen“ „Günstig und dezentral einsetzbar“: Die Photovoltaik eigne sich hervorragend für eine netz- ferne Stromversorgung, sagt Körnig. Foto: www.solarwirtschaft.de

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