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Interview

Maschinenbau übernimmt Vorreiterrolle

DIEMESSE

im Gespräch mit W. Burchard, Geschäftsführer VDMA Fachverband Armaturen

Wie ist die wirtschaftliche Aus-

gangslage für Ihre Branche in die-

sem Jahr und wie schätzen Sie die

weitere Entwicklung ein?

Die deutschen Industriearma-

turenhersteller kämpfen weiter

mit Umsatzeinbußen und star-

ten verhalten ins neue Jahr. Das

schwache Geschäft im Inland

konnte nicht durch eine Zunah-

me der Exporte ausgeglichen

werden. Insgesamt verzeichne-

te die deutsche Industriearma-

turenbranche 2014 einen Um-

satzrückgang von zwei Prozent.

Starke Umsatzbringer wie China

oder Russland entwickelten sich

2014 rückläufig. So gingen die

Ausfuhren von Industriearmatu-

ren nach China um fünf Prozent

und nach Russland sogar um 29

Prozent zurück. Allerdings ent-

wickelten sich die Exporte ins

europäische Ausland sehr erfreu-

lich (+ 16 Prozent). Auch das Um-

satzwachstum in den USA legte

um 15 Prozent zu.

Die wirtschaftlichen Rahmenbe-

dingungen in Europa sind derzeit

gut. Niedrige Zinsen, Abwertung

des Euro, geringe Inflation sowie

der niedrige Ölpreis lassen auf

eine Stabilisierung der Konjunk-

tur in 2015 hoffen. Dennoch birgt

der geringe Ölpreis auch Risiken

für die Hersteller. Zwar stimuliert

der Preiseinbruch die Konjunktur

in wichtigen Abnehmerländern.

Dagegen fahren die wichtigen

Abnehmer im Öl- und Gassektor

ihre Ausgaben für neue Förder-

technik und Pipelines aktuell zu-

rück.

Es bleibt nur zu hoffen, dass sich

2015 die zahlreichen Krisenherde

auf der Welt beruhigen und die

Investitionen in Anlagen wieder

hochgefahren werden. Vor

diesem Hintergrund erschie-

ne ein reales Umsatzwachs-

tum der Industriearmatu-

renhersteller 2015 von zwei

Prozent noch recht erfreu-

lich.

Industrie 4.0 und Internet

der Dingen sind aktuell gro-

ße Schlagworte: Welche

Rolle spielen diese für Ih-

re Branche? Wo liegen die

Herausforderungen für die

Gebäude- und Industriear-

maturen-Branche, um Di-

gitalisierung, Internet der

Dinge und Industrie 4.0 zu

etablieren?

Zuerst einmal muss ver-

standen werden, dass Industrie

4.0 nicht nur ein Thema für die

Großindustrie ist. Auch in klei-

nen und mittelständischen Un-

ternehmen des Maschinenbaus

muss Industrie 4.0 wirtschaft-

lich sein und schließlich auch um-

gesetzt werden (können). Dafür

ist es wichtig zu wissen, von was

eigentlich die Rede ist, wenn wir

von 4.0 sprechen. Ein einheitli-

ches Verständnis der Branche ist

dabei von zentraler Bedeutung.

Wir, der VDMA, verstehen unter

Industrie 4.0 für den Maschi-

nenbau eine Verknüpfung von

IT, Internet- und Produktions-

technologie. Wobei Menschen,

Maschinen und Produktions-

mittel über die gesamte Dauer

der Wertschöpfungskette und

darüber hinaus kommunizieren.

Dafür müssen wir an gemeinsa-

men internationalen Standards

arbeiten. Genau hier kommt das

VDMA Forum Industrie 4.0 ins

Spiel, das unsere Mitgliedsun-

ternehmen in den maßgeblichen

Handlungsfeldern Forschung,

Standardisierung, IT-Sicherheit,

Produktionsorganisation, Quali-

fizierung der Mitarbeiter etc. be-

rät und unterstützt.

Die Industriearmaturenbranche

ist extrem heterogen in Bezug auf

die Abnehmermärkte, Bauarten

und Stückzahlen. Gerade für die

sie ist eine starke Individualisie-

rung der Produkte unter den Be-

dingungen einer hoch flexibilisier-

ten Produktion kennzeichnend.

Die Unternehmen müssen in der

Art ihres Wirtschaftens und im

Produktportfolio aber noch flexi-

bler werden. In dem Zuge dieser

Flexibilisierung und Digitalisie-

rung der Produkte und Produkti-

onsprozesse müssen wir uns aber

auch mit Fragen der Datensicher-

heit und des Datenschutzes ausei-

nandersetzen.

Das Thema Energiewende ist wei-

terhin aktuell. Was kann die Ar-

maturenindustrie hier beitragen.

Wo liegt der größte Handlungs-

bedarf?

