13. Dezember 2018 
 
27. Februar 2018

EuroCIS: Erlebnis im Laden durch nichts zu ersetzen

Der Online-Handel boomt, aber wer meint, stationäre Geschäfte seien finsterstes Mittelalter, den belehrt dlv-Geschäftsführer Dr. Wolfram Krause gerne eines Besseren. „Flagshipstores mit spektakulärer Architektur gehören vielerorts zum neuen Bild der Städte und gelten nicht selten als Touristenattraktion.“

Foto: GanterFoto: Ganter
Kühler, sachlicher Industrielook trifft auf luxuriöse Fashion: Flagship-Boutique auf der rue St.-Honoré in Paris.
Herr Dr. Krause, wird es in 20 Jahren noch Offline-Läden geben?
Davon bin ich überzeugt. Die Individualisierung der Gesellschaft geht seit den 60er Jahren voran, dadurch zerfallen traditionelle Gemeinschaften. Mehr als ein Drittel der Haushalte in Deutschland sind Singlehaushalte, Tendenz steigend. Der Laden hat eine Chance als sozialer Treffpunkt. Social Shopping wird wichtiger als Lonely Shopping, sagt das Trendforschungsinstitut GDI (Gottlieb Duttweiler Institut) in seiner Studie “Shopping and the city 2020”. Im Vordergrund stehen der Erfahrungsaustausch mit dem Verkäufer oder anderen Kunden, die Unterhaltung, das Erlebnis im Store, der Kontakt mit anderen.

Und: Im Jahr 2050 werden nach einer Studie der UN zwei von drei Menschen weltweit in Städten leben. Die Stadt erlebt eine Renaissance als Lebens- und Kulturform. Insbesondere die Innenstadt wird in der Regel durch herausragende Bauten, charakteristische Plätze und aber vor allem den Handel geprägt. Fußgängerzonen sind da, wo das Stadtzentrum (oder das Stadtteilzentrum) liegt. Der Retail prägt das Bild des Zentrums, ist Basis für ein vielfältiges öffentliches Leben. Flagshipstores mit spektakulärer Architektur gehören vielerorts zum neuen Bild der Städte und gelten nicht selten als Touristenattraktion. Prada hat in Tokio mit Herzog-de Meuron, den Architekten der Elbphilharmonie in Hamburg, einen neuen großartigen Flagshipstore gebaut. Diese Läden bereichern die Städte auch noch in zwanzig Jahren.

Im Mittelpunkt auf der EuroCIS stehen Augmented Reality (AR) und Virtual Reality (VR), mit deren Hilfe die Kunden durch virtuelle Warenwelten geführt werden können. Welche Möglichkeiten für den Handel bieten diese Technologien?
Diese Technologien sind dann sinnvoll, wenn sie dem Kunden Unterstützung beim Einkauf im Store bringen. Digitale Spielereien mögen kurzfristig begeistern, bieten aber langfristig keinen Nutzen. Aktuell sehen Sie am POS noch nicht viel Technologie im Einsatz, das wird sich aber in den kommenden Jahren ändern. Die Digitalisierung des POS bietet die Chance, online und offline besser zu verzahnen und dem Kunden im Laden sehr viel mehr Informationen, zum Beispiel über das Produkt oder die Anwendung, zu geben. Jeder Retailer muss aber für sich selbst definieren, wie er künftig diese Technologien in seinem Bereich sinnvoll einsetzen will. Das klingt einfach, ist aber für viele offenbar schwierig umzusetzen. Denn einfach mal kaufen, was der Wettbewerb auch angeschafft hat, das geht nicht mehr. Die tiefe Kenntnis der Zielgruppe und des Portfolios sowie der kompetente Überblick über die vorhandenen technischen Tools und die Notwendigkeit für den eigenen Store ist unabdingbar.

Der dlv – Netzwerk Ladenbau e.V. ist auf der EuroCIS in Halle 9 / F01 zu finden. Welche Schwerpunkte setzen Sie in Düsseldorf?
Die klassische Messe der Ladenbauer ist die EuroShop. An diesem alle drei Jahre stattfindenden weltweit wichtigsten Branchenevent hat der dlv mit einem 1?400 Quadratmeter großen Stand teilgenommen. Auf der EuroCIS stellt der dlv traditionell mit einem Informationsstand aus und präsentiert das Netzwerk und die Mitgliedsunternehmen.

Der stationäre Handel lebt immer noch – trotz boomenden Online-Handels –, hat aber schwer zu kämpfen. Wie kann der Laden sich auch in Zukunft in Szene setzen, um mit E-Commerce mitzuhalten und Käufer ins Geschäft zu locken?
„Geschäfte sind Mittelalter. Sie wurden nur gebaut, weil es kein Internet gab“. Die Aussage von Zalando-Gründer Oliver Samwer hat 2014 die Handelslandschaft erschüttert. Studien, wonach jeder zehnte Händler in den nächsten fünf Jahren schließt, schrecken den Handel auf. Mittlerweile hat Zalando selbst stationäre Läden und plant, wie gerade zu hören und zu lesen war, für 2018 weitere Eröffnungen. Warum? Weil das Erlebnis im Laden, die reale Begegnung mit der Marke, dem Produkt, durch nichts zu ersetzen ist. Allerdings wird der Retail künftig sehr genau überlegen müssen, welche Produkte er im Store anbietet und was besser im E-Shop aufgehoben ist. Sehr viele Produkte des täglichen Bedarfs, wie zum Beispiel Drogerieartikel, werden zunehmend online gekauft. Wer sich also in einen Laden aufmacht, sucht ein besonders und interessant zusammengestelltes Warensortiment, möchte eine kompetente und freundliche Beratung und erwartet einen guten Service. Viele Händler setzten erfolgreich auf einen Mix aus individuellem Warenangebot, Service (wie zum Beispiel Reparaturstelle, Click&Collect-Abwicklungen, persönliche Einkaufsberater und vieles mehr) und Gastronomie. Der Kunde ist heute nicht König, sondern Kaiser. Er entscheidet, wo er was kauft. Soll er das im Laden tun, ist der Ladeninhaber mehr denn je gefordert. Dass hierzu eine moderne und innovative Ladeneinrichtung gehört, die die vorgenannten Punkte optimal unterstützt, ist selbstverständlich.

Welche Einzelhandelsbranche zeigt sich besonders innovativ bei Store Design und Marketing?
Die Foodbranche hat in den letzten Jahren sehr viel investiert und ist neue Wege gegangen. Vom Bedarfskauf („Milch braucht man immer, warum sich beim Verkaufen Mühe geben?“) haben sich viele Lebensmittelhändler mit ihren Läden immens weiterentwickelt. Es gibt großartige Lebensmittelgeschäfte. Marktatmosphäre, natürliche Materialien, breite Wege, niedrige Regale, einfallsreiches Visual Merchandising: Die Foodbranche hat sich in den letzten Jahren sehr gut in Szene gesetzt.

https://www.netzwerk-ladenbau.de
https://www.eurocis.com/

 


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