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Neue Ausgabe von DIE MESSE zur European Coatings Show (4. bis 6. April 2017 in Nürnberg) erschienen

Mit Schichten zu mehr Schutz und Sicherheit

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Interview mit Dr. Victor Trapp, Leiter Vertrieb und Marketing des Fraunhofer-Instituts für Silicatforschung ISC

03.04.2017

Das Fraunhofer-Institut für Silicatforschung ISC hat Barriereschichten entwickelt, die beispielsweise Kunststofffolien undurchlässig machen sollen. Dr. Victor Trapp, Leiter Vertrieb und Marketing, erklärt im Interview mit DIE MESSE, wie diese Technologie funktioniert.

 - Die bioabbaubaren Barriereschichten eignen sich für Lebensmittelverpackungen.
© Fraunhofer ISC
Die bioabbaubaren Barriereschichten eignen sich für Lebensmittelverpackungen.

Die European Coatings Show gilt als internationale Leitmesse der Lack- und Farbenindustrie. Auf welche Neuerungen sind Sie in Nürnberg gespannt?

Ich bin gespannt darauf, welche Rolle das Thema nachwachsende Rohstoffe spielen wird und welche Trends in Richtung aktiver Funktionalitäten und Additive zu beobachten sind.

Das Fraunhofer-Institut für Silicatforschung ISC ist auf der European Coatings Show in Halle 5 an Stand 446 zu finden. Welche Schwerpunkte setzen Sie in diesem Jahr?

Das Fraunhofer ISC wird in diesem Jahr zu folgenden Themen ausstellen:

  • Bioabbaubare Barrierelacke – bioORMOCER –, beispielsweise Lebensmittel oder Pharmaverpackungen
  • REACH-konforme Beschichtungs-/Materiallösungen zur Substitution kritischer Stoffe und kostengünstigen Reduzierung von Prozessschritten, zum Beispiel bei der Galvanisierung
  • Additive, Nanopartikel zur Funktionalisierung von Beschichtungen, zum Beispiel halogenfreie Flammschutzadditive (Partikelsynthese im Pilotmaßstab bis 100 Liter)
  • Antihaft-Beschichtungen für Stäube oder Flüssigkeiten
  • Oberflächen- und Schichtanalytik, Schadensanalytik, Messanlage zur Echtzeit-Untersuchung von Materialien und Oberflächen unter definierten Klimabedingungen (KlimaTOM)
Sie haben spezielle Schichten entwickelt, die das Anhaften von Stäuben verhindern. Können wir uns das lästige Staubwischen im Haushalt in der Zukunft ersparen?

Diese staubabweisenden Schichten sind speziell für Oberflächen interessant, die nicht oder nur mit sehr großem Aufwand zu reinigen sind – ursprünglich wurden solche Schichten von uns für Solaranlagen in Wüstengebieten entwickelt, wo eine Reinigung mit Wasser nur schwer möglich ist. Derzeit prüfen wir, wie sich solche Schutzschichten in Produktionsanlagen einsetzen lassen. Grundsätzlich ließe sich so etwas natürlich auch für Haushaltsgegenstände denken – aber dafür bräuchten wir erstmal Hersteller, die an einer solchen Weiterentwicklung ihrer Produkte interessiert wären.

Die Medien haben schon häufig darüber berichtet, dass gesundheitsschädliche Mineralöle aus Verpackungen in Nahrungsmittel übergehen. Das Fraunhofer ISC hat bioabbaubare Beschichtungen entwickelt. Aus welchen Materialien bestehen diese Beschichtungen und könnten sie solche Verunreinigungen zukünftig verhindern?

Unsere bioabbaubaren Barriere­schichten basieren auf umweltfreundlichen anorganisch-organischen Hybridpolymeren, die mit bioabbaubaren Biopolymeren modifiziert wurden. Sie sollen insbesondere bioabbaubare Kunststofffolien für anspruchsvollere Verpackungen fit machen und schützen die Folien gegen Feuchte und Gase, aber auch gegen Öle. Damit können sie auch gleichzeitig eine Barriere gegen die Verunreinigung des verpackten Gutes mit unerwünschten Stoffen bilden.

 - Dr. Victor Trapp, Leiter Vertrieb und Marketing des Fraunhofer-Instituts für Silicatforschung ISC
© Fraunhofer ISC
Dr. Victor Trapp, Leiter Vertrieb und Marketing des Fraunhofer-Instituts für Silicatforschung ISC

Gibt es dafür noch andere Anwendungsgebiete?

Unsere bioORMOCERe wurden zunächst für Lebensmittel-, Pharma- und Kosmetikverpackungen entwickelt. Zukünftige Entwicklungen in diesem Bereich werden das Ziel haben, die neuen biologisch abbaubaren Beschichtungen auch noch für weitere sinnvolle Einsatzgebiete maßzuschneidern. Letztlich können Barriereschichten überall interessant sein, wo empfindliche Materialien gegen Feuchte und Gase geschützt werden sollen. Neben den bioabbaubaren Barriereschichten für den Verpackungsbereich hat das Fraunhofer ISC gemeinsam mit Partner­instituten in der Fraunhofer-Allianz Polymere Oberflächen POLO auch Ultrabarriereschichten für die organische Elektronik entwickelt. Damit lassen sich beispielsweise organische LED flexibel verkapseln oder auch organische Photovoltaikzellen.

Das Fraunhofer ISC forscht auch zur Partikelentwicklung und zeigt auf der European Coatings Show einige Forschungsergebnisse. Was bekommen Fachbesucher an Ihrem Stand zu sehen?

Wir werden funktionalisierende Additive für Beschichtungen zeigen, beispielsweise für den Flammschutz oder für Fälschungssicherheit.

Zur Veredelung von Kunststoffen haben Sie ein neues, vereinfachtes Galvanisierungsverfahren entwickelt, das zudem umweltfreundlicher ist als herkömmliche Verfahren. Wie funktioniert diese neue Technologie und welche Anwendungsgebiete sind denkbar?

Das Fraunhofer ISC hat eine leitfähige Beschichtung entwickelt, die nasschemisch direkt auf einem Kunststoffbauteil aufgetragen werden kann und als Basis für die anschließende Galvanisierung dient. Damit können drei bis vier der sonst nötigen Galvanisierungsschritte eingespart werden, bei denen jeweils gesundheitlich bedenkliche Chemikalien eingesetzt werden müssen. So können wir nicht nur zu einer Kostenersparnis, sondern auch zur Verbesserung der Umweltfreundlichkeit dieser Form der Kunststoffveredelung beitragen.

Welche Trends in der Farben- und Beschichtungsindustrie sind Ihrer Meinung nach am vielversprechendesten?

Ich sehe die Funktionsintegra­tion im Kommen – beispielsweise durch funktionelle Additive oder Baukastensysteme – , Aktive Beschichtungen, zum Beispiel mit schaltbaren Eigenschaften, nachwachsende Rohstoffe und effiziente Prozesse in der Herstellung.

http://www.isc.fraunhofer.de
http://www.european-coatings-show.com/

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