Neue Technologien sind das A

und O, um die ehrgeizigen Zie-

le in der Energiepolitik zu er-

reichen. Als Vorreiter bei der

Entwicklung dieser energieeffi-

zienten und umweltschonenden

Technologien ist unsere Branche,

der Maschinenbau, eine Schlüs-

selindustrie für das Gelingen

der Energiewende. Insbesonde-

re die Energieeffizienz müssen

wir noch stärker zum zentralen

Bestandteil der Energiewende

machen. Ohne Energieeffizienz

keine Energiewende. Nur wenn

die Energieeffizienz im Zen-

trum der deutschen und

europäischen Energiepoli-

tik steht, kann die Energie-

wende gelingen.

Ob Brauereien, Kraftwerke,

Schiffe, oder die chemische

Industrie – sie alle können

dank neuer Technologien

des Maschinen- und Anla-

genbaus Energie einsparen.

Das muss auch durch die

politischen Rahmenbedin-

gungen für ein klares Ziel

für Energieeffizienz signa-

lisiert werden. So fühlen

sich die Unternehmen auch

sicher, in effiziente Techno-

logien zu investieren.

Auf der ISH in Frankfurt im März

2015 wurde gegen Produktpirate-

rie im Bereich der Gebäudearma-

turenhersteller durch Zollrund-

gänge auf der Messe initiiert vom

VDMA Fachverband Armaturen

vorgegangen. Betrifft die Produkt-

piraterie die Industriearmaturen-

hersteller im gleichen Umfang?

Von Produktpiraterie betroffen

ist der gesamte deutsche Maschi-

nenbau, also auch der Bereich der

Industriearmaturen.

Allerdings sind konsumentennahe

und designorientierte Gebäudear-

maturen deutlich stärker betrof-

fen. Nichtsdestotrotz werden wir

auch auf der ACHEMA ein genau-

es Auge auf die ausgestellten bzw.

angebotenen Produkte werfen

und gegebenenfalls notwendige

Maßnahmen veranlassen.

Der VDMA ist in allen BRICS-Staa-

ten (Brasilien, Russland, Indien,

China und Südafrika) mit eigenen

Niederlassungen vertreten. Was

bieten die Auslands-Repräsentan-

zen des VDMA den Mitgliedern

des Fachverbandes Armaturen

für Möglichkeiten?

Die VDMA-Auslandsbüros sind vor

allem Brückenköpfe unserer Mit-

gliedsunternehmen vor Ort. Sie

informieren über Marktchancen,

unterstützen beim Markteintritt,

sind Türöffner bei staatlichen Stel-

len und bieten nicht zuletzt ein in-

teressantes Netzwerk für den re-

gionalen Maschinenbau und seine

Abnehmer.

Was präsentiert Ihr Verband be-

ziehungsweise was präsentieren

Ihre Mitglieder auf der ACHEMA?

Unser Verband informiert auf

der ACHEMA über die Leistungs-

stärke und -vielfalt der Arma-

turenindustrie. Er vermittelt

Kontakte zwischen Ausstellern

und Besuchern und bietet eine

Gesprächsplattform für alle an

der Branche interessierten Krei-

se. Die Hersteller werden neben

Werkstoff- und Strömungsthe-

men vor allem Effizienz- und

Vernetzungslösungen im Sinne

von Industrie 4.0 präsentieren.

Wolfgang Burchard, Geschäfts-

führer des VDMA Fachverband

Armaturen,sprach anlässlich der

ACHEMA mit der Redaktion von

DIE MESSE

über die allgemei-

ne Entwicklung der Branche

und das Zukunftsthema Indus-

trie 4.0.

Wolfgang Burchard, Geschäfts-

führer VDMA Fachverband Arma-

turen

Foto: VDMA

Auswirkungen

des Ölpreises

Leistungsstark

Der Verband Deutscher Maschi-

nen- und Anlagenbau (VDMA)

ist der Interessenverband der In-

vestitionsgüterindustrie (Maschi-

nen- und Anlagenbau). 38 Fach-

verbände des VDMA vertreten

die in den einzelnen Branchen

der Maschinenbauindustrie re-

präsentierten Unternehmen

und deren Interessen innerhalb

und außerhalb des Verbands.

Der Fachverband Armaturen ist

der Zusammenschluss nahezu

aller bedeutenden deutschen

Hersteller von Gebäude- und

Industriearmaturen. Er zählt

derzeit rund 160 Mitgliedsun-

ternehmen. Der Fachverband

vertritt die Interessen der Ar-

maturenindustrie bei nationalen

und internationalen Institutio-

nen, gegenüber Behörden, Lie-

feranten- und Abnehmerorgani-

sationen und nimmt Einfluss auf

technische Regelwerke.

Der Fachverband Armaturen präsentiert sich auf der

ACHEMA in Halle 8 A 23.

Foto: KSB