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MEDIZIN 2017: Wo geht's hin, Gesundheitswesen?

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17.03.2017

Neue Impulse auf dem zweiten Landeskongress Gesundheit Baden-Württemberg in Stuttgart: Politiker und Experten diskutieren über die Herausforderungen der Branche. Der Kongress fand im Rahmen des Messeduos MEDIZIN/TheraPro statt.

 - Das Messeduo MEDIZIN/TheraPro zeigte neue Lösungen für die Branche und gab den Rahmen für den Landeskongress Gesundheit.
© Messe Stuttgart
Das Messeduo MEDIZIN/TheraPro zeigte neue Lösungen für die Branche und gab den Rahmen für den Landeskongress Gesundheit.

Die Veranstaltung fand parallel zum ersten Tag des Messeduos MEDIZIN/TheraPro statt und stand unter dem Motto: „Aktive Versorgungssteuerung – Wie sehen Behandlungsprozesse der Zukunft aus?“. Das deutsche Gesundheitssystem sei zwar „auf höchstem Niveau und für unsere Verhältnisse sogar preisgünstig“, sagte Dr. Klaus Baier, Präsident der Bezirksärztekammer Nordwürttemberg, doch könne es durch übertriebenen „Sparwahn und Ausbeutung von Arbeitskräften“ in Gefahr geraten. Um „konkurrenzfähig und leistungsfähig“ zu bleiben, gelte es daher, „Ideen, Manpower und Potenziale zu bündeln“.

„Mitten im Strukturwandel“

Dies bekräftigte auch Staatssekretärin Bärbl Mielich vom Landesministerium für Soziales und Integration. Das deutsche Gesundheitswesen befinde sich „mitten in einem Strukturwandel“. Um die Aufgaben der Zukunft bewältigen zu können, müsse man langfristig auf eine „sektorenübergreifende, patientenorientierte Versorgung“ hinarbeiten. Die herrschende, „arztzentrierte Versorgungsstruktur“ sei überkommen, „denn wir können es uns nicht leisten, sämtliche Kompetenzen getrennt abzurufen. Meine Vision ist ein interdisziplinäres Versorgungsteam, das auf Augenhöhe miteinander arbeitet.“ Eine entscheidende Rolle spiele dabei die Telemedizin: „Hier müssen wir Bedenken und Ängste nehmen und die Digitalisierung als Chance begreifen.“

„Vernünftig, bezahlbar und nutzbringend“

Lutz Stroppe, Staatssekretär im Bundesministerium für Gesundheit, pflichtete seiner Kollegin bei: Im Hinblick auf Demografie und ländlichen Raum sei ein Umdenken in vielen Punkten notwendig. „Die Bundesregierung kann nur Rahmenbedingungen schaffen. Diese auszufüllen, ist Aufgabe von Ländern, Kommunen und Krankenhäusern.“ Der Landeskongress Gesundheit könne dort, „wo noch nicht alles vernünftig, bezahlbar und nutzbringend“ sei, Impulse setzen, die schließlich „zu neuen bundesgesetzlichen Regelungen“ führen könnten. Als Ergebnis einer fruchtbaren Diskussion mit den Ländern nannte er das 2016 in Kraft getretene Krankenhausstrukturgesetz. Deutschland stehe „vor großen Herausforderungen“, etwa durch eine zunehmende „altersbedingte Multimorbidität“, sagte Stroppe. Oft werde allerdings vergessen, dass es „für ältere Menschen etwas ganz Positives ist, älter zu werden, und unser Gesundheitssystem trägt wesentlich dazu bei.“ Nun gehe es darum, „die Behandlungsqualität unter dem Blickwinkel der demografischen Entwicklung und im Einklang mit der Finanzierung zu erhalten.“

Anregungen und Know-how aus der Praxis

In den Foren des „World Café“ am Nachmittag wurden Fragen zu den „Megatrends künftiger Versorgung“ anschließend weiter vertieft – etwa die „Digitalisierung und Telemedizin“, „Ambulante Versorgungspfade“ oder die „Aktive Versorgungssteuerung aus Sicht der Patienten“. Die nächste Ausgabe des Messduos MEDIZIN/TherPro findet vom 26. bis 28. Januar in Stuttgart statt.

www.messe-stuttgart.de/medizin/