17. Dezember 2018 
 
20. März 2018

Anuga FoodTec: Nutzung von Big Data spielt große Rolle

Welche Effekte die Digitalisierung auf die Ressourceneffizienz in der Lebensmittelproduktion haben kann, rückt die Eröffnungskonferenz der Anuga FoodTec in den Fokus. DIE MESSE hat bei Wissenschaftlern des Fraunhofer IPA nachgefragt.

Foto: KoelnmesseFoto: Koelnmesse
Ressourceneffiziente Lebensmittelproduktion ist das bestimmende Thema der Anuga FoodTec 2018.
Herr Prof. Dr. Sauer, auf der Eröffnungskonferenz der Anuga FoodTec erörtern Sie, welche Wirkung die Digitalisierung auf die Ressourceneffizienz von Unternehmen hat. Wie ist Ihr Befund?
Ressourceneffizienz in Unternehmen wird in den kommenden Jahren immer weiter an Bedeutung gewinnen, insbesondere durch die weitere Ressourcenverknappung. Es muss ein Paradigmenwechsel hin zu einem nachhaltigen Wirtschaften auf der Grundlage der Entkopplung von Wachstum und Ressourcenverbrauch erfolgen. Digitalisierung kann hierzu einen großen Beitrag leisten, beispielsweise durch Effizienzsteigerungen in Form einer Verringerung von Ausschuss oder Stromverbrauch. Jedoch wird Ressourceneffizienz derzeit in den meisten Betrieben als Nebeneffekt der Digitalisierung angesehen, der zum Beispiel mit der Prozess-Automatisierung einhergeht. Darüber hinaus fehlen betriebliche Datengrundlagen zu spezifischen Ressourcenverbräuchen in der Produktion, sodass es für Unternehmen schwer abschätzbar ist, inwieweit eine Maßnahme auch zu Ressourceneinsparungen führt. Wir haben im Rahmen von Fallstudien gesehen, dass hier sowohl positive als auch negative Auswirkungen möglich sind. Digitalisierung kann auch zu einem vermehrten Ressourcenverbrauch führen. Daher ist es für Unternehmen wichtig, Strategien für die Ressourceneffizienz zu entwickeln, um so das Potential der Digitalisierung zielgerichtet auszunutzen.

Frau Waltersmann, welche Vorteile kann die Digitalisierung in der Fertigung bringen?
Die Digitalisierung hat weitreichende Auswirkungen auf die Fertigung und ermöglicht sowohl Steigerungen der Effizienz als auch der Flexibilität und Transparenz. Die Verringerung von Stillstandszeiten und Störungen durch Predicitive Maintenance ist nur ein Beispiel. Mithilfe integrierter Sensoren und Informations- und Kommunikationstechnologie kann die Fertigung dezentral überwacht, gesteuert und geregelt werden, sodass es möglich wird, dass Produkte selbstständig durch die Produktion laufen und sich je nach Maschinenauslastung den optimalen Pfad suchen. Darüber hinaus ermöglichen die erhobenen Daten eine realitätsnahe Simulation der Produktion und so eine genauere Planung und schnellere Fehlererkennung. Durch die Anwendung des Plug-and-Produce-Ansatzes, also der automatischen Rekonfiguration der Produktion bei Hinzufügen oder Entfernen von Komponenten, kann eine neue Stufe der Flexibilität innerhalb der Fertigung erreicht werden.

Welche konkreten Digitalisierungsansätze sehen Sie in der Lebensmittel- und Getränkeindustrie?
In der Lebensmittelproduktion wird vor allem die Nutzung von Big Data eine große Rolle spielen. Da hier häufig enge Zeitfenster eingehalten werden müssen, kann Predictive Maintenance durch die Verringerung der Stillstandszeiten zur Reduzierung von Produktionsverlusten beitragen. Big Data schafft außerdem die Vorrausetzung für genauere Marktvorhersagen, sodass es möglich wird, nur noch die Produkte herzustellen, die auch zeitnah nachgefragt werden. In der Landwirtschaft wird der Big Data-Ansatz schon von einigen Firmen angewendet. Hier werden dem Landwirt durch die Auswertung unterschiedlichster Datenquellen beispielsweise genaue Empfehlungen zur optimalen Erntezeit und Düngung gegeben. Auf der anderen Seite ermöglichen digitale Geschäftsmodelle eine zunehmende Individualisierung von Produkten, die über eine digitalisierte Wertschöpfungskette bis zum Endverbraucher realisiert werden können.

Die Digitalisierung birgt für die Unternehmen allerdings auch Herausforderungen: Wo bestehen Risiken – etwa mit Blick auf Sicherheitsaspekte?
Generell führt die Digitalisierung zu einer verstärkten Vernetzung innerhalb und außerhalb der Unternehmen, wie durch die Nutzung von public cloud services oder öffentlichen Schnittstellen. Genau diese Vernetzung bietet natürlich auch ein zusätzliches Angriffspotential und ein Risiko von Datenabfluss und -manipulation. Gerade der Datendiebstahl birgt große Risiken, wie den Vertrauensverlust von Kunden oder den Verlust von wettbewerbsrelevantem Wissen. Sicherheitsaspekte werden jedoch im Allgemeinen unterschätzt und können vor allem von kleineren Unternehmen meist nicht entsprechend umgesetzt werden.

Welche Rolle können künftig neue Technologien wie Augmented Reality- oder Assistenzsysteme in einem effizienten Fertigungssystem spielen?
Insbesondere für die Schulung und Unterstützung von Mitarbeitern werden diese Systeme eine größere Rolle spielen. Durch das Einblenden von relevanten Informationen über Augmented Reality-Systeme, beispielsweise einer Bedienungsanleitung direkt an der Maschine, können Fehler bei der Bedienung vermieden und Mitarbeiter schneller für entsprechende Tätigkeiten geschult werden. Auch Remote-Reparaturen sind hier denkbar, sodass Stillstandszeiten drastisch verringert werden können.

Ein Ausblick: Wo sehen Sie insbesondere in der Lebensmittel- und Getränkeindustrie in den nächsten Jahren noch Optimierungspotenzial?
Verluste spielen in dieser Branche eine große Rolle. Derzeit geht insbesondere bei der Verteilung der Lebensmittel ein erheblicher Anteil verloren. Durch eine bessere Ausnutzung des Potentials der Digitalisierung könnten diese Verluste minimiert werden. Beispielsweise kann durch eine lückenlose Dokumentation des Warenflusses mithilfe von IKT die Transparenz über die Herstell- und Transportbedingungen erhöht werden. Durch integrierte Sensoren zur Messung von Temperatur oder Feuchtigkeit können Frische und Qualität der Produkte überwacht und Parameter angepasst werden. Unterstützt durch IKT können dann flexible Logistiknetzwerke aufgebaut werden, welche zeitnahe Lieferungen beispielsweise von verderblichen Lebensmitteln erleichtern.

https://www.ipa.fraunhofer.de/
http://www.anugafoodtec.de

 


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