26. September 2018 
 
13. März 2018

LogiMAT: Wenn der Monteur gleich mitfährt

Intelligente Fahrerlose Transportsysteme (FTS) für die die Automobilfabrik der Zukunft entwickeln Forscher am Institut für Fördertechnik und Logistik (IFT) der Universität Stuttgart. Wie diese FTS funktionieren, erläutert Institutsleiter Karl-Heinz Wehking im Interview.

Foto: IFTFoto: IFT
Mini-Regalbediengerät (RBG) mit Fahrerlosem Transportsystem (FTS)
Herr Professor Wehking, das Institut für Fördertechnik und Logistik (IFT) der Universität Stuttgart ist auf der LogiMAT in Halle 5, Stand D30 zu finden. Welche Schwerpunkte setzen Sie in diesem Jahr in Stuttgart?
Einen Schwerpunkt auf der LogiMAT 2018 an unserem Messestand stellt die Präsentation eines neuartigen, vom IFT entwickelten Montage- und Logistik-Groß-FTS mit sechs Metern Länge und einer Breite von 3,4 Metern dar. Dieses völlig neuartige automatische Fahrzeug stellt das zentrale Element eines neuartigen Produktionskonzeptes für die Automobilindustrie dar, welches im Rahmen des Projektes ARENA2036 entwickelt wurde. Es ist in der Lage, beliebige Bodenmodule von Karossen von PKWs aufzunehmen und stellt die gesamte Montageunterstützung durch verschiedene Hebe- und Senkmechanismen sowie vertikaler und horizontaler Schwenkmöglichkeiten dar. Dieses Montage- und Logistik-Groß-FTS erhält die zu montierenden Teile just in real time durch Zuführung mittels Klein-FTS, die ebenfalls leitlinienlos vollautomatisch arbeiten. Darüber hinaus stellen wir weitere Ergebnisse verschiedener Forschungsprojekte auf unserem Messestand dar und veranstalten am Mittwoch traditionell den IFT-Tag mit vier Fachforen gespickt mit spannenden Vorträgen zu aktuellen Themen.

Im Projekt ARENA2036 forscht das IFT an Konzepten für die Produktionslogistik von morgen. Welche Komponenten haben Sie bereits entwickelt und wo soll die Reise im Projekt hingehen?
Im Großprojekt ARENA2036 der Universität Stuttgart, verschiedener Industriepartner und des BMBF stehen die Themen Mobilität und Produktion der Zukunft im Fokus. Das Institut für Fördertechnik und Logistik der Universität Stuttgart beschäftigt sich dabei mit dem Themenfeld der wandelbaren und flexiblen Automobilproduktion der Losgröße 1. Hierbei geht es darum, dass die bisherige verkettete Fließfertigung auf Basis von Bandförderern nach Ford beziehungsweise Taylor abgelöst und durch eine flexible, wandelbare und nicht verkettete Produktion ersetzt wird. Das Institut hat zunächst zehn verschiedene Konzepte entwickelt, die anschließend durch Simulationen mit Originaldaten eines großen Automobilproduzenten überprüft werden konnten, so dass sich drei dieser neuartigen Logistikkonzepte herauskristallisiert haben.
Im Rahmen verschiedener Projekte sind Prototypen für die Konzepte entstanden, welche derzeit in der großen ARENA2036-Demonstrator- und Versuchshalle auf 6.000 Quadratmetern in Betrieb genommen und getestet werden. Zu nennen sind hier das Montage- und Logistik-Groß-FTS, verschiedene Klein-FTS zur Materialversorgung, unter anderem des Groß-FTS, sowie ein neuartiges Riegelkonzept mit einem Mini-RBG zur Kommissionierung. Ziel ist es, eine wandelbare flexible und auf die Losgröße 1 ausgerichtete Automobilproduktion durchzuführen, bei der in einem einzigen Werk alle Fahrzeugtypen in allen Varianten, Formen etc. gefertigt werden können.

