21. Juli 2019 
 
15. Mai 2019

Solarenergie-Ausbau: „Siebenmeilenstiefel statt Trippelschritte“

Für mehr Tempo beim Ausbau der Solarenergie macht sich Carsten Körnig, Hauptgeschäftsführer BSW – Bundesverband Solarwirtschaft e.V., im Interview mit DIE MESSE stark. Ausbauziele müssten heraufgesetzt und Bremsen gelöst werden: „Statt Trippelschritten braucht es Siebenmeilenstiefel“, fordert der BSW-Chef.

Foto: BSW-Solar/UpmannFoto: BSW-Solar/Upmann
Solarstrom-Module: Um die Rückstände beim Klimaschutz noch aufzuholen, muss das Tempo beim Ausbau der Solarenergie schnell vervielfacht werden, sagt Körnig.
Herr Körnig, 71 Prozent der Deutschen sprechen sich für eine weitere Solardach-Förderung aus, mehrheitlich betrachten die Bundesbürger Solarenergie als beliebteste Klimaschutz-Maßnahme. Wie erklären Sie sich diese hohen Sympathiewerte?
Solarenergie ist die Bürgerenergie schlechthin! Wirklich jeder kann sie nutzen und damit das Klima schützen – ob als Mieter mit der kleinen Balkonanlage, Hauseigentümer mit dem eigenen Solardach, Unternehmer mit der Photovoltaikanlage auf der Produk­tionshalle oder Anteilseigner eines größeren Solarparks. Weil die weit überwiegende Mehrheit der Menschen in Deutschland die Erhitzung der Erde ernst nimmt und immer mehr Akteure die Politik zum Handeln aufrufen, ist die hohe Zustimmung für die Fortsetzung der Solardach-Förderung fast schon eine logische Konsequenz – und extrem wichtig.

Um gemeinsam mit anderen Erneuerbaren Energien die Klimaziele noch zu erreichen, muss Ihrer Einschätzung nach die Sonnenstromernte in den nächsten zehn Jahren in Deutschland mindestens verdreifacht werden. Wie ist das zu schaffen?
Statt Trippelschritten braucht es Siebenmeilenstiefel! Solartechnik ist sehr preiswert geworden, sie genießt höchste Akzeptanzwerte und kann sehr schnell realisiert werden. Dafür müssen Ausbauziele heraufgesetzt und Bremsen gelöst werden. Der 2020 erreichte Förderdeckel für Dachanlagen ist ein großes Hindernis für den Ausbau der Photovoltaik, ein echter Anachronismus und wird mit unserer Hilfe hoffentlich schnell fallen.
Den Bürgern ebenso wenig vermittelbar ist die „Sonnensteuer“ auf den Eigenverbrauch von Solarstrom oder die überbürokratischen Regelungen für die Direktlieferung an Dritte – etwa Mieter. Beim Ausbau der Solarenergie müssen wir das Tempo schnell vervielfachen, um die Rückstände beim Klimaschutz noch aufzuholen!

Welche Hürden sind dabei noch zu überwinden?
Für das Erreichen der Klimaschutzziele in den Sektoren Strom, Wärme und Mobilität müssen alle verfügbaren Marktpotenziale mobilisiert werden. Ohne Frage zählt dazu auch die Bevorratung von Solarstrom im Heimspeicher und im „Batterie­tank“ eines E-Autos. Gerade Geschäftsmodellen an den Schnittstellen der neuen Energiewelt stehen aber häufig Marktbarrieren im Wege. Bei der Förderung der Elektromobilität sollte die Nutzung von Ökostrom – zum Beispiel aus einer eigenen Solaranlage – zur Voraussetzung werden und der Einbau eines ergänzenden stationären Speichers gezielt angereizt werden.

Sie fordern zudem, die „unangemessen starke gesetzliche Einschränkung möglicher Standorte für Solarkraftwerke“ zu lockern. Wie sind die Interessen der Solarwirtschaft einerseits und der Landwirtschaft und des Naturschutzes anderseits in Einklang zu bringen?
Rund die Hälfte der notwendigen Solarenergie-Ernte wird künftig aus ebenerdig errichteten Solarparks stammen müssen. Mit den derzeitigen Standort- und Größenrestriktionen ist dieses Ziel nicht erreichbar. Da der „Flächenverbrauch“ von Solarparks deutlich geringer ist als bei nachwachsenden Rohstoffen oder der Windkraft an Land, ist es dabei nicht erforderlich, in den Pachtwettstreit um Hochertragsäcker oder die Flächenkonkurrenz zu wertvollen Naturschutzflächen zu treten.
In einer fairen Interessenabwägung mit den Belangen des Naturschutzes und der Landwirtschaft lassen sich zusätzliche geeignete Solarstandorte finden. Warum sollten zum Beispiel von der Agrarindustrie ausgelaugte Felder nicht ein Solarkraftwerk beherbergen und damit eine mehrjährige Regenerationspause bekommen? Das bringt Wertschöpfung in den ländlichen Raum und steigert die Biodiversität.

Der Bundesverband Solarwirtschaft (BSW-Solar) präsentiert sich auf dem Stand B2.309. Welche weiteren Akzente setzt Ihr Verband in diesem Jahr in München?
Wir haben in diesem Jahr einen besonderen Grund zur Freude: Wir können unseren 40. Verbandsgeburtstag feiern und laden alle Messebesucher zu einem kleinen Umtrunk ein: am Abend des ersten Messetags (15.5.) ab 18 Uhr im The smarter E Forum (Halle B3, Stand 570). Mehr Infos zur Feier und zu unserem Jubiläumsgewinnspiel: https://www.solarwirtschaft.de/intersolar.

Herr Körnig, vielen Dank für das Gespräch.

https://www.solarwirtschaft.de/
https://www.thesmartere.de/

 


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