IFFA 2019

•••6••• Interview Maschinenteile nicht in Hygienic Design auslegen und führen zu schwer zu reinigenden Bereichen (zum Beispiel Spalt, Dichtungsstel- le, …), kann das Düsensystem mit seiner Reinigungswirkung effizient genau darauf ausgelegt werden. Für welche Anwendungsszenarien in der fleischverarbeitenden Indus- trie bietet sich die neue Lösung an? Unter den bereits zuvor erwähn- ten Aspekten können im Prinzip alle Spritzreinigungssysteme in der fleischverarbeitenden Indus- trie ausgelegt werden. Das kann zum Beispiel die optimierte Aus- legung der Reinigung von Förder- bandsegmenten oder Schneid- modulen (Salami-Slicer oder Ähnliches) sein, bis hin zur Verbes- serung der Reinigungsvorgänge in einer Teilewaschanlage für zum Beispiel Fleischermesser oder andere Arbeitsutensilien. Auch wenn bereits bestehende Ma- schinen und Anlagen älterer Bau- art vorhanden sind, von denen es möglicherweise keine CAD-Daten gibt, können wir bei Digitalisie- rung und Optimierung der Reini- gungssysteme unterstützen. Zudem präsentiert das Fraunhofer IVV einen mobilen Reinigungsro- boter, der eine exakt auf die Um- gebung angepasste, voll automa- tisierte Reinigung ermöglicht. Wie gelingt dies? Das Mobile Cleaning Device (MCD) verfügt über verschiedene Senso- rik- und Reinigungssysteme, um die bedarfsgerechte Reinigung zu realisieren. Über einen optischen Verschmutzungssensor kann der Verschmutzungsgrad der Anla- ge erfasst und eine darauf abge- stimmte Reinigung durchgeführt werden. So kann in Abhängigkeit des Produkts und Antrocknungs- grades beispielsweise eine be- stimmte Reinigungschemie ausge- wählt oder in ihrer Konzentration verändert werden. Auch geomet- rische Einflüsse der Anlage haben große Auswirkungen auf die not- wendigen Reinigungsparameter. So verfügt das MCD über Posi- tionssensoren zur Erkennung der Umgebung, um unterscheiden zu können, ob es zum Beispiel gera- de durch ein großes Robotermo- dul oder ein kleineres Tunnelseg- ment fährt. Abhängig davon ist der Abstand zu den zu reinigenden Oberflä- chen deutlich größer oder man braucht für eine effiziente Reini- gung ein bestimmtes Reinigungs- system. Deshalb kann das MCD je nach erkanntem Modul verschie- dene Düsenarten zuschalten oder den Betriebsdruck verändern. Mit dem System ist eine durchgän- gige Protokollierung möglich. Wa- rum ist das wichtig? Im Kontext von Industrie 4.0 spielt Rückverfolgbarkeit heutzu- tage eine immer größere Rolle. Besonders Rückrufaktionen be- deuten einen meist großen wirt- schaftlichen Schaden kombiniert mit erheblichem Imageverlust, wodurch einige Unternehmen ja bereits aus demWettbewerb aus- geschieden sind. Daher ist auch und insbesondere für den hygie- nekritischen Prozessschritt der Reinigung eine Rückverfolgbar- keit durch automatisierte Proto- kollierung des Reinigungserfolgs unabdingbar. Ein Ausblick: Mit welchen Erwar- tungen fahren Sie zur IFFA nach Frankfurt? Angewandte Forschung bedeutet, nicht nur Lösungen für Probleme der Industrie anzubieten, son- dern auch Marktvorteile für mor- gen zu schaffen. In diesem Sinne erwarte ich viele spannende neue Kontakte aus den Bereichen der Lebensmittelproduzenten sowie Maschinen- und Anlagenherstel- ler, um gemeinsam innovative For- schungsprojekte und Ideen verfol- gen zu können. Mit der Simulationssoftware SIMKOR werden Reini- gungssysteme virtuell getestet und optimiert. Foto: Fraunhofer IVV Rückverfolgbarkeit Fortsetzung von Seite 3

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