Am Messestand zeigen Sie unter anderem den Prototypen eines neuartigen Montage- und Logistik-Groß-FTF für die flexible Automobilproduktion. Fahrerlose Transportfahrzeuge (FTF) sind insbesondere in der Intralogistik nicht neu, was ist das Besondere an Ihrer Entwicklung?
Das neuartige Montage- und Logistik-Groß-FTS ist mit bisherigen fahrerlosen Transportsystemen in der Produktion überhaupt nicht vergleichbar, da hier die Monteure auf einer um das FTS angebrachten Plattform während der Fahrt mitfahren können. Dadurch ergibt sich für die Produktionsprozesse eine deutlich höhere Flexibilität, da nicht mehr feste Stationen angefahren werden müssen. Allerdings sind die Sicherheitsanforderungen nun völlig anders als bisher. Bisher ging man davon aus, dass ein stehendes FTS sicher ist, diese Möglichkeit existiert nun nicht mehr. Schwerpunkte der zukünftigen Arbeiten sind demzufolge unter anderem Konzepte für die notwendigen Sicherheitssysteme für solch ein FTS zu erarbeiten und zu testen.

Ihr Institut hat auch ein Logistikkonzept für eine flexible Produktion entwickelt und dafür das DigiLabel erfunden, eine neuartige, passive Identifikationstechnologie an Ladungsträgern. Wie funktioniert sie und wo lässt sie sich einsetzen?
Beim DigiLabel handelt es sich um ein elektronisch wiederbeschreibbares Etikett zum Beispiel für Kleinladungsträger. Das DigiLabel wird berührungslos über eine Funktechnologie beschrieben und benötigt wie ein aus dem Bereich der E-Book-Reader bekanntes E-Paper-Display nur für den Schreibvorgang Energie. Für die Anzeige der Informationen wird dann keine Energie mehr benötigt, wodurch keine Energiespeicher wie Batterien und die damit verbundene Infrastruktur eingesetzt werden müssen. Durch den Einsatz des DigiLabels ist somit der Druck, das Anbringen und nach Gebrauch wieder nötige Entfernen von Klebeetiketten an zum Beispiel KLT`s nicht mehr nötig, was auch erheblich Ressourcen einspart.

Am Mittwoch, 14. März, findet im Forum E, Halle 9 der von Ihnen moderierte traditionelle IFT-Tag statt. Dieses Fachforum steht unter dem Leitmotiv „Innovation, Future, Technology“. Welche Themen behandeln Sie?
Wir veranstalten insgesamt vier Vortragssequenzen mit unterschiedlichsten The-menstellungen aus dem Bereich der Intralogistik und Produktionslogistik. Die erste Sequenz beschäftigt sich mit der Exzellenz in der manuellen Kommissionierung. Der Mensch ist in der Kommissionierung nach wie vor unverzichtbar und die klassische Person-zur-Ware-Kommissionierung weit verbreitet. In dieser Sequenz werden konkrete Optimierungsansätze für die Planung und den Betrieb manueller Kommissioniersysteme in der Produktions- und Distributionslogistik aus Sicht der Wissenschaft und Praxis präsentiert. In der zweiten Sequenz werden Lösungsansätzen für eine intelligente Produktionslogistik vorgestellt. Hier werden unter anderem die Konzepte und Prototypen aus dem Projekt ARENA2036 gezeigt. Die dritte Sequenz versucht Antworten auf die Fragestellung zu geben, wie das in der Produktion benötigte Mate-rial zukünftig auf dem schnellsten Weg möglichst sicher an den Montageplatz kommt.
Der Fokus liegt dabei auf einer flexiblen Materialbereitstellung mittels Fahrerloser Transportsysteme und der Informationsbereitstellung an intelligenten Ladungsträgern. Die letzte Sequenz zeigt aktuelle Entwicklungen aus dem Bereich der Simulation und Visualisierung in der Intralogistik.

Einer Ihrer wissenschaftlichen Mitarbeiter referiert auf dem IFT-Tag über Simulation und Visualisierung. Welche neuen Möglichkeiten werden sich durch Virtual Reality (VR) in der Intralogistik ergeben?
Einen Schwerpunkt bei der Anwendung von Virtuell Reality sehen wir als Mittel zur Visualisierung von Simulationen von Materialflusssystemen. Durch dieses Werkzeug kann bereits während des Planungsprozesses zum Beispiel eines neuen Distribu­ti-onszentrums die Anlage virtuell erlebt und einzelne Prozesse erprobt werden. Dadurch lässt sich die Qualität in der Planung deutlich verbessern.
Ein weiteres Anwendungsfeld für VR sehen wir in Einlernprozessen zum Beispiel von Mitarbeitern in der Kommissionierung. Dadurch ist eine Verringerung der Einarbeitungszeiten und eine niedrigere Fehlerquote bei neuen Mitarbeitern realisierbar.

https://www.logimat-messe.de/

 

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