Agritechnica 2019
••• 14••• Innovationen Intelligenz auf dem Acker ist gefragt Interdisziplinäres Konsortium forscht über Schwarmtechnologie und Robotik G ößere Arbeitsbreiten, stärke- re Motoren oder mehr Durch- satz – quantitatives Wachstum war und ist in der (Land-)Technik ein wichtiger Aspekt. Thomas Her- litzius und sein Team gehen einen anderen Weg. „Feldschwarm“ lau- tet der Name für die Technologie an der ein interdisziplinäres Kon- sortium forscht. Herlitzius, Pro- fessor für Agrarsystemtechnik an der TU Dresden, ist Sprecher der Gemeinschaft aus Hochschu- le, Wirtschaftspartnern und dem Fraunhofer-Institut für Verkehrs- und Infrastruktursysteme, Dres- den. Automatisierte Einheiten Das Prinzip leuchtet ein: Anstel- le einer großen Maschine kom- men mehrere flexible und kom- binierte Einheiten zum Einsatz. Der Feldschwarm besteht aus automatisierten und selbstfah- renden Einheiten. Der Grubber ist beispielsweise nicht mehr ein einzelnes Gerät mit neun Metern Arbeitsbreite, sondern mehrere kleinere Einheiten werden (virtu- ell) verbunden. Abhängig von der zu bearbeitenden Schlaggröße ist nicht jedes Mal die maximale Ka- pazität erforderlich, es kann we- niger sein. Das schont den Boden und spart Energie. Für den Feld- schwarm sind ohnehin alternative Antriebsenergien vorgesehen. Ag- rarsystemtechniker Herlitzius, ein pragmatischer Visionär, und sein Team warnen vor überzogenen, sprich zu frühen Erwartungen. Ausdauer ist gefragt. Die For- schung des von der TU Dresden koordinierten Konsortiums zielt auf Auslastung der vorhandenen Kapazitäten statt einzelner Spit- zenleistungen. Mithilfe der Robo- tik als höchster Stufe der Automa- tisierung gewinnen Landwirte und Verbraucher: die Erzeuger durch ressourcenschonenden Aufwand und die Konsumenten, indem die neue Technologie eine höchst zu- verlässige Rückverfolgung der Nahrungsmittelrohstoffe ermög- licht. Praxisreife automatisierte Verfahren jenseits der Schwärme, unter anderem Lenksysteme, sind auf dem „Plateau der Produktivi- tät“ angelangt. In der landwirt- schaftlichen Bodenbearbeitung stehe man aber erst am Anfang, erläutert Herlitzius und bringt ei- nen komplizierten Fachterminus ins Gespräch ein: „Collaborative Robotic“, kurz Cobotic. Mensch und Maschine rücken dafür wie- der näher zusammen. Die Ma- schine unterstützt und korrigiert die menschliche Arbeit. So reicht etwa in der industriellen Produk- tion ein Greifarm dem Monteur am Fließband die zu verbauenden Teile und schubst den Arbeiter bei Bedarf an, um Verletzungen zu vermeiden. Praxisreife kollaborati- ve Robotik in der Landtechnik gibt es noch nicht. Erste Ansätze sind Assistenzsysteme, in denen der Mensch quasi zum „Sensor“ wird und Entscheidungen bestätigt, genannt „Headland Management Turn“. „Wenig variabel und stets mit einem bestimmten Kontext verbunden“, urteilen die Wis- senschaftler. Wirkliche Kollabo- ration passe sich an die jeweils aktuelle Situation und die Kom- petenz des Menschen an. Bis es so weit ist müsse in den Ent- wicklungsabteilungen der Land- technikhersteller noch einiges .geschehen Feldschwarm anstelle großer Maschinen Foto: DLG, S. Pförtner Technik und Innovationen für die Landwirtschaft weltweit Innovationen und Neuheuten für Kartoffeltechnik und Verfahrenstechnik für die Druschfruchternte Auf der Agritechnica werden Landtechnikhersteller wieder eine große Anzahl an Neuheiten vor- stellen. Der weltweite Trend zu Band- schneidwerken und Techniken zur Adaption von Erntevorsätzen an die unterschiedlichen Bedin- gungen setzt sich fort. Die Band- schneidwerke der internationalen Hersteller werden auch an euro- päische Erntebedingungen ange- passt. Sensorik im Messerantrieb ermöglicht die Früherkennung von Schäden am Messerbalken, aber auch erstmals die lastab- hängige Regelung der Schnittfre- quenz. Trotz der Beschränkung der Bauvolumina der Mähdre- scher nehmen die Druschleistun- gen zu. Die Dresch- und Trennele- mente werden so gestaltet, dass der Erntegutfluss in Tangential- Dreschwerken möglichst gradli- nig und somit materialschonend und leistungssparend ist. Zur Leistungssteigerung tragen nicht nur vergrößerte Dreschtrommel- durchmesser, sondern vielmehr die passenden Dreschtrommel-, Zuführ- und Abscheidetrommel- Konstellationen bei. Dresch- und Abscheidekörbe lassen sich erst- malig von der Seite aus- und ein- bauen. Bei Axialrotor-Mähdreschern wird die Leistungsstabilität bei hohen Stroherträgen und Feuch- tegehalten durch neue Rotor- Gehäuse-Konfigurationen und modifizierte Wurftrommel-Ab- scheidekorb-Kombinationen er- höht. Die Spitzenmodelle verfü- gen über Motorleistungen von knapp 800 PS. Dies bestätigt ein- deutig den Trend zu einer zuneh- menden Leistungsdichte der Mäh- drescher. Kartoffeltechnik: Die aktuellen Rahmenbedingungen werden auch im Kartoffelanbau durch den ver- stärkten Klimawandel mit gegen- wärtig zwei aufeinanderfolgenden Trockenjahren und die intensive- re Diskussion über die Erzeugung der Lebensmittel in der Bevölke- rung geprägt. Neue technische Entwicklungen von verbesserten Baugruppen in Maschinen bis hin zur Digitalisierung tragen dazu bei, zukunftsorientierte Lösungsmög- lichkeiten schneller umzusetzen. Aufgrund der in Europa bereits sehr unterschiedlichen Betriebsgrößen beinhaltet das Angebot an einreihi- gen Kartoffelrodern mehrere Leis- tungsklassen und Ausstattungsva- rianten. Diese Differenzierung ist auch bei den zweireihigen Bunker- rodern zu beobachten, wo die in den letzten Jahren neu eingeführ- ten leichteren Baureihen in der Pra- xis deutlichen Zuspruch erfahren. Für die elektronische Beimen- gungstrennung in der Aufberei- tung stehen seit Jahren Maschinen mit unterschiedlichen Erkennungs- prinzipien und Leistungsklassen zur Verfügung. Das opto-elektro- nische Qualitätsverlesen ungewa- schener Kartoffeln wird von ersten Landwirten für Speise- und Pflanz- kartoffeln genutzt. Im praktischen Betrieb zeigen sich aber die Gren- zen, da die optische Variabilität der Knollenoberfläche doch deut- lich größer ist als bei gewaschenen Kartoffeln. Fortsetzung auf Seite 15 Thema Qualitätsverlesung. Foto: Jan Kolar, Unsplash
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